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Wie Seedrohnen die Kriegsführung auf dem Meer verändern

Дата публикации: 03-08-2026 03:30:00

Nach den Flugdrohnen kommen die Seedrohnen. Nicht nur die Ukraine, sondern auch die Nato befeuert diesen Trend.

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Valentyn Ogirenko / Reuters

Nach den Flugdrohnen kommen die Seedrohnen. Nicht nur die Ukraine, sondern auch die Nato befeuert diesen Trend.

Die Nachricht machte kaum Schlagzeilen: Ukrainische Hersteller von Angriffsdrohnen suchen in Fernost neue Kunden und sondieren in Japan und Taiwan den Aufbau einer gemeinsamen Produktion.

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Verwunderlich ist das nicht. Die ukrainischen Entwicklungen im Drohnenbau stossen weltweit auf grosses Interesse. Überraschend ist vielmehr, um welche Art von Drohnen es sich dabei unter anderem handeln soll: Seedrohnen.

Gemäss der Berichten befinden sich die Gespräche noch in einem frühen Stadium. Doch sollte die Ukraine nach ihren Flugdrohnen auch Überwasserdrohnen ins Ausland liefern, würde ein weiteres Waffensystem, das im Abwehrkampf gegen Russland entwickelt wurde, zu einem Exportgut.

Die Möglichkeiten, die sich durch Seedrohnen im Krieg bieten, sind Militärfachleuten schon seit langem bekannt. Die jemenitischen Huthi-Rebellen etwa griffen im Januar 2017 vor der eigenen Küste die saudische Fregatte al-Madinah mit einem unbemannten, ferngelenkten und mit Sprengstoff beladenen Boot an. Vielen Beobachtern galt die Attacke damals als Ausnahme. Heute wirkt sie wie ein Vorbote einer weiteren Veränderung in der Seekriegsführung.

Nach der Flugdrohne hat die Ukraine auch die Seedrohne zu einem effizienten militärischen System weiterentwickelt. Die russische Marine musste ihre Schwarzmeerflotte auch deshalb aus dem Krim-Hafen Sewastopol und von der ukrainischen Küste abziehen, weil ihr die Ukrainer mit ihren Unterwasser- und Überwasserdrohnen schwere Verluste zugefügt hatten.

Immer wieder greifen ukrainische Seedrohnen russische Militärschiffe oder russische Öltanker an.
Auch der Seekrieg wird unbemannt

Der Seekrieg wird unbemannt. Diesen Trend kennt die Welt bereits vom Landkrieg. Der ukrainische Drohnenwall an der Front im Donbass sorgt dafür, dass die Russen kaum noch vorankommen. Auch auf dem Meer dürfte es künftig darum gehen, dem Gegner den Zugang zum eigenen Gebiet zu versperren: mit Drohnen über Wasser, unter Wasser und in der Luft sowie mit weit reichenden Lenkflugkörpern.

Seit längerem arbeiten neben der Ukraine die USA, Australien, China, die Türkei, Russland, Deutschland und andere Staaten an Seedrohnen. Die Palette reicht von Angriffsdrohnen über Drohnen für den Schutz von Küsten und kritischer Infrastruktur bis hin zu grossen autonomen, teilweise KI-gesteuerten Begleitschiffen und unbemannten, bewaffneten, ebenfalls teilweise KI-gesteuerten Kriegsschiffen.

Die amerikanische Corsair-Seedrohne ist ein unbemanntes, teilweise KI-unterstütztes Boot. Eine Drohne dieses Typs soll im Juni dieses Jahres die Besatzung eines über dem Persischen Golf abgestürzten US-Militärhelikopters geborgen haben.

Die amerikanische Corsair-Seedrohne ist ein unbemanntes, teilweise KI-unterstütztes Boot. Eine Drohne dieses Typs soll im Juni dieses Jahres die Besatzung eines über dem Persischen Golf abgestürzten US-Militärhelikopters geborgen haben.

PD / NZZ-Bildredaktion

Wie hilfreich Seedrohnen sein können, zeigte sich vor kurzem im Persischen Golf. Nach dem Absturz eines amerikanischen Kampfhelikopters Anfang Juni schickte die US Navy ein autonomes Boot vom Typ Corsair, um die Besatzung zu bergen. Die Drohne brachte die Soldaten an einen Ort auf dem Meer, an dem sie von einem Helikopter aufgenommen wurden. Nach Angaben der US-Marine handelte es sich um die erste Rettungsaktion dieser Art.

Amerikanische Studien schreiben den Seedrohnen allerdings noch eine weit grössere Rolle zu. Demgemäss würden künftig kaum noch grosse, teure und bemannte Flottenverbände benötigt. Viele Aufgaben klassischer Schiffe könnten Überwasserdrohnen übernehmen. Sie seien günstiger und inzwischen ähnlich leistungsfähig.

Bemannte Kriegsschiffe gehören zu den teuersten und komplexesten Waffensystemen westlicher Streitkräfte. Die Kosten einer modernen Fregatte wie der künftigen deutschen F-127 betragen weit über eine Milliarde Euro. Seedrohnen sind billiger, brauchen keine Besatzung und können monatelang auf dem Meer operieren. Mit künstlicher Intelligenz werden sie nach Ansicht vieler Fachleute und Militärs schon bald viele Aufgaben bemannter Schiffe übernehmen können.

Doch allein mit Drohnen wird sich der Seekrieg der Zukunft nicht führen lassen. Entscheidend ist, dass die Seedrohnen mit anderen Systemen wie Kriegsschiffen, Satelliten, Flugzeugen, Luftdrohnen und Unterwassersensoren (z. B. Sonar-Bojen) vernetzt werden. Erst dann entsteht ein kriegsfähiges System. Drohnen werden die klassischen Seestreitkräfte also nicht verdrängen, sondern deren Aufgaben verändern.

Die Nato gründet eine Task-Force für Seedrohnen

Der Nato geht es ohnehin erst einmal nicht um den unbemannten, autonomen Kampf auf See, sondern um Aufklärung und Schutz. Nach den mutmasslich russischen und chinesischen Anschlägen auf Pipelines, Datenkabel und andere kritische Infrastruktur in der Ostsee hat das Bündnis im Vorjahr die «Task Force X Baltic» aufgestellt. Sie soll die Wirksamkeit von Drohnen in der Luft sowie über und unter Wasser bei der Überwachung kritischer Infrastruktur untersuchen.

Unter kritischer Infrastruktur sind etwa Datenkabel, Offshore-Windparks, LNG-Terminals und Zufahrten wie die zum für die Handelsschifffahrt wichtigen Nord-Ostsee-Kanal zu verstehen. Kaum ein anderer Ostseeanrainer verfügt über eine vergleichbare Konzentration kritischer Infrastruktur auf See wie die Bundesrepublik.

Deshalb gehört Deutschland zu den Nato-Ländern, die gut ein Jahr verschiedene Drohnensysteme in der Ostsee erprobt haben. Sie beobachteten Schiffsbewegungen, überwachten Seegebiete und erstellten Lagebilder. Die Erkenntnis der Deutschen: Drohnen können bereits heute wesentliche Aufgaben bemannter Kriegsschiffe übernehmen.

Darauf will die Nato jetzt aufbauen. Anfang dieses Jahres verständigten sich Deutschland und mehrere nordische Staaten auf eine zweite Phase der «Task Force X Baltic». Die Tests sollen nun in konkrete militärische Fähigkeiten münden.

Dabei geht es nicht nur um den Schutz kritischer Infrastruktur auf See. Ähnlich wie Drohnen an Land können auch Seedrohnen helfen, einen Gegner von einem Gebiet fernzuhalten und seine Bewegungsfreiheit einzuschränken. Ein dichtes Netz von Sensoren und unbemannten, autonomen Booten könnte helfen, gegnerische Schiffe zu erkennen und Informationen über verdächtige Aktivitäten an bewaffnete Schiffe oder Flugzeuge zu liefern.

Es gibt zahlreiche Unternehmen, die an entsprechenden Systemen arbeiten. Dazu gehört Rheinmetall. Gemeinsam mit der britischen Firma Kraken will der Düsseldorfer Konzern ganze Drohnenschwärme auf See bauen und der Bundeswehr zur Aufklärung und Überwachung anbieten.

Eine Seedrohne der britischen Rüstungsfirma Kraken steht auf einer Militärmesse in London. Der deutsche Rheinmetall-Konzern will mit Kraken künftig gemeinsam Seedrohnen bauen.

Eine Seedrohne der britischen Rüstungsfirma Kraken steht auf einer Militärmesse in London. Der deutsche Rheinmetall-Konzern will mit Kraken künftig gemeinsam Seedrohnen bauen.

NZZ-Bildredaktion

Mit Entwicklungen wie dieser erfüllen Rheinmetall und andere Hersteller die Bedürfnisse der Nato. Der Krieg verändert sich inzwischen technologisch in immer kürzeren Zyklen. Deswegen sollen Innovationen nicht mehr in langen Entwicklungsprogrammen entstehen. Stattdessen will die Allianz, dass ihre Armeen verfügbare Technologien rasch einführen und gemeinsam mit der Industrie weiterentwickeln. Das, so heisst es, sei eine der wesentlichen Erkenntnisse, die die Nato-Planer aus der Arbeit der «Task Force X Baltic» gezogen hätten.

Der Schwerpunkt liegt weiter auf bemannten Schiffen

Deutschland will seinen Schwerpunkt zunächst weiter auf bemannte Schiffe setzen. Dazu sollen im kommenden Jahrzehnt bis zu acht Fregatten der Klasse F-127 gekauft werden, insbesondere zur Flugabwehr und um ballistische Raketen und Hyperschallwaffen bekämpfen zu können. Die Kosten veranschlagt das deutsche Verteidigungsministerium derzeit auf etwa 26 Milliarden Euro.

Die Fregatten sollen mit den Lenkflugkörpern, dem Radar und dem System zur Kampfführung ausgerüstet werden, die es auch auf den Aegis-Zerstörern der US Navy gibt. Damit könnten die deutschen Schiffe bei der Luftverteidigung und Raketenabwehr der Nato eine ähnliche Rolle übernehmen, wie sie die Amerikaner haben. Doch bis dahin vergehen wahrscheinlich noch mindestens zehn Jahre.

Ukrainer enthüllen eine Seedrohne vom Typ Magura V7. Von einem solchen unbemannten Boot aus hat die Ukraine im Mai 2025 ein russisches Kampfflugzeug über dem Schwarzen Meer abgeschossen.

Ukrainer enthüllen eine Seedrohne vom Typ Magura V7. Von einem solchen unbemannten Boot aus hat die Ukraine im Mai 2025 ein russisches Kampfflugzeug über dem Schwarzen Meer abgeschossen.

Reuters

Wie es ein paar Nummern kleiner gehen kann, demonstrieren die Ukrainer. Sie haben mit Flugabwehrraketen bewaffnete Seedrohnen gebaut und bereits gezeigt, wie wirksam ein solches unbemanntes und autonomes Boot sein kann. Am 2. Mai 2025 schossen sie mit einer Seedrohne vom Typ Magura V7 ein russisches Su-30-Kampfflugzeug über dem Schwarzen Meer ab.

Ester Mottini

vor 4 Stunden

Das 'Wiederausfuhrverbot für Kriegsmaterial' der Schweiz erweist sich immer mehr als Problem: Nicht nur, dass die Schweiz damit von Neuerungen auf diesem Gebiet faktisch ausgeschlossen ist, sondern das Gesetz sich grundsätzlich als ernsthaftes Risiko für die Verteidigungsfähigkeit unseres Landes entpuppt . Ich verstehe nicht, warum es nicht einfach wieder abgeschafft werden und so die unglaubliche Fehlleistung unseres Parlaments korrigiert werden kann. Die 'Unfehlbarkeit des Papstes' gilt für dieses ja nicht oder steht diesem Schritt etwa die Eitelkeit unserer VolksvertreterInnen im Weg?

Die sind wirklich schön und man kann sich auf die Steuerung konzentrieren, an sowas zu arbeiten macht sicher große Freude. Zu stoppen ist das ganze Zeug leider schwierig, mit EMP vielleicht ? Mikrowellen-Kanonen ? Fischernetze ?

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