Der libertäre Präsident will Ausländer wegen «Hassrede» ausweisen. Nach dem Imageverlust Argentiniens infolge der Weltmeisterschaft und angesichts sinkender Popularität spielt er die nationalistische Karte.
Der libertäre Präsident will Ausländer wegen «Hassrede» ausweisen. Nach dem Imageverlust Argentiniens infolge der Weltmeisterschaft und angesichts sinkender Popularität spielt er die nationalistische Karte.

Marcos del Mazo / Getty
Vor einer Woche bezeichnete der argentinische Präsident Javier Milei seinen brasilianischen Amtskollegen Luiz Inácio Lula da Silva als «Sträfling» und «Dieb». Den brasilianischen Verfassungsrichter Alexandre de Moraes beschimpfte er auf einer Wahlveranstaltung in São Paulo als «kahlköpfigen Abschaum». Nun hat ausgerechnet Milei ein Dekret unterzeichnet, das es den Behörden ermöglicht, Ausländern wegen «Hassrede» die Einreise zu verweigern oder sie aus Argentinien auszuweisen.
NZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.
Bitte passen Sie die Einstellungen an.
Betroffen davon sind Ausländer, die «Botschaften des Hasses, der Diskriminierung oder der Gewalt gegen das argentinische Volk» verbreiten oder «nationale Symbole beleidigen». Die Massnahme wurde vom Präsidialamt als Reaktion auf «jüngste feindselige Äusserungen» gegenüber Argentinien gerechtfertigt.
Milei reagiert mit dem über die Plattform X veröffentlichten Dekret auf den ramponierten Ruf Argentiniens nach der Weltmeisterschaft und seine sinkende Popularität. Die Regierung kritisiert schon länger eine internationale «antiargentinische Kampagne», die von Linken weltweit organisiert werde.
Milei entdeckt den NationalismusNun habe Milei den Nationalismus als politisches Instrument entdeckt, schreibt der einflussreiche Politanalyst Claudio Jacquelin in der Tageszeitung «La Nación». Damit versuche er, sein ramponiertes Image und seinen schwindenden Rückhalt in der Bevölkerung zu stabilisieren. «Was in seinem politischen Narrativ bislang fehlte und ihn von anderen Vertretern der neuen globalen Rechten unterschied, fand er ausgerechnet in der Fussball-Weltmeisterschaft.» Die Kommunikationsstrategen Mileis griffen dabei auf ein altbekanntes Rezept zurück: «In Krisenzeiten zahlen sich die Konstruktion eines äusseren Feindes und die Mobilisierung nationalistischer Gefühle aus.»
Tatsächlich hat Argentiniens internationales Image nach der Weltmeisterschaft gelitten. Der Grund war das streckenweise grob unsportliche Verhalten der Nationalelf. Etwa die Prügeleien argentinischer Spieler nach dem verlorenen Finale. Die elf Männer, die den spanischen Siegern bei der Pokalverleihung den Rücken zukehrten. Die «Malvinas gehören uns»-Banner auf dem Feld nach dem gewonnenen Spiel gegen England – all dies hat Argentiniens Ruf im Ausland in Mitleidenschaft gezogen. «Argentina’s Damaged Brand» («Argentiniens beschädigte Marke»), titelte etwa das Wirtschaftsmagazin «Forbes».
Das gilt besonders für Lateinamerika, wo die Argentinier traditionell den Ruf haben, arrogant zu sein, weil sie ihr Land als eine Art europäische Insel in Lateinamerika verstehen. Noch vor fünf Jahren erklärte der argentinische Präsident Alberto Fernández bei einem gemeinsamen Auftritt mit Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez, die Mexikaner stammten von den Indigenen ab, die Brasilianer kämen aus dem Dschungel, «wir Argentinier aber kamen mit den Schiffen – und das waren Schiffe aus Europa. So haben wir unsere Gesellschaft aufgebaut.»
In Brasilien haben rassistische Ausfälle argentinischer Touristen in den vergangenen Monaten für zusätzlich negative Stimmung gegenüber dem Nachbarland gesorgt. Rassistische Beleidigungen gelten dort seit zwei Jahren als schweres Delikt. Sie gelten als unverjährbar; eine Freilassung gegen Kaution wird ausgeschlossen. Fast tausend Menschen, fast alle Brasilianer, sitzen deshalb im Gefängnis. In Argentinien wurden die wenigen bekanntgewordenen Fälle jedoch in den sozialen Netzwerken oftmals als unverhältnismässig dargestellt.
Viele Argentinier fühlen sich als Opfer einer KampagneIn Argentinien wird auf den derzeit stattfindenden Verlust von Soft Power, also Ansehen im Ausland, weitgehend verständnislos reagiert – auch ausserhalb des Milei-Lagers vermuten viele eine Hetzkampagne gegen das Land. Dazu beigetragen haben auch Aktionen wie «Argentina Out». Die Kampagne wurde nach der WM 2026 auf einer privaten Website mit einer Petition gestartet. Diese forderte den lebenslangen Ausschluss Argentiniens von künftigen Weltmeisterschaften. Die Organisatoren behaupteten am Ende, 23 Millionen digitale Unterschriften gesammelt zu haben – ohne dies jemals bewiesen zu haben. Dennoch verbreitete sich die Meldung weltweit.
Milei hat bereits in der vergangenen Woche behauptet, dass die linken Regierungen Brasiliens und Mexikos sowie die Demokratische Partei der USA die «antiargentinische Kampagne» finanzierten. Agustín Laje, einer der wichtigsten Ideologen der argentinischen Neuen Rechten, behauptet, dass es sich um einen neuen Auswuchs der «Woke-Agenda» handele.
Nach Ansicht des Analysten Jacquelin versucht Milei mit dem Dekret wieder die verlorene Aufmerksamkeit in den sozialen Netzwerken auf sich zu lenken. Das ist ihm gelungen: Mit mehr als 200 000 Likes war der Post die erfolgreichste Mitteilung, die das Präsidialamt je veröffentlicht hat.
| # | Наименование новости | Тональность | Информативность | Дата публикации |
|---|---|---|---|---|
| 1 | Аргентина решила выдворять иностранцев за оскорбление своих граждан | 1 | 6.89 | 30-07-2026 |
| 2 | Президент Аргентины объяснил критику сборной завистью | -1 | 7.44 | 24-07-2026 |
| 3 | Суеверия держат президента Аргентины вдали от стадионов мундиаля | 0 | 5 | 17-07-2026 |
| 4 | Власти Аргентины вновь пытаются ограничить право на забастовки | 0 | 0 | 21-05-2025 |
| 5 | В Аргентине подадут апелляцию на решение суда в США о передаче акций YPF | 0 | 0 | 30-06-2025 |
| 6 | Milei se suma a la polémica sobre la selección argentina en el Mundial: "Nos tienen celos y somos buenos en casi todo" | 0 | 7.97 | 24-07-2026 |
| 7 | Президент Аргентины объявил о повышении минимальной зарплаты и заморозке цен на бензин | 0 | 0 | 14-08-2019 |
| 8 | Президент Аргентины намерен поехать на Олимпийские игры в Китае | 0 | 0 | 27-12-2021 |
| 9 | Протестующие забросали камнями кортеж президента Аргентины | 0 | 0 | 27-08-2025 |
| 10 | Flávio Bolsonaro soll seinen Vater beerben – doch dafür fehlt ihm dessen politisches Talent | 0 | 8.14 | 29-07-2026 |