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ARD-Doku enthüllt schlimme Zustände in „Systemsprenger“-Einrichtung: „Es stank nach Urin“

Дата публикации: 30-07-2026 17:23:00

Ole gilt als Systemsprenger. Nach mehreren gescheiterten Versuchen in Kliniken und Wohngruppen setzen seine Eltern Hoffnung in eine spezielle Jugendhilfe. Doch dort beginnt ein tragisches Kapitel.

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Ole gilt als Systemsprenger. Nach mehreren gescheiterten Versuchen in Kliniken und Wohngruppen setzen seine Eltern Hoffnung in eine spezielle Jugendhilfe. Doch dort beginnt ein tragisches Kapitel.

Eine ehemalige Mitarbeiterin schildert in einer MDR-Reportage schlimme Zustände: Eine Familie sitzt gemeinsam auf der Couch. In ihrer Mitte liegt ein Fotobuch, durch das alle blättern. Sie erinnern sich an schöne Momente und schwelgen in der Vergangenheit. Nur einer kann diesen Augenblick nicht genießen: Ole. Der Junge, der auf den Bildern zu sehen ist, hat zu diesem Zeitpunkt bereits einen langen Leidensweg hinter sich. Damals war der jüngste Sohn der Familie noch in Magdeburg zu Hause. Doch mit der Zeit sollte sich sein Leben und das seiner Familie grundlegend verändern.

Schon im Kindergartenalter fällt Ole auf. Er ist anderen gegenüber ruppig und aggressiv. In der Grundschule verschärft sich die Situation, bleibt aber zunächst noch „händelbar“, erklärt seine Mutter Kristin. Schließlich wird Ole in eine Psychiatrie eingewiesen. Doch dort verschlechtert sich sein Zustand weiter. Es habe ihm nicht gutgetan, „Tag und Nacht“ von zu Hause weg zu sein.

Oles Schwester Maren: „Die ganze Familie leidet darunter“

Auf Empfehlung von Psychologen wird Ole in einer Klinik in Magdeburg vorgestellt. Da kein Platz in einer Tagesklinik frei ist, wird der damals neunjährige Ole für viereinhalb Monate stationär aufgenommen. Doch auch danach wird alles schwieriger. Seine Familie fühlt sich zunehmend allein gelassen und mitverantwortlich gemacht. „Die ganze Familie leidet darunter, wenn man immer als der Schuldige dargestellt wird“, klagt Oles Schwester Maren.

Ole gilt irgendwann als gruppenunfähig und wird als „Systemsprenger“ bezeichnet. Der Begriff dürfte inzwischen vielen durch den gleichnamigen, preisgekrönten Spielfilm von 2019 geläufig sein. „Man wusste nicht, wohin mit Ole. Es gab nichts für ihn. Das war so schwierig“, erinnert sich seine Mutter. Eine Unterbringung in einer Wohngruppe in Hessen scheitert bereits nach einer Woche.

Die Eltern suchen weiter nach einer Lösung und stoßen online auf eine Firma bei Köln, die mit dem Slogan „Jugendhilfe mal anders“ wirbt. „Das hörte sich auch alles gut an“, erinnert sich Kristin. Sie haben daran geglaubt, dass eine intensive sozialpädagogische Einzelbetreuung ihrem Sohn helfen kann. Doch mit Oles Einzug in der Nähe von Köln beginnt ein tragisches Kapitel. Am Telefon erzählt Ole immer wieder, dass er von Security-Leuten umgeben sei. Besuche seiner Eltern werden zunächst abgelehnt, Ole müsse sich erst eingewöhnen, heißt es immer wieder.

„Der war überwiegend eingesperrt – weil er einfach unbequem war“

Eine ehemalige Mitarbeiterin meldet sich beim ARD-Team. Sie hatte als Security-Person in der Einrichtung gearbeitet und berichtet von ihren Erlebnissen mit Ole. Ihr sei immer wieder erklärt worden, dass sie bei der Arbeit bloß nicht „emotional“ werden solle. Doch das sei ihr schwergefallen.

Im Gespräch erinnert sie sich: Ole habe ihr vertraut und viele Dinge erzählt. Immer wieder habe er nach seinen Schwestern und seiner Mutter geschrien.

„Der war überwiegend eingesperrt, damit die anderen keine Arbeit mit ihm haben - weil er einfach unbequem war“, erinnert sich die ehemalige Mitarbeiterin. Sie berichtet, dass Ole in seinem Zimmer mit dem Kopf gegen die Scheibe geschlagen habe, gegen die Tür gehämmert und seine Kleidung durch das Zimmer geworfen habe. Für sie ist klar: Ole habe dringend Hilfe gebraucht, doch stattdessen sei er immer weiter isoliert worden.

Ex-Mitarbeiterin: „Essen gab es auch nicht regelmäßig“

Nach einem halben Jahr durften Oles Eltern ihren Sohn schließlich besuchen. Für sie war es ein Schock. „Es stank nach Urin“, erinnert sich seine Mutter. Ole sei in einem völlig veränderten Zustand gewesen. „Essen gab es auch nicht regelmäßig“, berichtet die Ex-Mitarbeiterin. Viel zu selten sei ein Pädagoge vor Ort gewesen. Therapien oder Behandlungen habe sie nicht mitbekommen.

Es stellt sich heraus, dass die Einrichtung keine Betriebserlaubnis besaß. Noch während Ole dort untergebracht war, überprüfte das zuständige Amt den Betreiber. Die Einrichtung muss schließen.

Bis zum Zeitpunkt des Doku-Drehs kämpft Oles Familie für ihren in Einrichtungen untergebrachten Sohn. Eine Familientherapie ist geplant, um die Familie wieder näher zusammenzubringen und gemeinsam einen Weg nach vorn zu finden.

„Verwahrt, verletzt, vergessen – Abgestempelt als Systemsprenger“ ist in der ARD-Mediathek verfügbar.

Von Paula Oferath

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