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„Tal der Knöllchenlosen“? Warum Sachsen beim Blitzermarathon nicht mit macht

Дата публикации: 03-08-2026 11:20:25

Dreizehn Bundesländer kontrollieren diese Woche verstärkt die Geschwindigkeit auf Deutschlands Straßen. Sachsen geht einen anderen Weg.

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Es ist ein jährliches Ritual der Polizei, bei dem Autofahrerinnen und Autofahrer immer besonders gut auf den Tacho blicken sollten. Diese Woche ist die Polizei wieder bundesweit verstärkt Temposündern auf der Spur. Der sogenannte „Blitzermarathon“ läuft bis zum kommenden Sonntag – und fällt diesmal mitten in die Ferienzeit. Das trifft besonders viele Urlauber auf dem Weg in oder aus dem Urlaub.

Nach Angaben des Autofahrerclubs ADAC beteiligen sich dreizehn der sechszehn Bundesländer. Das erklärte Ziel von Polizei und Innenministerien: die Zahl schwerer Verkehrsunfälle senken. Denn unangepasste Geschwindigkeit gilt als eine der häufigsten Unfallursachen - und kann dazu auch richtig teuer werden.

Nur Bayern, das Saarland und Sachsen machen nicht mit. Sind die Autofahrer dort disziplinierter? Kann sich Dresden, das zu DDR-Zeiten im Elbkessel kaum Westfernsehen empfangen konnte und deshalb zum „Tal der Ahnungslosen“ erklärte wurde, nun als Tal der Knöllchenlosen“ feiern?

„Sachsen beteiligt sich nicht am bundesweiten Blitzermarathon, weil wir zum Schulanfang unsere eigene Aktion ,Blitz for Kids' haben“, erklärt eine Sprecherin des Innenministeriums auf OAZ-Anfrage. Diese besteht seit 1995 und wir zweimal im Jahr durchgeführt. Nach der Aktion vom April wird nun wieder in der  zweiten Augusthälfte vor allem vor Schulen geblitzt, um Verkehrsteilnehmer für den sächsischen Schuljahresbeginn ab 17. August zu sensibilisieren.

Das scheint auch nötig zu sein. Letztes jahr kontrollierten die Beamten nach den Sommerferien an  1358 verschiedenen Orten im Freistaat - vor allem im Umfeld von Grundschulen - die Geschwindigkeit. dabei wurden mehr als 2.800 Verkehrsverstöße registriert. Die Gesamtzahl der festgestellten Verstöße war dennoch rückläufig im Vergleich zum Vorjahr. 1.805 Verstöße wurden letzten Sommer geahndet, davon 1.509 mit einem Verwarngeld und 296 mit einem Bußgeldbescheid. Die höchste gemessene Überschreitung lag bei 67 statt 30 km/h im Einzugsgebiet einer Grundschule im Bereich der Polizeidirektion Görlitz.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt jedes Jahr auch bei der Sicherung von Kindern im Auto: Bei der letzten Sommeraktion waren 135 Kinder nicht ordnungsgemäß angeschnallt.

Blitzen hilft der Stadtkasse

Über zu wenig Geschwindigkeitskontrollen können sich die Dresdnerinnen und Dresdner im Elbtal nicht beschweren. Die Stadtverwaltung erzielte letztes Jahr mit rund 9,65 Millionen Euro Rekordeinnahmen bei Geschwindigkeitskontrollen. Mittlerweile verdoppelten sie die Anzahl mobiler Superblitzer - sogenannten Enforcement Trailer - auf vier. Obwohl die Geräte für die vierjährige Mietzeit insgesamt 663.600 Euro kosten, erwirtschaften sie bereits im ersten Einsatzjahr über 2 Millionen Euro.

Am häufigsten lösten die Geschwindigkeitsmesser letztes Jahr an der Dresdner Güntzstraße in Höhe des Seniorenwohnheims aus (14.000 Verstöße). Danach folgte die Messanlage auf der Waldschlößchenbrücke in Richtung Altstadt (knapp 10.000 Verstöße).

Alle übrigen Bundesländer beteiligen sich a Blitzermarathon. Ausdrücklich genannt werden unter anderem Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern. Kontrolliert wird also durchgehend über die gesamte Woche.
Wo genau die Blitzer stehen, verraten die Behörden bewusst nicht. Klar ist aber, worauf sich die Kontrollen konzentrieren. In Mecklenburg-Vorpommern liegt der Fokus auf unfallträchtigen Streckenabschnitten und Gebieten mit besonderer Gefährdungslage. Besonders im Blick: Straßen rund um Schulen, Kindergärten, Altenheime, Krankenhäuser und Baustellen.

Wenn die „Kelle“ kommt, war man häufig zu schnell.

Wenn die „Kelle“ kommt, war man häufig zu schnell.

© Jan Woitas/dpa

Hier wird besonders kontrolliert

Branden­burg: Bernau bei Berlin, Branden­burg an der Havel, Cottbus, Ebers­walde, Falkensee, Frankfurt (Oder), Fürsten­walde, Königs Wuster­hausen, Oranien­burg, Potsdam, Straßen außerhalb geschlossener Ortschaften mit Alleecharakter Fokus neben Geschwindigkeitsverstößen auch aggressives Fahren (Drängen, Abstand) Mecklenburg-Vorpommern: Rostock, Schwerin, Neubrandenburg, Greifswald, Stralsund, vorrangig Geschwindigkeitskontrollen Sachsen-Anhalt: Halle (Saale), Magdeburg, Dessau-Roßlau, Stendal, kein thematischer Schwerpunkt genannt Thüringen: Keine örtlichen Schwerpunkte genannt

In Brandenburg zielt die Polizei nicht nur auf Autobahnen. „Wir werden unsere Geschwindigkeitsmessgeräte nicht nur auf Bundesautobahnen aufstellen, sondern uns auf die ländlichen Bereiche, insbesondere Alleen, konzentrieren“, sagte Peggy Baier, Leiterin der Verkehrspolizei in der Polizeidirektion West. Kontrolliert wird auf Autobahnen, Bundesstraßen und innerörtlichen Straßen gleichermaßen.

Diese Strafen und Fahrverbote drohen

Schon kleine Verstöße werden teuer. Laut aktuellem Bußgeldkatalog werden bereits bei bis zu zehn Kilometer pro Stunde zu viel innerorts 30 Euro fällig.
Richtig heikel wird es früher, als viele denken: Ein Fahrverbot von einem Monat ist unter bestimmten Voraussetzungen schon ab einer Überschreitung von 26 Kilometern pro Stunde möglich.

Blitzermarathon 2026 gestartet: Hohe Strafen für Temposünder

Hinter der Aktion steht eine ernste Bilanz. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts stieg die Zahl der Verkehrstoten 2025 leicht auf 2832 – das sind 62 mehr als 2024 mit 2.770 Getöteten. Zum Vergleich: 1995 starben noch 9500 Menschen im Straßenverkehr. Der Trend ist über die Jahrzehnte also klar gesunken, zuletzt aber wieder leicht gestiegen.

Der Blitzermarathon ist keine deutsche Einzelaktion. Sie ist eine europaweit abgestimmte Aktion des Polizeinetzwerks Roadpol, die jedes Jahr im April und August stattfindet.

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