Blutige Machtkämpfe, perfide Intrigen und vor allem: Drachen. Die dritte Staffel von „House of the Dragon“ steht in den Startlöchern und die Serienmacher haben ein großes Versprechen abgegeben – ob sie das auch einhalten können?
Emma D’Arcy als Rhaenyra Targaryen in der zweiten Staffel von „House of the Dragon“.
Foto: Sky DeutschlandDüsseldorf · Blutige Machtkämpfe, perfide Intrigen und vor allem: Drachen. Die dritte Staffel von „House of the Dragon“ steht in den Startlöchern und die Serienmacher haben ein großes Versprechen abgegeben – ob sie das auch einhalten können?
Nach zweijähriger Wartezeit kehren die Drachen auf die Bildschirme zurück – die dritte Staffel des „Game of Thrones“-Prequels „House of the Dragon“ startet und HBO macht keinen Hehl daraus, wie groß der Anspruch ist. Bei der Weltpremiere in London ließ CEO Casey Bloys mit Zahlen aufwarten, die für sich sprechen: 314 Drehtage, 1500 Crewmitglieder, 3000 Liter Kunstblut und ein Weltrekord beim gleichzeitigen In-Brand-Setzen von 23 Stuntdarstellern. Die Messlatte liegt also hoch, jetzt wo es für die Fans erneut zurück nach Westeros geht. Ein Blick vorab auf die ersten vier neuen Episoden.
Eine Schlacht auf Kinoniveau
Die neuen Folgen knüpfen nahtlos an die zweite Staffel an: Die sieben Königslande sind gespalten. Auf der einen Seite König Aegon und seine Anhänger, auf der anderen Königin Rhaenyra mit ihren Gefolgsleuten. Der „Tanz der Drachen“ – so nennt die Nachwelt in Westeros diesen blutigen Bürgerkrieg – ist in vollem Gange.
Wie angespannt die Lage dort wirklich ist, wird gleich zu Beginn der neuen Staffel deutlich: Denn die macht ihren Auftakt mit der sogenannten „Schlacht an der Gurgel“. Was die zweite Staffel zuvor mühsam aufgebaut hat, entlädt sich hier nun in einer Seeschlacht, die Kinoniveau erreicht. Wir sehen Drachen aufsteigen, erleben eine spannende Verfolgungsjagd und sehen reihenweise Schiffe untergehen. Das Versprechen der Serienmacher, eine der „verrücktesten Folgen der TV-Geschichte" abzuliefern, lösen sie tatsächlich ein. Die Seeschlacht bleibt bis zur letzten Minute packend, es gibt einige Wendungen und die Folgen der Schlacht haben direkte Konsequenzen auf den weiteren Verlauf der Handlung.
Doch so wuchtig der Einstieg auch ausfällt, so spürbar fällt das Tempo danach ab. Die folgenden Episoden verlagern ihren Schwerpunkt zurück auf die Figuren, ihre Beziehungen und ihre inneren Konflikte. Das ist kein Fehler an sich – die differenzierte Charakterzeichnung gehört zu den echten Pluspunkten der Serie. Vor allem Emma D’Arcy als Rhaenyra Targaryen kann hier wirklich glänzen. Doch ausgerechnet dort, wo „House of the Dragon" am stärksten sein könnte, hakt es manchmal: Wichtige emotionale Momente werden hastig beiseitegelegt und es bleibt mitunter zu wenig Raum, damit sie den Zuschauer wirklich bewegen.
Das „Game of Thrones“-Gefühl kehrt zurück
Demgegenüber gewinnt „House of the Dragon“ jedoch auf anderer Ebene deutlich hinzu. Der Ton der Serie verändert sich spürbar und inzwischen schleicht durch nahezu jede Szene ein leises Misstrauen. So entsteht ein Unbehagen, das Erinnerungen an die frühen Staffeln von „Game of Thrones“ weckt. Auf ihre Kosten kommen hier also alle, die das Gefühl vermisst haben, dass niemand wirklich sicher ist und jede Entscheidung unmittelbare, teils verheerende Folgen für die Figuren mit sich bringt. Insgesamt wirkt die Serie hier deutlich konsequenter als das in Staffel eins und zwei der Fall war.
Wer die beiden vorherigen Staffeln kennt, wird mit den ersten Episoden der dritten Staffel auf jeden Fall seinen Spaß haben. Wer neu einsteigen möchte, sollte sich besser zunächst die Vorgeschichte anschauen, um der Handlung wirklich folgen zu können.
Trotz einiger Schwächen versprechen die ersten Episoden eine fesselnde Rückkehr nach Westeros. Gerade das wachsende Misstrauen, die brüchigen Allianzen und das Gefühl permanenter Unsicherheit verleihen der Serie jene Spannung, die über erzählerische Schwächen hinwegträgt und die man in den ersten beiden Staffeln mitunter noch vermisst hat. Dass sich die Serie nun erkennbar auf ihr Finale zubewegt – das derzeit für die vierte Staffel vorgesehen ist – lässt die Handlung spürbar an Dringlichkeit gewinnen. Wir dürfen gespannt sein, ob die zweite Hälfte der neuen Staffel dieses Niveau halten kann.
Die dritte Staffel von „House of the Dragon“ umfasst acht neue Folgen. In Deutschland sind sie ab dem 22. Juni jeweils montags bei HBO Max und Wow verfügbar.