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Fachkräftemangel trotz Job-Krise: Das Paradox auf dem deutschen Ingenieurmarkt

Дата публикации: 03-08-2026 11:52:36

Mehr arbeitslose Ingenieure als je zuvor, trotzdem Zehntausende offene Stellen. Was steckt hinter dem Paradox?

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Der deutsche Ingenieur- und IT-Arbeitsmarkt sendet widersprüchliche Signale. Noch nie seit Beginn der Erhebung im Jahr 2011 waren so viele Fachkräfte in technischen Berufen arbeitslos wie derzeit, und dennoch klagen Unternehmen über Tausende unbesetzte Stellen. Der neue VDI-/IW-Ingenieurmonitor, dessen Ergebnisse am Sonntag in Berlin vorgestellt wurden, beziffert die Zahl der Arbeitslosen in Ingenieur- und IT-Berufen im vierten Quartal 2025 auf 58.392. Das ist ein historischer Höchststand. Gleichzeitig verzeichnet die Statistik 96.760 offene Stellen – ein Rückgang von 18,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr, aber immer noch ein enorm hohes Niveau.

Das Papier, das der Verein Deutscher Ingenieure (VDI) und das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) künftig zweimal jährlich veröffentlichen wollen, zeichnet das Bild eines tief gespaltenen Arbeitsmarktes. VDI-Direktor Adrian Willig sagte bei der Präsentation: „Die aktuellen Zahlen zeigen, dass wir zwischen kurzfristiger Konjunkturlage und langfristigem Fachkräftebedarf unterscheiden müssen.“ Die Energiewende, die Modernisierung der Infrastruktur und die Digitalisierung würden den Bedarf an technischen Kompetenzen langfristig prägen – unabhängig von konjunkturellen Dellen.

Autoindustrie in der Abwärtsspirale

Hintergrund der widersprüchlichen Entwicklung ist eine Wirtschaft, die sich seit nunmehr fast drei Jahren in einer hartnäckigen konjunkturellen Schwächephase befindet. Deutschland steckt in der längsten Stagnation seit der Wiedervereinigung: Seit Ende 2022 bewegt sich die Wirtschaftsleistung bestenfalls seitwärts, zwischenzeitlich rutschte das Land in eine technische Rezession. Besonders hart trifft es das industrielle Rückgrat der Republik – die Automobilindustrie. Die Branche, die über Jahrzehnte für Wachstum und Beschäftigung stand, befindet sich in einer tiefgreifenden Krise. Der Umstieg auf die Elektromobilität kostet Zehntausende Arbeitsplätze, weil die Fertigung von E-Autos weniger personalintensiv ist als die von Verbrennern. Gleichzeitig verlieren deutsche Hersteller auf dem wichtigen chinesischen Markt an Boden, während neue Konkurrenten aus Fernost massiv in den europäischen Markt drängen.

Die Krise schlägt durch – aber nicht überall

Diese konjunkturelle Schieflage trifft die Ingenieurdisziplinen mit sehr unterschiedlicher Wucht. In der technischen Forschung und Produktionssteuerung, einem Bereich, der eng mit der Autoindustrie und dem Maschinenbau verflochten ist, schoss die Arbeitslosigkeit um 34 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal nach oben. Auch in der Maschinen- und Fahrzeugtechnik selbst ist die Situation angespannt. Anders sieht es dort aus, wo der Staat investiert oder die Energiewende vorantreibt: Im Bauingenieurwesen stieg die Arbeitslosigkeit lediglich um moderate 5,8 Prozent, und mit 34.150 offenen Stellen entfällt mehr als ein Drittel aller Vakanzen auf diesen Bereich. Auch in der Energie- und Elektrotechnik (13.430 offene Stellen) sowie in der Informatik (22.670 offene Stellen) ist der Bedarf ungebrochen hoch.

Das Paradox erklärt sich also vor allem durch eine Verschiebung: Während konjunkturabhängige Branchen Personal abbauen, suchen Bereiche mit langfristigen Zukunftsthemen händeringend nach Fachkräften.

Ohne Zuwanderung wäre der Markt kollabiert

Dass der Ingenieurarbeitsmarkt in den vergangenen Jahren überhaupt funktionsfähig blieb, ist maßgeblich ausländischen Fachkräften zu verdanken. Laut Monitor stieg die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Ingenieur- und IT-Berufen zwischen 2012 und 2025 um 224.700 Personen. Ohne Zuwanderung hätte der Zuwachs lediglich 91.800 betragen. „Die Fachkräftesicherung in Ingenieur- und IT-Berufen wäre ohne internationale Fachkräfte in den vergangenen Jahren kaum möglich gewesen“, heißt es in dem Bericht wörtlich.

Experten warnen vor Nachlässigkeit bei der Fachkräftesicherung

Trotz der aktuell steigenden Arbeitslosenzahlen mahnte VDI-Direktor Adrian Willig laut Monitor, bei der Nachwuchsförderung, der Qualifizierung und der Fachkräftesicherung nicht nachzulassen. Sollte sich die Wirtschaft erholen, könnten sonst die dringend benötigten Kompetenzen und Fachkräfte fehlen. Entscheidend sei deshalb, den eingeschlagenen Reformkurs fortzusetzen und verlässliche Rahmenbedingungen für Investitionen, Wachstum und Beschäftigung zu schaffen. Willig selbst sagte dazu: „Es kommt jetzt darauf an, den begonnenen Reformkurs konsequent fortzusetzen und verlässliche Rahmenbedingungen für Investitionen und Wachstum zu schaffen und so auch den Arbeitsmarkt zu beleben.“

Als entscheidende Hebel für die langfristige Fachkräftesicherung nannte VDI-Arbeitsmarktexperte Maximilian Stindt die gezielte Nachwuchsförderung, die stärkere Gewinnung von Frauen für Ingenieurberufe, bessere Anreize für den Verbleib älterer Beschäftigter sowie Fortschritte bei der Integration internationaler Studierender und Fachkräfte.

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