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Der 14-Punkte-Plan ist praktisch tot: Die USA und Iran schlittern in einen Zermürbungskrieg

Дата публикации: 30-07-2026 13:37:08

Teheran und Washington finden nicht aus der Eskalationsspirale heraus: In der Nacht auf Donnerstag flogen amerikanische Flugzeuge erneut Vergeltungsangriffe in Iran. Statt ernsthaft zu verhandeln, versuchen beide Seiten, militärische Stärke zu demonstrieren.

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Teheran und Washington finden nicht aus der Eskalationsspirale heraus: In der Nacht auf Donnerstag flogen amerikanische Flugzeuge erneut Vergeltungsangriffe in Iran. Statt ernsthaft zu verhandeln, versuchen beide Seiten, militärische Stärke zu demonstrieren.

Donald Trump salutiert vor dem Sarg einer amerikanischen Soldatin, die bei einem iranischen Angriff auf eine Militärbasis in Jordanien getötet wurde.

Donald Trump salutiert vor dem Sarg einer amerikanischen Soldatin, die bei einem iranischen Angriff auf eine Militärbasis in Jordanien getötet wurde.

Jim Lo Scalzo / EPA

Die Absichtserklärung über einen Waffenstillstand zwischen Washington und Teheran ist noch keine zwei Monate alt. Innerhalb von sechzig Tagen hätte ein endgültiges Abkommen über das iranische Atomprogramm, die Aufhebung amerikanischer Sanktionen und die Öffnung der Meerenge von Hormuz ausgehandelt werden sollen. Diese Frist läuft Mitte August aus – doch schon jetzt scheint klar, dass es dazu nicht kommen wird. Statt ernsthaft über den 14-Punkte-Plan zu verhandeln, liefern sich die beiden Konfliktparteien erneut einen militärischen Schlagabtausch. Ein Ende der Gewalt ist nicht in Sicht.

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In der Nacht auf Donnerstag habe die amerikanische Luftwaffe eine «heftige Angriffswelle» auf iranische Ziele geflogen, erklärte Washingtons Oberkommando im Nahen Osten (Centcom). Unter anderem seien Befehlszentren der Revolutionswächter, Raketen- und Drohnenfabriken sowie maritime Überwachungsanlagen getroffen worden. Laut iranischen Medien wurden in einem Wohnhaus auf der Insel Qeshm im Persischen Golf aber auch ein Ehepaar und ihr zweijähriges Kind getötet.

Demonstration der Unerschrockenheit

Bei den amerikanischen Angriffen handelte es sich gemäss Centcom um Vergeltungsschläge für einen «versuchten Überraschungsangriff» der Iraner auf eine amerikanische Militärbasis in Jordanien am Dienstag. Die iranischen Revolutionswächter feuerten mehrere ballistische Raketen auf den Stützpunkt ab, die aber offenbar allesamt abgefangen wurden. Teheran beendete damit eine vom amerikanischen Präsidenten Donald Trump verkündete Feuerpause schroff.

Vor einer Woche hatte Trump mit einem «massiven Angriff» auf Iran gedroht, wollte der Diplomatie dann aber nochmals eine Chance geben. Die USA befänden sich in «sehr tiefgreifenden Gesprächen» mit Iran, erklärte der amerikanische Präsident noch am Montag gegenüber dem Nachrichtenportal «Axios». Nur wenig später schickten die Revolutionswächter ihre ballistischen Raketen in Richtung Jordanien. Sie scheinen damit zu signalisieren, dass ihr Regime keinerlei Angst vor einer weiteren Eskalation hat und auch gut ohne ein Abkommen mit den USA leben kann. Auf die amerikanischen Vergeltungsschläge reagierte Iran am Donnerstag prompt mit eigenen Angriffen auf Ziele in Jordanien und Kuwait.

Die Absichtserklärung scheiterte bisher vor allem an zwei Streitpunkten. Einerseits will Israel sich nicht aus Südlibanon zurückziehen, solange die schiitische Hizbullah-Miliz nicht entwaffnet ist. Jerusalem will weiterhin freie Hand haben, um nötigenfalls Hizbullah-Ziele in Libanon anzugreifen. Anderseits will Iran auf keinen Fall zu einer gänzlich freien Schifffahrt in der Strasse von Hormuz zurückkehren und ebenso mitbestimmen, wie der Verkehr in omanischen Küstengewässern geregelt wird.

Auf dem Azadi-Platz in Teheran sind ballistische Raketen ausgestellt. Das iranische Regime will damit die eigene Stärke demonstrieren.

Auf dem Azadi-Platz in Teheran sind ballistische Raketen ausgestellt. Das iranische Regime will damit die eigene Stärke demonstrieren.

Abedin Taherkenareh / EPA

Gemäss dem Iran-Experten Hamidreza Azizi geht es Teheran dabei nicht nur um die Kontrolle über den kommerziellen Handel, sondern auch um den Transit ausländischer Kriegsschiffe. Das Regime wolle verhindern, dass Washington den Seeweg nutze, um seine militärische Infrastruktur und Präsenz für einen neuen Grossangriff in der Region auszubauen, erklärte Azizi am Mittwoch dem «Spiegel».

Gleichzeitig gehe es Teheran aber auch darum, die Meerenge als Druckmittel gegen die arabischen Golfstaaten zu nutzen. Die Petromonarchien sind für ihre Rohstoffexporte stark auf den Seeweg angewiesen. Iran fordert von ihnen jedoch, auf Distanz zu Washington zu gehen und keine amerikanischen Militärstützpunkte in ihren Ländern zu dulden. Zu einem solchen Schritt dürften die Golfstaaten allerdings kaum bereit sein, gerade angesichts der iranischen Aggressionen gegen sie.

Am Mittwoch hatten sich saudische Kampfjets gemeinsam mit den USA erstmals offen an Luftangriffen gegen proiranische Milizen im Irak beteiligt, mindestens zwanzig Kämpfer kamen ums Leben. Es soll sich um Vergeltungsschläge für Drohnenangriffe auf die saudische Energieinfrastruktur und amerikanische Truppen gehandelt haben.

Ignoriert Trump die Zwischenwahlen?

In Teheran sitzt das Misstrauen gegenüber den USA tief. Ein zahnloses Abkommen mit den USA reicht dem Regime nicht als Sicherheitsgarantie gegen eine weitere Eskalation. Trump hatte bereits das unter Obama ausgehandelte Atomabkommen aufgekündigt und sich im Februar dieses Jahres noch während diplomatischer Verhandlungen mit Iran für eine militärische Lösung entschieden.

Iran könnte deshalb versuchen, die USA und die arabischen Golfstaaten in einen Zermürbungskrieg zu ziehen – in der Überzeugung, den längeren Atem zu haben. Ein Kalkül dabei dürften auch die amerikanischen Zwischenwahlen im November sein. Je länger sich der unpopuläre Krieg hinziehe, umso schwerer dürfte die republikanische Wahlniederlage werden, hofft Teheran. Alles Weitere würden dann die Demokraten im Kongress erledigen, indem sie Trump die Mittel nehmen, den Krieg weiterzuführen.

Bis jetzt jedoch scheint sich Trump von den Zwischenwahlen überraschend wenig beeindrucken zu lassen. Wichtiger als das Wahlresultat scheinen ihm sein aussenpolitisches Vermächtnis und die amerikanische Vormachtstellung im Nahen Osten zu sein. Noch will Trump keine strategische Niederlage akzeptieren und Iran die Dominanz über die Strasse von Hormuz überlassen. Zwar scheint auch für ihn eine massive Eskalation mit einer Bodenoperation zurzeit nicht infrage zu kommen. Aber bis anhin zeigt sich der amerikanische Präsident gewillt zu einem länger anhaltenden Zermürbungskrieg mit Iran.

Allerdings dürften sich die schmerzhaften Folgen der neuerlichen Eskalation erst verzögert abzeichnen. Die amerikanische Seeblockade gegen Schiffe, die iranische Häfen verlassen oder anlaufen, ist erst seit kurzem wieder voll in Kraft. Iran versucht den Krieg nun mithilfe der Huthi-Miliz in Jemen auszuweiten. Diese hat in den vergangenen Tagen saudische Erdöltanker, Raffinerien und Häfen angegriffen, um auch die Exportroute über das Rote Meer zu unterbinden.

Zudem wurden am Mittwoch erstmals auch in einem ägyptischen Mittelmeerhafen zwei Erdgastanker von einer Drohne unbekannter Herkunft in Brand gesetzt. In den vergangenen Tagen sind die Erdölpreise deshalb wieder von rund 70 auf über 80 und teilweise bis auf 100 Dollar pro Fass angestiegen.

Langfristig könnte Iran die Eskalationsdominanz allerdings auch wieder verlieren, sollten die arabischen Golfstaaten neue Pipelines zur Umgehung der Meerenge von Hormuz und der Bab al-Mandab am Roten Meer bauen. Deshalb müsste es für Teheran nun eigentlich gelten, diese Druckmittel möglichst bald in amerikanische Zugeständnisse umzumünzen. Ganz dürfte sich auch das iranische Regime nicht auf seinen langen Atem verlassen können.

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