Vor einem Jahr wechselte Juri Knorr von den Rhein-Neckar-Löwen nach Aalborg in Dänemark. Beim Abschiedsspiel zwei seiner alten Teamkollegen lässt der 26-Jährige tief blicken.
Für viele Handball-Fans ist Juri Knorr das Idol schlechthin. Jeder erkennt seinen blonden, stramm nach hinten gebundenen Zopf und seinen athletischen Spielstil auf dem Feld sofort. In der deutschen Nationalmannschaft ist er in der Rückraum-Mitte Dreh- und Angelpunkt. Auf Vereinsebene verwaltet er diese Position seit einem Jahr beim dänischen Meister des vergangenen Jahres, Aalborg Håndbold. Für Knorr "einer der größten Vereine der Welt aktuell", wie er vor dem Wechsel 2025 bei SWR Sport im Interview erklärte.
Rückkehr nach Heidelberg ein "komisches Gefühl, aber schön"Bereits vor dem Wechsel von den Rhein-Neckar-Löwen nach Aalborg war klar: Juri Knorr hat den Norden im Blut. Geboren und aufgewachsen ist er in Flensburg, spielt in der Jugend in Lübeck. Über Barcelona-B - die zweite Nachwuchs- und Ausbildungsmannschaft des spanischen Rekordmeisters - und GWD Minden in Nordrhein-Westfalen geht es für ihn 2021 zu den Löwen. Gewohnt hat er ab dann in Heidelberg - "der schönsten Stadt Deutschlands", wie er im Zuge des Abschiedsspiel seiner ehemaligen Mitspieler Mikael Appelgren und Patrick Groetzki SWR Sport verrät.
Für diesen Anlass war Knorr noch einmal in die Arena der Löwen zurückgekehrt. Spiel, Spaß und große Emotionen standen vor den über 8.000 Fans im Vordergrund. Und auch Knorr, im gelb-blauen Dress, das er vier Jahre lang getragen hat, wirkt nach dem Schlusssignal melancholisch. Die Stirn in Falten gelegt sagt er: "Alles fühlt sich so vertraut an, aber es ist schon wieder ein Jahr vergangen. Dadurch entsteht ein komisches Gefühl."
Vom Handball begeisterten Jungen zur WeltspitzeDer Schritt, die Löwen und Heidelberg vor einem Jahr zu verlassen, war kein einfacher. Seine Antwort heute klingt wie ein Echo von vor einem Jahr, als er dem SWR gegenüber sagte: "Die aktuelle Phase (zu gehen, Anm. d. Red.) tut natürlich ein bisschen weh. Es ist Wehmut dabei und auch eine gewisse Traurigkeit, dass jetzt die vier Jahre vorbei sind bei den Löwen, in Heidelberg - eine wunderschöne Stadt, wo wir eine gute Zeit hatten, die wir sehr genossen haben."
Vor dem Abschiedsspiel nun sei er bereits eine Woche in Heidelberg gewesen und genieße dort seine letzten Urlaubstage. Persönlich eingeladen hatte ihn Patrick "Johnny" Groetzki, wie die Löwen-Legende mit Spitznamen genannt wird. "Als ich in die Halle gekommen bin, alleine wie viele Legenden da saßen. Allen voran die beiden (Groetzki und Appelgren, Anm. d. Red.). Es ist schon verrückt, dass ich da jetzt selbst mit sitzen darf."
Mannheim Handball Die Löwen Groetzki und Appelgren haben zum letzten Mal gebrülltWährend er das sagt, merkt man ihm an, dass er selbst mal ein kleiner vom Handball begeisterter Junge war. Dass Ikonen und Idole für Knorr ein wichtiger Faktor sind, war bereits beim Wechsel nach Aalborg erkennbar. Damals erklärte er, dort könne er sich nicht nur weiterentwickeln, sondern auch mit Weltklassespielern - Idolen von ihm - zusammenspielen.
Mit Aalborg auf Mission TitelverteidigungSpätestens seit dem Wechsel nach Aalborg ist Knorr nun also im Kreis der Weltklasse angekommen, feierte dort im letzten Jahr den Meistertitel. Und auch in der Champions League scheiterte der Klub im Halbfinale nur knapp gegen den späteren Sieger Barcelona. Knorr selbst gibt sich mit der letzten Saison zufrieden: "Für ein erstes Jahr war es wirklich gut. Natürlich ist es eine Umstellung und es braucht ein bisschen Zeit, bis man richtig ankommt. Aber sportlich lief es echt gut."
Nur die sprachliche und kulturelle Veränderung brauche noch etwas Zeit, aber auch da gibt er sich zuversichtlich: "Ich lerne extrem viel und gerade nach einem Jahr denke ich mir schon: 'Cool, das gemacht zu haben und die Erfahrung mitgenommen zu haben.' Dass man sich da durch schwierige Momente durchgekämpft hat, fühlt sich dann am Ende schon gut an."
Als nächstes geht es für Knorr und die ganze Mannschaft aus Aalborg in die Saisonvorbereitung. Unter anderem mit einem Testspiel gegen die Füchse Berlin - alte Bekannte aus der Bundesliga. Ziel dürfte selbstverständlich die vierte Meisterschaft in Folge sein. Mit der Nationalmannschaft steht dann im Januar 2027 das Saisonhighlight Weltmeisterschaft in Deutschland an.
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