Der Schweizer Handball-Nationalcoach liefert eine geistreiche Erklärung für das penible Scheitern in der WM-Qualifikation. Seine Aussage reiht sich mit ihrer Logik in die reiche Sammlung unsterblicher Sportlersprüche ein.
Der Schweizer Handball-Nationalcoach liefert eine geistreiche Erklärung für das penible Scheitern in der WM-Qualifikation. Seine Aussage reiht sich mit ihrer Logik in die reiche Sammlung unsterblicher Sportlersprüche ein.

Keystone
Der Profisport wird immer professioneller und darum öder – Athleten erhalten Medienschulungen, in denen sie lernen, wie man mit Plattitüden das Publikum und die Journaille gekonnt sediert. Früher war das anders – und ja, besser.
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Ach, was haben uns Sportlerinterviews für grandiose Unterhaltung geliefert. Die Wutrede von Giovanni Trapattoni 1998 in München, «Was erlauben Strunz?». Der Ausbruch des kanadischen Eishockeytrainers Greg Holst, der nach einer Niederlage mit Villach in einem Interview mit einem «Premiere»-Reporter in einer Minute neun Mal mit «Fuck» fluchte.
Und dann all die philosophischen Einlassungen der grossen Denker unserer Zeit. «Ich bin körperlich und physisch topfit», sagte Thomas Hässler einmal, Deutschlands Antwort auf Sokrates. Oder auch: «Vom Feeling her habe ich ein gutes Gefühl.» Und Fredi Bobic, einst Hässlers Kollege im deutschen Nationalteam, sagte: «Man darf jetzt nicht alles so schlechtreden, wie es war.»
Heute ist es selten geworden, dass eine Aussage aufhorchen lässt. Und nach allem, was man weiss, hat Andy Schmid keine britischen Vorfahren. Vermuten liesse es sich, weil die Aussage an einen gewissen Bobby Robson erinnert, den ehemaligen Fussball-Nationaltrainer Englands. Es sei Schmid an dieser Stelle nahegelegt, vielleicht doch einmal einen dieser DNA-Tests durchzuführen, der Aufschluss über die letzten acht Generationen liefern soll. Zeit hat der in Luzern aufgewachsene Trainer der Schweizer Handball-Nationalmannschaft ja nun, nachdem sein Team im Play-off als turmhoher Favorit gegen Italien die Teilnahme an der WM 2027 in Deutschland vergeigt hat.
Das schmähliche Scheitern erklärte Schmid mit diesem unsterblichen Satz: «Wir sind nicht überheblich geworden. Aber wir haben uns in einer falschen Selbstsicherheit gewogen», diktierte er dem «Blick». Es ist diese bestechende Logik, die an Bobby Robson denken lässt. Er hat 1990 nach einem glückhaften 3:2-Sieg nach Verlängerung im WM-Viertelfinal gegen Kamerun gesagt: «Wir haben sie nicht unterschätzt, sie waren einfach viel besser, als wir dachten.»
Robson verstarb 2009, es wäre interessant, zu wissen, ob im Stammbaum mit Schmid Überschneidungen vorliegen. Falls ja, wäre das ein Segen für den Unterhaltungswert der Nischensportart Handball, weil Schmid dann womöglich dereinst einen ähnlichen Schatz an Zitaten und Aphorismen hinterlassen wird wie Robson. Dieser sagte unter anderem auch noch: «Wir fliegen mit der Concorde. Das verkürzt die Distanz, das ist selbsterklärend.»
Und nach Berichten über disziplinarische Verfehlungen und einen Hang zum Laster bei seinen Spielern in Newcastle 2002: «Wir wollen nicht, dass unsere Spieler Mönche sind. Wir wollen, dass sie bessere Fussballspieler sind, denn ein Mönch spielt nicht auf diesem Level Fussball.»
Um es im Geiste von Andy Schmid und Bobby Robson zu formulieren: Das ist nicht das Ende dieses Texts. Er hört hier nur auf.
Ein Artikel aus der «NZZ am Sonntag»
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