Ab 5. August leben wieder Mönche im bedeutenden romanischen Kloster Memleben in Sachsen-Anhalt. Besucher dürfen ganz nah dabei sein. Ein Projekt beendet 500 Jahre Stille.
Im Kloster Memleben in Sachsen-Anhalt kehrt für ein paar Tage mönchisches Leben zurück. Ab Mittwoch, dem 5. August 2026, leben und arbeiten dort wieder Benediktinermönche in den geschichtsträchtigen romanischen Mauern der alten Klosteranlage. Sie kommen aus der bayerischen Abtei Münsterschwarzach. Das teilte das Museum Kloster und Kaiserpfalz Memleben mit.
Für Besucher ist das eine seltene Gelegenheit: Sie können den Alltag der Brüder aus nächster Nähe miterleben – bei Führungen, Gesprächsrunden, beim Stundengebet oder bei gemeinsamen Mahlzeiten. Die sommerliche Tradition gibt es seit dem Jahr 2011. Damit endete die fast 500 Jahre währende Abwesenheit des Benediktinerordens in dem einst bedeutenden Ordenshaus – einem Ort mit außergewöhnlicher Geschichte.
Warum Memleben ein Ort von historischem Rang istMemleben war schon im 10. Jahrhundert ein Ort von großer Bedeutung. Die Pfalz Memleben galt als bedeutende Pfalz unter den ostfränkischen Königen Heinrich I. und seinem Sohn Otto der Große.
Beide Könige starben hier: Heinrich I. starb 936, sein Sohn Otto I. – Otto der Große – am 7. Mai 973. Damit ist Memleben ein herausragender Schauplatz der frühen deutschen Geschichte.
Wo genau die Pfalz stand, ist bis heute ungeklärt. Ihr Standort wird von den meisten Wissenschaftlern auf der Burg Wendelstein vermutet, teils auch auf der Altenburg in Wangen. Der Name des Museums „Kloster und Kaiserpfalz Memleben“ verweist auf diese bedeutende Vergangenheit.
Otto II. und Theophanu: die Klostergründung 979Der eigentliche Ursprung des Klosters geht auf Kaiser Otto II. zurück. 979 stiftete er gemeinsam mit seiner Frau Theophanu zum Gedenken an seinen Vater ein Benediktinerkloster.
Das Kloster Memleben von 979 gehört zur Straße der Romanik.
© Sylvio Dittrich/imago
Das Kloster wurde reich ausgestattet: mit Schenkungen von Ortschaften und Rechten im heutigen Thüringen, Sachsen-Anhalt, Sachsen, Brandenburg und Hessen. Es sollte auch die Christianisierung in den slawischen Siedlungsgebieten vorantreiben.
Bis ins 12. Jahrhundert lebten auf dem Gebiet der ehemaligen DDR, in Teilen von Bayern und Niedersachsen slawische Stämme, die sogenannten Elbslawen –, von ihren deutschen Nachbarn auch Wenden genannt. Die einzigen, die bis heute ihre Kultur und Sprache erhalten konnten, sind die Sorben.
Die spätromanische Krypta: der besterhaltene RaumIm Bauernkrieg wurde das Kloster 1525 geplündert. 1548 – nach dem Niedergang infolge der Reformation – wurde es endgültig aufgehoben.
Von der gewaltigen Monumentalkirche des 10. Jahrhunderts stehen heute nur noch einige Mauerteile. Die Doppelchoranlage maß einst 82 Meter Länge und 39,5 Meter Breite.
Im 12. Jahrhundert begann der Bau einer neuen, kleineren Klosteranlage. Von deren Kirche, die in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts fertiggestellt wurde, ist besonders die spätromanische Krypta hervorzuheben.
Sie ist der einzige im Originalzustand erhaltene Raum der Klosteranlage – und damit ein Höhepunkt für jeden Besuch.
Was hinter dem Projekt „Ora et labora“ stecktDas Projekt der mönchischen Bewohner auf Zeit aus Bayern trägt den Namen „Ora et labora“ – lateinisch für „Bete und arbeite“, die klassische Leitregel benediktinischen Lebens. Es beleuchtet das Klosterleben auf besondere Weise und bildet nach Angaben des Museums eine Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart.
Im Mittelpunkt steht die persönliche Begegnung. „Unsere Gäste haben die Gelegenheit, einmal ganz nah in Verbindung mit den Brüdern zu kommen“, teilt das Museum mit.
Das Leben der Mönche lässt sich an mehreren Stationen erleben: bei gemeinsamen Führungen, in Gesprächsrunden, beim Stundengebet, in der Klosterwerkstatt oder bei gemeinsamen Mahlzeiten.
Diese Termine sollten Besucher kennenDen Auftakt für mögliche Begegnungen macht die Abendandacht mit den Benediktinern am Mittwoch, dem 5. August, um 17.30 Uhr. An den Folgetagen – ab Donnerstag, dem 6. August – steht jeweils um 11.30 Uhr die Sonderführung „Alltag im Benediktinerkloster“ auf dem Programm, geführt von einem Bruder der Abtei Münsterschwarzach.
Die Klosterkirche des Klosters Memleben in Sachsen-Anhalt.
© Michael Nitzschke/imago
Am Samstagnachmittag, 8. August, laden die Mönche im Klausurhof zu einer Kaffeerunde. Und am Sonntag, 9. August, können Besucher gemeinsam mit den Benediktinern einen Gottesdienst feiern.
Ausstellungen und Café geöffnetAuch für alle, die nicht an einem der Sondertermine dabei sein können, lohnt sich ein Besuch. Die Dauerausstellungen sind für alle Gäste zugänglich.
Sie widmen sich der Klostergeschichte, den ottonischen Herrschern und besonderen archäologischen Funden. Das Kloster ist zudem eine Station an der Straße der Romanik.
Geöffnet sind zudem das Klostercafé „Refektorium“ und der Museumsladen. So lässt sich der historische Rundgang mit einer Pause verbinden.
ZusammenfassungAb Mittwoch, dem 5. August 2026, leben Benediktinermönche für einige Tage im Kloster Memleben. Das Kloster wird seit 500 Jahren nicht mehr dauerhaft von Mönchen bewohnt. Der Ort war im 10. Jahrhundert bedeutend: Heinrich I. starb hier 936, Otto der Große 973. Otto II. und Theophanu stifteten spätestens 979 ein Benediktinerkloster. Höhepunkt der Anlage ist die spätromanische Krypta – der einzige im Original erhaltene Raum.
Planen Sie Ihren Besuch am besten rund um einen der Sondertermine – etwa die Sonderführung „Alltag im Benediktinerkloster“ um 11.30 Uhr oder den Gottesdienst am Sonntag. Werfen Sie dabei einen Blick in die historische Krypta.
Wer wissen will, wie sich Klosterleben wirklich anfühlt, muss es nicht in Büchern suchen – in Memleben lässt es sich für ein paar Tage miterleben.
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