Eine Pilgerreise, die sein Leben prägte: Dieter Demeter aus Dewangen hat sein Jakobsweg-Buch veröffentlicht.
Stand: 23.07.2026, 17:00 Uhr
Von: Tina Nusshör

Eine Pilgerreise, die sein Leben prägte: Dieter Demeter aus Dewangen hat sein Jakobsweg-Buch veröffentlicht.
Aalen-Dewangen. Viele Menschen nutzen den Ruhestand, um kürzerzutreten. Dieter Demeter gehört nicht dazu. Der 81-Jährige malt, musiziert, engagiert sich für digitale Bildung, schreibt Bücher – und erfüllt sich nun einen Traum, den er seit Jahren mit sich trägt: Sein Jakobsweg-Buch „El Camino – Im Schatten der Geheimnisse“ ist erstmals auf Deutsch erschienen.
Dabei ist das Werk keineswegs neu. Bereits 2013 veröffentlichte Demeter die Geschichte in ungarischer Sprache. Auf der Buchmesse im ungarischen Győr wurde das Buch damals zum Bestseller. Mehr als 2000 Exemplare wurden verkauft. Insgesamt erreichten seine bislang fünf Bücher rund 15.000 Leser. Nun möchte er auch Menschen in Deutschland an den Erfahrungen teilhaben lassen, die ihn und seine Frau Maria auf einer außergewöhnlichen Reise geprägt haben.
„Deutschland ist meine zweite Heimat, und ich wollte meine Erfahrungen mit den Menschen hier teilen“, sagt Demeter.
Ein Weg durch Spanien – und zu sich selbstIm Mittelpunkt des Buches steht der französische Jakobsweg. Auf rund 800 Kilometern wanderten Dieter und Maria Demeter von Saint-Jean-Pied-de-Port bis nach Santiago de Compostela. In nur 30 Tagen legten sie die Strecke zurück.
„Insgesamt stiegen wir 10.580 Meter auf und fielen 10.430 Meter ab – bei Regen, Schnee, Schneesturm, Wind, Schlamm und Sonnenschein“, beschreibt Demeter die körperliche Herausforderung. Über eine Million Schritte seien die beiden damals gegangen.
Damals war er 67 Jahre alt, seine Frau 61. Die beiden haben im Laufe der Jahre zahlreiche Jakobswege zurückgelegt. Doch dieser Weg wurde für Demeter zu etwas Besonderem.
Dankbarkeit als AntriebFür ihn war die Pilgerreise weit mehr als eine sportliche Leistung. Sie war Ausdruck von Dankbarkeit. „Ich betrachte Gott als meinen Freund“, sagt Demeter. Ein Freund, der ihm in schwierigen Lebenssituationen beigestanden habe: bei der Flucht aus Rumänien, beim Aufbau eines neuen Lebens in Deutschland, im Berufsleben und in persönlichen Krisen.
Die Entscheidung, den Jakobsweg zu gehen, entstand aus dem Wunsch heraus, für diese Unterstützung Danke zu sagen. Die Erfahrungen unterwegs hätten ihn tief geprägt und seien schließlich zur Grundlage seines Buches geworden.
Die zweite Reise beginnt nachtsDoch „El Camino“ erzählt nicht nur von schmerzenden Füßen, Herbergen und langen Tagesetappen. Eine besondere Rolle spielen die Träume des Autors. „Langsam wird mir bewusst, dass ich auf zwei Wegen gehe. Auf dem einen lege ich tagsüber die Kilometer zurück, auf dem anderen gehe ich nachts in meinen Träumen“, schreibt Demeter.
Während der Wanderung habe sich etwas verändert. Träume, an die er sich früher kaum erinnern konnte, seien plötzlich klar und lebendig geworden. Sie begleiteten ihn über Wochen hinweg und wurden zu einem wichtigen Teil seiner Pilgererfahrung.
Die körperliche Reise und die innere Reise verschmelzen im Buch immer wieder miteinander. Dadurch wird „El Camino“ weniger zu einem klassischen Reisebericht als zu einer persönlichen Reflexion über Glauben, Leben und die Frage, was Menschen antreibt.
Auch für seine Frau Maria war die Reise eine intensive Erfahrung. An einer Stelle beschreibt sie einen besonderen Moment mit den Worten: „Ich bekomme schon Gänsehaut, denn das Ganze wirkt so überirdisch.“
Gespräche über die großen FragenUnterwegs begegnete Demeter Pilgern aus unterschiedlichsten Ländern. Viele dieser Begegnungen fanden Eingang in sein Buch. „Wir sprachen über Menschen, Religionen, Esoterik und Gesellschaft – also über alles außer Politik“, heißt es darin.
Eine Begegnung blieb ihm besonders im Gedächtnis. Ein Fremder gab ihm einen Rat, der ihn bis heute begleitet: „Lass die Ereignisse ihren Lauf nehmen und du wirst Antworten auf alles bekommen.“
Diese Haltung empfiehlt Demeter auch Menschen, die selbst mit dem Gedanken spielen, den Jakobsweg zu gehen. „Wenn du ohne Erwartungen gehst und alles auf dich wirken lässt, dann kann es zu einer seelischen Verwandlung kommen“, sagt er.
Ein Leben zwischen Technik, Kunst und LiteraturWer Dieter Demeter kennt, wundert sich nicht darüber, dass aus einer Pilgerreise ein Buch entstanden ist. Geboren wurde er 1945 im rumänischen Klausenburg (Cluj). Seine Mutter war Deutsche, sein Vater Ungar aus Siebenbürgen. Nach einem Studium der Elektrotechnik arbeitete er als Ingenieur und Hochschuldozent. Gleichzeitig beschäftigte ihn schon immer die kreative Seite des Lebens.
Später absolvierte er eine Kunstausbildung in Ungarn. Mehr als 800 Bilder hat er inzwischen geschaffen. Seine Werke waren unter anderem in Ungarn und Paris zu sehen. In seinem Haus in Dewangen hängen zahlreiche Gemälde, die Stationen seines Lebens festhalten.
Neben der Malerei widmet er sich seit vielen Jahren auch der Literatur. Viele seiner Texte verbinden persönliche Erfahrungen mit philosophischen Fragen und gesellschaftlichen Beobachtungen.
Schreiben, um zu verstehen und weiterzugebenWarum schreibt ein Mensch mit 80 Jahren noch Bücher? „Entweder schreibt man Bücher, um seine eigenen Erfahrungen zu verarbeiten, oder um den Menschen etwas zu geben“, sagt Demeter.
Für ihn spiele beides eine Rolle. Besonders wichtig sei ihm, sowohl in seinen Büchern als auch in seiner Kunst kritisch auf die Gesellschaft zu blicken und Gedanken weiterzugeben, die Menschen zum Nachdenken anregen.
Mit der deutschen Veröffentlichung von „El Camino – Im Schatten der Geheimnisse“ hat er nun ein neues Publikum erreicht. Gleichzeitig ist es sein erstes Buch, das neben Ungarisch auch auf Deutsch und Französisch erschienen ist.
Und die Arbeit geht weiter: Bereits in den kommenden Monaten sollen mit „Der Preis der Freiheit“ und „Das Gefängnis – Jenseits der Gitter“ weitere seiner Werke in deutscher Sprache veröffentlicht werden. Mit 81 Jahren denkt Demeter nicht ans Aufhören. Neue Ideen gibt es genug. Schließlich sind Träume nicht nur dazu da, geträumt zu werden – sondern verwirklicht zu werden.
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