Schach ist in Deutschland kein totes Spiel: Vereine verzeichnen einen regelrechten Ansturm neuer Mitglieder und auch im internationalen Maßstab geht es aufwärts.
Schach ist in Deutschland kein totes Spiel: Vereine verzeichnen einen regelrechten Ansturm neuer Mitglieder und auch im internationalen Maßstab geht es aufwärts.
Wissen Sie, wie man Schach spielt? Nach 2020 erlebt Deutschland einen weiteren Schachboom – und wird dabei auch auf internationalem Parkett immer stärker. „Unsere Mitgliederzahlen entwickeln sich hervorragend. Wir stehen kurz davor, die 100.000-Marke zu überschreiten“, sagte Paul Meyer-Dunker, der seit Mai Präsident des Deutschen Schachbundes ist, der Deutschen Presse-Agentur in Dresden. Die Elbestadt richtet derzeit den Deutschen Schachgipfel mit rund 1.000 Spielern aus.
Bundesweit gibt es rund 2.300 Schachvereine. Die Delle aus der Corona-Zeit habe man nicht nur wieder ausgleichen können, sondern sogar übertreffen, betont der Präsident im Ehrenamt, der beruflich unter anderem als wissenschaftlicher Mitarbeiter für einen Bundestagsabgeordneten tätig ist. „Vor allem im Kinder- und Jugendbereich merken wir, dass die Mitgliederzahlen mächtig nach oben gehen. Nachwuchsprobleme haben wir definitiv nicht. Da müssen wir uns keine Sorgen machen.“
Laut Meyer-Dunker gibt es in Städten wie Berlin Vereine, die wegen des großen Andrangs derzeit keine neuen Mitglieder mehr aufnehmen können. „Schach wird von sehr vielen Menschen gespielt.“ Zu den Vereinsmitgliedern kämen noch Millionen hinzu, die Schach online spielen. „Die Faszination mag für jeden unterschiedlich sein. Für mich ist es eine wunderschöne Art von Wettkampfsport. Man kann sich in eine Denkaufgabe vertiefen und geistig mit jemandem messen – und das manchmal mehrere Stunden lang.“
Nach Ansicht des Präsidenten ist Deutschland im Spitzenbereich der Nationalmannschaften so stark wie seit langem nicht mehr. Mit Vincent Keymer aus Saulheim in Rheinland-Pfalz habe man einen Schachspieler, der zur Weltklasse gehöre. Und Matthias Blübaum aus dem nordrhein-westfälischen Lemgo war als zweifacher Europameister bei einem der Kandidatenturniere dabei, bei dem der Herausforderer des amtierenden Weltmeisters Dommaraju Gukesh aus Indien ermittelt wird.
„Wir haben eine Nationalmannschaft, in der alle in den Top 100 der Welt sind. Das ist ein Team, das bei der Schacholympiade im September in Usbekistan die Chance hat, um eine Medaille mitzuspielen“, sagt Meyer-Dunker.
Auch bei den Frauen gibt es mit der gebürtigen Erfurterin Elisabeth Pähtz und Dinara Wagner, die nach Heidelberg zog, zwei Spielerinnen auf Spitzenniveau. Die deutschen Frauen haben bei der Mannschafts-EM erstmals eine Medaille, nämlich Bronze, erkämpft.
Der Präsident freut sich über den großen Zuspruch: „Wir verzeichnen ein Mitgliederwachstum, haben mehr finanzielle Möglichkeiten, unsere Spielerinnen und Spieler gehören zur Weltspitze und unsere Mannschaften können mit jeder Mannschaft der Welt mithalten.“ Nun wolle man sich auf den Weg zu einer neuen Etappe machen, damit auch der Verband mit dieser Entwicklung mithalten könne. 2027 soll der 150. Geburtstag des Deutschen Schachbundes gebührend gefeiert werden.
Allerdings sieht Meyer-Dunker gerade bei den Frauen noch Nachholbedarf, denn 90 Prozent der Mitglieder des Deutschen Schachbundes sind Männer. In den Altersklassen unter 6, 7 und 8 Jahren gibt es mit etwa einem Drittel die höchsten Mädchenanteile, bei den Älteren brechen die Quoten wieder ein. Deshalb denkt der Verband darüber nach, junge Mädchen im Schach in Zukunft besonders zu fördern.
Laut dem Präsidenten ist die finanzielle Situation des Schachbundes solide. Allein durch Mitgliedsbeiträge fließen rund eine Million Euro pro Jahr in die Kasse. Auch auf Sponsoren könne man bauen. Der jährliche Gesamtetat liegt bei etwa 2,4 Millionen Euro. Dennoch habe der Verband sein Potenzial in der Vergangenheit nicht optimal ausgeschöpft. „Wir machen uns manchmal kleiner, als wir sind. Wir sollten unser Selbstbewusstsein stärker nach außen tragen.“
„Wir machen uns jetzt auf den Weg, genau das zu ändern“, sagte Meyer-Dunker und verwies auf den Schachgipfel. Es gehe darum, sich als Partner für die Wirtschaft und andere auf Zuschauer ausgerichtete Formate zu öffnen. Als Beispiel nannte er die Kooperation mit Schach-Influencern und Content Creators aus diesem Bereich. Beim Schachgipfel würden etwa Spiele im Livestream kommentiert. So komme man an eine breite Masse heran.
Der Präsident freut sich über viel Zuspruch: „Wir haben Mitgliederwachstum, finanziell mehr Möglichkeiten, unsere Spielerinnen und Spieler strömen in die Weltspitze, unsere Mannschaften sind in der Lage, gegen jede Mannschaft der Welt mitzuhalten.“ Jetzt mache man sich auf den Weg zu einer neuen Etappe, damit auch der Verband mit dieser Entwicklung mithalten könne. 2027 soll gebührend der 150. Geburtstag des Deutschen Schachbundes gefeiert werden.
dpa
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