Zu sagen, in 7 Tagen hat man Kanada gesehen, wäre übertrieben. Was aber stimmt: In 7 Tagen kann man viele beeindruckende Momente in Vancouver und Vancouver Island haben. Los geht’s.
Oh, wie schön ist Kanada. Die Geschichte von Janosch heißt zwar „Oh, wie schön ist Panama“, aber für eine kleine Reise durch Kanada leihe ich mir das gerne aus. Zu sagen, in 7 Tagen hat man Kanada gesehen, wäre übertrieben. Was aber stimmt: In 7 Tagen kann man viele beeindruckende Momente in Vancouver und Vancouver Island haben. Los geht’s.
Direktflug mit der Lufthansa von München nach Vancouver. Bestimmt nimmt auch Thomas Müller den, wenn er von zu Hause wieder zu seinem Arbeitgeber Vancouver Withecaps fliegt. Der Flug dauert rund 10 Stunden und gleichzeitig fliegt man neun Stunden gegen die Uhr. Heißt: Er dauert nur eine Stunde. Deshalb den ersten Tag noch lange durchhalten und versuchen den Jetlag zu minimieren. Das erste Highlight gab es schon vor der Ankunft. Der Blick bei klarem Himmel auf das nicht enden wollende „ewige“ Eis von Grönland. Beeindruckend und einzigartig, wie Berge und flache Eiswüsten sich abwechseln.
Nach der Ankunft Mietwagen abholen, es empfiehlt sich ein Cabrio, damit sieht man mehr und es ist kaum teurer als ein geschlossenes Auto. Danach ab zur Airbnb-Unterkunft – die Angebote sind sehr groß, die Preise durch die Fußball WM sehr hoch. Wir entscheiden uns etwas außerhalb zu übernachten. Richtige Entscheidung – viel mehr Natur, viel günstigerer Preis. Mit dem Auto in die Stadt und ab ins Parkhaus. Beachten: Es gibt kein Ticket bei der Einfahrt, sondern man muss seine Nummer nach dem Parken im Automaten eingeben und zahlt die Zeit, die man bleiben möchte, im Voraus. Sonst passiert das, was mir passiert ist, ein Strafzettel von 80 Kanada-Dollar, umgerechnet ungefähr 50 Euro.
Die Stadt empfängt einen sehr herzlich. Gastown mit seiner „Steam-Clock“ und immer einer Schlange asiatischer Touristen für ein Foto davor. Viele kleine Restaurants, Shops und jede Menge Pubs. Glückliches Leben. Wer von dort nach China Town geht, der sieht innerhalb weniger 100 Meter ein anderes Leben. Drogenabhängige, von Fetanyl gekennzeichnete Menschen kauern überall. Ihr Leben in einer Plastiktüte dabei. Die Crack-Pfeife in der Hand oder die Nadel im Arm. Wer das so am hellen Nachmittag in der Fülle von hunderten Menschen nicht kennt, der hat danach schon mal einige Themen zum Nachdenken für die nächsten Stunden im Gepäck.
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Die Kriminalität ist in diesem Bereich von Vancouver sehr hoch, die HIV-Quote soll bei einem Drittel liegen. Je enger die Straßen werden, desto unwohler fühle ich mich. Mein Schritt wird schneller, ich will weg hier. In Chinatown haben um 18 Uhr fast alle Läden geschlossen – wer China Towns in New York und Co kennt, der wird hier enttäuscht werden. Wir gehen in ein vietnamesisches Restaurant und unsere Bedienung sagt: „Wir verwöhnen euch gerne hier, doch bevor es dunkel wird, solltet ihr hier raus sein. Es kann alles passieren.“ Manchmal sähe es gefühlt aus wie nach einer Schlacht, überall lägen Menschen, sagt uns ein Einheimischer am Nachbartisch. Wir essen und fahren nachdenklich nach Hause.
Puuh, die Nacht war kurz. Minus 9 Stunden merkt man schon. Also den Tag nutzen und ab zum Frühstück. Das „De Dutch“ in der Capilano Road ist zu empfehlen. Ist zwar eine Kette, sollte man aber mal probiert haben. Gestärkt geht es mit dem Sea-Bus von Lonsdale Quay nach Waterfront. Und dann kommt ein absolutes „Must“ für das man gemütlich 3-4 Stunden einplanen sollte. Ein Fahrrad von „Mobi“ mieten und ab in den Stanley Park, vorher noch die Wasserflugzeuge im Coal Harbour bestaunen. Sie bieten Flüge über Vancouver und die kleinen Inseln von Vancouver Island an. Wir haben uns das bei Youtube angeschaut und das Geld gespart. Außer den Starts und den Landungen auf dem Wasser sah es unspektakulär aus.
Der Stanley-Park verläuft direkt am Pazifik. Strand, Wald, kleine Seen, viele Frösche, Kanada-Gänse und wer mutig ist, badet im Meer. Achtung: Bei Ebbe kann man auf kleinen Felsen ins Meer kraxseln. Es ist glitschig und wir sehen mehrfach Menschen, die hinfallen und verschlammt wieder zum Strand kommen. Nach Stanley Park sind wir in die WM-Fanzone und zum Spiel Türkei gegen Australien ins Stadion. Alles super organisiert, riesige Stimmung und Tickets gab es bis kurz vorm Spiel, in der Kategorie drei nicht teurer als ein NFL-Ticket für ein Gastspiel in München. Ergebnis: 2-0 für Australien.
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Jetlag wird weniger. Heute geht’s nach Whistler Mountain. Vorher noch in den Capilano-Brigde-Park in Vancouver. Wer Höhenangst hat oder wem schwindelig wird, für den wird die Capilano Bridge zum Abenteuer. Festhalten, einen Fuß vor den nächsten, nicht stehenbleiben, Zack, geschafft. Und dann erst den Blick nach unten richten. Es sind schon mehr als 100 Meter und die Brücke ist freischwingend. Deshalb darf auch immer nur eine bestimmte Anzahl an Menschen aus Sicherheitsgründen drauf. Wer es schafft, auf den warten am anderen Ende unter anderem noch ein toller Baum-Wipfel-Pfad in circa 15 Metern Höhe. Dazu jede Menge Squirrels, die einem aus den Händen fressen.
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Auf dem Sea-to-Sky-Highway geht es nach Whistler Mountain, Austragungsort der Olympischen Winterspiele 2010. Unbedingt anschauen muss man sich auf dem Weg die Shannon Falls, ein Wasserfall mitten im Wald und ein Ort zum Ausruhen. Whistler ist gefühlt das Kitzbühel der Kanadier. Aber größer und lebendiger - auch im Sommer. Hier findet man noch viel von den Olympischen Winterspielen 2010 und auf den Parkplätzen jede Menge Downhill-Fans mit ihren Rädern. Die mit der Bahn nach oben fahren und dann schauen, was ihr Material und der Körper hergibt. Wir machen uns auf den Rückweg, weil um 20 Uhr unsere Fähre von Nord-Vancouver nach Nanaimo auf Vancouver Island fährt. Zwei Stunden Fahrt in den Sonnenuntergang. Übernachtung in Nanaimo.
Sonnenaufgang und Blick über den Pazifik. Kaffee auf dem Balkon und erst einmal nichts tun. Spannend: der Pazifik hat Ebbe und Flut, zu sehen mit welcher Kraft das Wasser hinauszieht aus der Bucht, um Stunden später wieder hineingedrückt zu werden, beeindruckt. Gezeiten-Kraftwerk lässt grüßen. Für uns geht es heute nach Ucluelet, oder wie der Kanadier sagt: „Ukee“. Auf dem Weg dorthin eine Wanderung im Regenwald des Cathedral Grove, Zedern und Douglasien weit über 100 Jahre alt und eine tolle Luft zum Atmen. Danach noch ein Bad im Sproat Lake und im Hintergrund die schneebedeckten Berge. Vorher noch Mittagessen im Insta-Hotspot Coombs-Market gekauft und deutschen Touristen dabei zugeschaut, wie sie ihre Liebe für Fotos mit Ziegen entdecken. Dann Mittagessen am See. Lecker.
„Ukee“ ist ein Surfer- und Angler-Dorf. Klein, lieblich und quirlig. Wer etwas Glück hat, sieht Orca-Wale vom Hafen aus oder erlebt, wie Schwarzwedel-Hirsche die Knospen in den Vorgärten abknabbern. Stört hier niemanden, gehört alles dazu. Außergewöhnlich: das Aquarium des Dorfs. Alle Fische und Tiere bleiben nur für neun Monate. Sie werden gefangen für eine Saison und dann wieder ins Meer entlassen. Am meisten dreht sich hier um den Lachs. Coho und Shinock Lachse. Ein Paradies für jeden Angler. Stolz sind sie auf ihre Shinock-Bestände. Sie züchten jährlich Tausende Lachse, lassen sie frei in der Hoffnung, dass sie Jahre später zum Ablaichen wieder nach Hause kommen. Um das zu erkennen, wird den jungen Lachsen ein Teil der Fett-Flosse entfernt. James, unser Guide sagt: Weil die Besamung der Eier kein Zufall sei wie in der Natur, schlüpften mehr Lachse. So schaffe man es, die Zahl derer, die wiederkommen, um hunderte Prozent zu erhöhen. Wir gehen schlafen, morgen früh geht’s zur Angel-Tour.
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Jetlag fast komplett weg. 5 Uhr aufstehen und um 6 Uhr James Costello von Maximum Coastal Adventures treffen. Er arbeitet als Fisch-Guide und in der Zucht. Sicherer kann der Job nicht sein. Cooler Nature-Boy, den hier alle kennen. Die Lizenz zum Lachs-Angeln kostet knapp 20 Euro. Dafür gibt’s unbegrenzt Coho-Lachs und drei Chinook. Der Guide, das Boot, die Angelausrüstung sind da noch nicht dabei. Kostet rund 500 Euro für zwei Personen für etwas mehr als einen halben Tag. Wir fahren aus der Bucht von „Ukee“ und schleppen mit einem Gummi-Tinten als Köder. Die erste Stunde passiert nichts. Hatte James vorher auch angekündigt. Spannend werde es ab acht Uhr, weil dann die Ebbe vorbei sei und die Lachse anfangen zu jagen. Genauso ist es dann auch. Wir sehen die ersten aus dem Wasser springen wie Delfine. Und dann ist auch schon der erste am Haken. Die haben keine Widerhaken, um die Fische zu schonen. Nach rund 2 Minuten haben wir den ersten Coho-Lachs an Bord. Ca 4 Kilo schwer. Es folgen mehrere Chinook, einer bestimmt mit 8 Kilo. Wir lassen alle wieder frei, außer den, den wir heute Abend zubereiten.
Wasser macht müde, nach der Tour kleiner Nachmittagsschlaf und abends ein Festmahl mit unserem Lachs. Zuviel nur für uns, deshalb laden wir gleich noch unsere Airbnb-Nachbarn zum Essen ein. Wer keinen Guide übers Internet buchen möchte, dem ist das Café und Angelgeschäft „Cäptn & Hook“ im Hafen von Ukee zu empfehlen. Die versuchen immer, jemand zu finden, hat auch bei uns geklappt.
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Auf nach Tofino. 40 Kilometer Fahrt. Der Surfer-Ort auf Vancouver Island. Wilder Strand, heftiger Wind und unzählige Surfer im Wasser, die auf eine gute Welle warten. Long-Beach und Coxbay-Beach darf man sich nicht entgehen lassen. Wer mutig ist, der geht ohne Neopren zum Schwimmen ins Wasser, wir waren es nicht. Zurück in „Ukee“ machen wir noch eine längere Wanderung im Wild Pacific Trail.
Früh aufstehen und auf nach Victoria, die Hauptstadt von British Columbia. Knapp 300 Kilometer Fahrt und 5 Stunden. Dafür gibt es eine tolle Hafenstadt mit einem kilometer-langen Wanderweg ums Hafenbecken. Inklusive Rückfahrt mit dem Wasser-Taxi nach Fisherman‘s Wharf. Hotel mit dem besten Ausblick ist Fairmont Empress. Im Stil eines alten Grand Hotels. Direkt daneben beginnt die Fußgängerzone mit unzähligen Souvenir-Shops und Eisdielen. Tolle Stadt, mehr als einen Tag braucht man hier aber nicht.
Zurück mit der Fähre von Swartz Bay nach Tsawwassen. Wie eine Fahrt durch ein Fjord, vorbei an vielen kleinen Inseln. Normalerweise sind Überfahrten mit der Fähre Zeitverschwendung, hier ist es Augenkino. Dauert knapp 2 Stunden. Danach noch shoppen am Outlet am Flughafen. Lohnte sich bei Northface und Adidas, bei Aritzia und Ralph Lauren lohnte es sich eher nicht. Ab in den Flieger und zurück nach München. Mal sehen, wie das mit dem Jetlag jetzt wird.
Wir haben viele Erlebnisse in wenig Zeit gepackt. Das funktioniert nur mit einer klaren Planung. Flüge und Mietwagen schon Monate im Voraus gebucht. Bei den Airbnbs waren wir etwas zu spät, daher auch etwas teurer. Aber am Ende heißt es: Oh, wie schön ist Kanada.
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