In einem sorgfältig inszenierten Gespräch legt der im April entlassene Coach seine Sicht auf die Affäre um sein gefälschtes Impfzertifikat dar. SRF reagiert auf die Kritik – und widerspricht.
In einem sorgfältig inszenierten Gespräch legt der im April entlassene Coach seine Sicht auf die Affäre um sein gefälschtes Impfzertifikat dar. SRF reagiert auf die Kritik – und widerspricht.

David W. Cerny / Reuters
Sorgfältig ausgeleuchtet sitzt Patrick Fischer im Zürcher «Kaufleuten». Schon am Montag hatte der im April entlassene ehemalige Schweizer Eishockey-Nationaltrainer auf seinen Kanälen angekündigt, sein Schweigen zu brechen. Bedeutungsschwer als «The Interview» wird ein Gespräch zwischen dem ehemaligen «Blick»-Chefredaktor Peter Röthlisberger und Fischer inszeniert. Wobei Röthlisberger schlicht Stichworte serviert.
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Der Zweck der Veranstaltung ist klar: Fischer, 50, will sich in ein besseres Licht rücken. Sein Mandatsvertrag mit Swiss Ice Hockey ist ausgelaufen. Schon im Herbst 2025, als Fischer sich entschied, seinen Vertrag nicht mehr zu verlängern, fasste er einen Plan für seine Zukunft: Er gedenkt, sich als eine Art Life-Coach neu zu erfinden. Als Person mit stattlichem sportlichem Palmarès als Referent aufzutreten, das kann durchaus lukrativ sein.
Fischer hat das schon während seiner Tätigkeit als Nationaltrainer getan; pro Vortrag kassierte er teilweise Honorare im tiefen fünfstelligen Bereich. Seine überarbeitete Website ging am Dienstag zeitgleich mit dem Interview online. Darauf wird Leo Tolstoi zitiert, über Fischer ist zu lesen: «Am Ende stolperte er über seinen Optimismus, sein Vertrauen in seine Mitmenschen und über seine Werte, sich selbst treu zu bleiben – insbesondere im Kontext der Covid-Impfgeschichte.»
Die Entlassung war schlecht für Fischers neue Business-IdeeDieses Narrativ versuchen Fischer und sein Umfeld seit Wochen zu verbreiten. Nur: Der Zuger ist darüber gestolpert, dass er sich nicht an geltendes Recht gehalten hat. Über nichts anderes.
Die Affäre um sein illegal erworbenes Covid-Impfzertifikat und die darauf erfolgte Entlassung waren mutmasslich schlecht fürs Geschäft. Firmen öffnen bereitwillig das Checkbuch für den Strahlemann Fischer, die Lichtgestalt des Schweizer Eishockeys. Aber weniger für einen gefallenen, wegen Urkundenfälschung verurteilten Coach.
Mit seinem Interview versucht Fischer, die öffentliche Wahrnehmung seiner Person zu beeinflussen. Man kann sich darüber streiten, ob das gelungen ist. Allzu viel Einsicht zeigt Fischer nicht, kritische Nachfragen gibt es von Röthlisberger keine. Seine Weigerung, sich impfen zu lassen, erklärt Fischer so: «Ich beschäftige mich mit gewissen Themen, vor allem, wenn es um meine Gesundheit, meinen Körper geht. Ich höre stark auf mein Bauchgefühl. Das ist mein Anker. Darauf vertraue ich. Deshalb war für mich klar, dass ich mich nicht impfen lasse.» Diese Sichtweise ist ihm unbenommen. Mit einem «Bauchgefühl» ist die Urkundenfälschung aber nicht weggewischt.
Fischer sagt, er habe sich monatelang damit beschäftigt, wie er das «Problem» lösen könnte: «Dem Verband war klar, dass die Situation für mich schwierig war. Sie riefen mich ins Büro und legten mir einen Vertrag vor, in dem festgelegt war, an welchen Events ich teilnehmen musste. An der U-20-WM in Peking und an der WM 2022 in Helsinki.» Dafür brauchte Fischer die Impfung gegen das Coronavirus. «Falls ich dort fehlen würde, gäbe es Sanktionen, die über 500 000 Franken betragen hätten. Das war für mich störend und machte natürlich zusätzlichen Druck. Aber am Ende unterschrieb ich den Vertrag Anfang November 2021.» Eine Konventionalstrafe für das Nichterfüllen eines Vertrags mag «störend» sein, vor allem aber ist sie branchenübergreifend Usus.
Pauschale Medienkritik und ein Dementi von SRFDanach geht Fischer dazu über, die Medien zu attackieren. Ganz generell, weil der Fall «aufgebauscht» worden sei. Und im Speziellen natürlich SRF, das Fischers Vergehen publik gemacht hatte. Fischers Interviewer Röthlisberger liest aus einer E-Mail des SRF-Journalisten Pascal Schmitz vor: «Ich schreibe dir bezüglich unseres ‹Off the record›-Gesprächs am Mittagstisch in Altstetten. Mir ist die Bedeutung einer ‹Off the record›-Vereinbarung sehr bewusst, und ich nehme dies ernst», soll Schmitz an Finn Sulzer, den Medienchef des Verbands, geschrieben haben.
Gezeigt wird die Nachricht im Video nicht. Fischer doppelt nach und sagt: «Es irritierte mich, dass dann vom SRF kommuniziert wurde, es sei nie ‹off the record› gewesen. Das stimmt so einfach nicht. Es wurde eine Vereinbarung gebrochen. Das war sehr irritierend, denn so sah auch unser Medienchef schlecht aus.»
SRF reagiert am Nachmittag mit einer Stellungnahme und schreibt: «SRF hält an seiner bisherigen Darstellung fest: Es gab keine ‹Off the record›-Vereinbarung vor dem Gespräch mit Patrick Fischer.» Stattdessen habe der Medienchef Sulzer versucht, im Nachgang eine ‹Off the record›-Forderung geltend zu machen. «Deshalb kam es zum erwähnten E-Mail-Verkehr zwischen Pascal Schmitz und dem Medienchef.»
Nach wie vor sind die Fronten verhärtet, der Erkenntnisgewinn aus «The Interview» ist überschaubar. Während der am 31. Mai zu Ende gegangenen Heim-WM war Fischer kein Thema, das Eishockey-Nationalteam erreichte auch ohne ihn und mit seinem Nachfolger Jan Cadieux den Final. Jetzt ist er immerhin wieder im Gespräch.