Die Idylle am Starnberger See trügt: Es ist der Tag nach dem Anschlag in Berlin. Ministerpräsident Markus Söder beschwört die Freiheitsidee in Deutschland. Er verteidigt den Kanzler. Er verachtet die AfD. Und er reagiert unwirsch, wenn es um Medien und seine Performance geht.
Die Idylle am Starnberger See trügt: Es ist der Tag nach dem Anschlag in Berlin. Ministerpräsident Markus Söder beschwört die Freiheitsidee in Deutschland. Er verteidigt den Kanzler. Er verachtet die AfD. Und er reagiert unwirsch, wenn es um Medien und seine Performance geht.
Schon schön – in Bayern. Wir sehen fröhliche Menschen in Tracht, blumengeschmückte Plätze und hübsche Pferde. Wir sind am Starnberger See beim „Sommerinterview“ des ZDF mit dem bayerischen Ministerpräsident Markus Söder. Journalist Wulf Schmiese ist in Fahrt. Temperamentvoll geradezu.
Er konfrontiert den CSU-Politiker am Ende des Interviews mit zwei Meinungen aus einer Social Media-Umfrage des ZDF zu seiner politischen Stellung. Die eine Meinung ist: „Söder sollte keine wichtige Rolle in Berlin spielen“, und die andere: „Merz sollte vor ihm Angst haben.“
Was sagt Söder? Genau das richtige. Zwei diametral unterschiedliche Meinungen aus einer anonymen Umfrage im Netz herauszupicken, sei journalistisch fragwürdig. Und das stimmt. Da hat Söder recht.
Insgesamt wirkt der Ministerpräsident angespannt. Der Anschlag in Berlin beim CSD überschattet auch die bayerische Idylle. Könne so etwas nicht auch im beschaulichen Bayern passieren?
„Wir müssen immer besorgt sein, aber wir dürfen uns nicht die Lebensfreude nehmen lassen.“ Sagt Söder, und er klingt ein wenig kleinlaut. Man müsse mit allen Mitteln „unsere Freiheitsidee“ verteidigen. Verteidigen will Markus Söder auch Kanzler Merz, nachdem die Rochade um Verkehrsminister Patrick Schnieder unglücklich verlief.
„Wenn man mit jemandem am Abend ausmacht, dass er kommt, und dann in der Früh um 4 Uhr hört, dass es nicht klappt, das macht es manchmal nicht leichter. Da liegt also die Verantwortung sicher nicht beim Bundeskanzler“, so Söder im ZDF. Das hätte sich „der Kollege“, also Schnieder, vorher überlegen sollen. Das war deutlich.
Wulf Schmiese lässt Söder nicht aus. „Das Ansehen der Regierung, das ist miserabel, das ist richtig schlecht“, konfrontiert er den CSU-Politiker. Und: „Viele Menschen haben Angst, die haben richtig Angst um ihren Arbeitsplatz, auch in Bayern.“ Söder weist das vehement zurück: „Ihre Analyse würde bei Ökonomen niemals standhalten. Vielleicht bei Journalisten.“
Und holt dann zur großen Bayern-Show aus. „In Bayern liegen wir weit, weit, weit vor allen anderen.“ Wahr ist: Bayern hat relevante Start-ups ins Bundesland gelockt. Um München herum sind inzwischen wichtige Unternehmen aus der Rüstungsbranche ansässig. Es sollten sich lieber andere Länder mal so erfolgreich positionieren, so Söder – mit Basta in der Stimme.
Es wird ruppig mit Blick auf den schönen See. Söder käme es doch zu pass, wenn Ilse Aigner, Söders Konkurrentin, Bundespräsidentin würde. Dann wäre er, Söder, doch eine Sorge los, dass Aigner ihm bei den nächsten Wahlen gefährlich würde.
Söder schnauzt den Journalisten an: „Das sind typische Hirn-Konstruktionen von Journalisten.“ Wer es nicht weiß: Söder war in den 90er-Jahren selbst Journalist beim Bayerischen Rundfunk. Aber das ist lange her. Seine Umfragewerte sind nicht überragend. Und bei den jüngsten Wahlen haben viele Bürgermeister und Landräte der CSU ihre Posten verloren.
Zu einer möglichen Zusammenarbeit mit der AfD nach den Wahlen im September hat Söder eine klare Meinung. Das würde „zu einer massiven Spaltung der Union führen“. Die Union dürfe nicht „eine Art Steigbügelhalter“ werden und der AfD den Weg zur Macht ebnen. „Ich bin da dagegen, grundlegend.“ Da hat auch ZDF-Journalist Schmiese keinen Einwand mehr.
„Söder passt gut zu Bayern, aber nicht nach Berlin”
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