Chinesische Firmen helfen Iran unter anderem mit Satellitenaufklärung und Drohnenkomponenten. Peking stützt das Regime in Teheran durch den Kauf von Erdöl. Das Muster gleicht Chinas indirekter Unterstützung der russischen Kriegsmaschinerie.
Chinesische Firmen helfen Iran unter anderem mit Satellitenaufklärung und Drohnenkomponenten. Peking stützt das Regime in Teheran durch den Kauf von Erdöl. Das Muster gleicht Chinas indirekter Unterstützung der russischen Kriegsmaschinerie.

Pool via Wana / Handout
Iran werde in den kommenden Wochen bis zu 400 Flugabwehrraketen aus China erhalten, berichtete Reuters vergangene Woche. Die Nachrichtenagentur beruft sich auf drei anonyme Quellen. Der amerikanische Präsident sagte darauf an einer Pressekonferenz, das überrasche ihn. Der chinesische Partei- und Staatschef Xi Jinping habe ihm sehr deutlich zugesichert, sich nicht auf Irans Seite in den Krieg einzuschalten. Das Aussenministerium in Peking dementierte den Reuters-Bericht sogleich. Die Behauptungen seien vollkommen gegenstandslos. China habe sich im Gegenteil dafür eingesetzt, dass der Krieg beendet werde.
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Das stimmt: China hat immer wieder ein Ende der Kämpfe gefordert, seit Israel und die USA Ende Februar Iran angegriffen hatten, und bekundet, es setze sich für eine friedliche Lösung des Konflikts ein. In den vergangenen Wochen und Monaten häuften sich gleichzeitig die Hinweise darauf, dass chinesische Unternehmen Iran substanziell unterstützen. Seit Kriegsbeginn kursieren auf militärischen Websites und in sozialen Netzwerken zudem Meldungen, dass Iran beispielsweise chinesische HQ-9B-Langstrecken-Luftabwehrsysteme erhalten habe. Bis anhin gibt es jedoch keine sicheren Belege für chinesische Waffenlieferungen.
Die Unterstützung aus China läuft vielmehr indirekt, über Firmen, Zwischenhändler und mit Produkten, die sowohl zivil als auch militärisch verwendet werden können (Dual-Use-Güter). Ob diese Unterstützung von der chinesischen Führung lediglich geduldet oder gar angeordnet wird, ist unklar.
Aufklärungsdaten und Lieferung wichtiger BauteileSchon zu Beginn des Kriegs wurde vermutet, dass iranische Raketen und Drohnen das chinesische Satellitensystem Beidou zur Navigation nutzen – zusammen mit anderen Systemen. Die offenen Navigationssignale von Beidou stehen jedoch global zur Verfügung. China muss ihre Nutzung nicht eigens freigeben.
Anders sieht es bei der Aufklärung aus. Chinesische Satellitenfirmen hätten, zum Teil auf Anfrage, der iranischen Armee dabei geholfen, Ziele wie amerikanische Stützpunkte zu beobachten, sagt das amerikanische Aussenministerium.
Eine Recherche der «Financial Times» stützt diesen Vorwurf. Sie wertete iranische Militärdokumente aus. Laut den Befunden hatten die Revolutionswächter bereits Ende 2024 einen von der chinesischen Firma Earth Eye gebauten Aufklärungssatelliten übernommen und damit amerikanische Militärstützpunkte überwacht. Solche Aufnahmen können Iran bei der Auswahl von Zielen und der Vorbereitung von Angriffen helfen. Es ist schwer vorstellbar, dass die Regierung in Peking von solchen heiklen Aktivitäten nichts wusste.
Auch das Material zur Herstellung von Drohnen und Raketen bezieht Iran teilweise aus China, über Zwischenhändler wie die Türkei. Mehrere amerikanische Sanktionsrunden seit 2025 dokumentieren solche Lieferketten. Aus China stammt nach Angaben des amerikanischen Finanzministeriums unter anderem Natriumperchlorat, aus dem Ammoniumperchlorat für Raketentreibstoff hergestellt werden kann. Chinesische Firmen lieferten laut den USA zudem Kohlenstoffgewebe und halfen Iran dabei, das ultraleichte Material Kohlefaser für seine Raketengehäuse selbst herzustellen. Chinesische und Hongkonger Firmen tauchen zudem in Beschaffungsnetzwerken für Motoren, Elektronik wie Prozessoren oder Kameras und weitere Raketen- und Drohnenkomponenten auf.
Russland ist für China wichtiger als IranDas Vorgehen gleicht Chinas Unterstützung für Russland im Krieg gegen die Ukraine. Auch da sieht China von direkter Kriegshilfe ab. China hat Russland – anders als Nordkorea oder Iran – bisher keine vollständigen Waffensysteme, Munition oder Soldaten geliefert. China setzt sich rhetorisch für Frieden ein. Chinesische Unternehmen versorgen Russland gleichzeitig mit Vorprodukten, Bauteilen und Maschinen für die Rüstungsproduktion. Peking unterbindet diese Lieferungen nicht und hält zugleich den Handel mit Russland aufrecht.
Auch mit Iran handelt China weiterhin und stützt dadurch den iranischen Staat und seine Kriegsführung. China kauft trotz amerikanischen Sanktionen weiterhin grosse Mengen iranischen Erdöls und bildet damit den wichtigsten Absatzmarkt Irans. Seit 2025 fahren Güterzüge zwischen der chinesischen Stadt Xian und Teheran. Nach Beginn des Krieges wurde die Verbindung laut Medienberichten deutlich ausgebaut.
Chinas Strategie scheint zu sein, den Handel mit wichtigen kriegführenden Partnern wie Russland oder Iran bewusst aufrechtzuerhalten. Damit nimmt die Führung in Peking in Kauf, diese Länder auch indirekt militärisch zu stärken. China kommt dadurch an günstige Energie.
Aber Chinas Regierung hat auch geopolitische Interessen am Krieg gegen Iran sowie gegen die Ukraine. Die Kriege binden amerikanische Aufmerksamkeit und Ressourcen und lenken vom Indopazifik ab. Trump bemüht sich gerade um eine kontrollierbare Beziehung zu Xi und will offenbar vermeiden, neben den bestehenden Kriegen eine offene Konfrontation mit China auszulösen.
Beim Krieg Russlands gegen die Ukraine hat Chinas höchster Aussenpolitiker Wang Yi bereits vergangenes Jahr gegenüber der EU-Aussenbeauftragten Kaja Kallas gesagt, dass China eine russische Niederlage nicht gerne sähe. Das liegt auch am chinesischen Sicherheitsdenken, denn China teilt mit der Atommacht Russland eine lange Grenze. Ein geschwächtes, instabiles Russland wäre auch für China ein Problem. Bei Iran ist China jedoch ambivalenter. Auch Iran ist für Peking ein nützlicher Partner zur Zurückdrängung des amerikanischen Einflusses, allerdings ein deutlich weniger wichtiger. China pflegt auch enge Beziehungen zu den Golfstaaten.
Waffen- oder Raketenlieferungen unwahrscheinlichDass China deshalb Iran tatsächlich mit Waffenlieferungen unterstützen würde, wie der Reuters-Bericht nahelegt, wäre für China riskant. Es würden Gegenmassnahmen und Sanktionen der USA folgen, die relativ stabile Beziehung Chinas zu den USA und Europa stünde auf dem Spiel. Peking dürfte deshalb weiterhin auf Handel setzen, bei Dual-Use-Gütern wegschauen – und sich gleichzeitig als Friedensvermittler präsentieren.
Laura von Wattenwyl
Gestern
1 Empfehlung
Die USA nutzen Israel als regionalen Stellvertreter, um Iran zu schwächen und damit auch Chinas Seidenstrassenprojekte zu gefährden. Wer Iran schwächt, schwächt auch Chinas geopolitischen Handlungsspielraum – deshalb ist Chinas Unterstützung nicht nur erlaubt, sondern klug.
Der Iran hat ein Weltraumprogramm und etliche eigene Satelliten im Orbit. Am Ende stehen die Mullahs noch vor den Astronauten auf dem Mond. Interkontinentalraketen könnten sie dadurch ebenfalls.
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