Tadej Pogacar und Jonas Vingegaard wurden am 19. Juli von einer nächtlichen Doping-Kontrolle aus dem Schlaf gerissen. Solch nächtliche Kontrollen sind eigentlich nur bei „schwerwiegendem und konkretem Verdacht” möglich.
Tadej Pogacar und Jonas Vingegaard wurden am 19. Juli von einer nächtlichen Doping-Kontrolle aus dem Schlaf gerissen. Solch nächtliche Kontrollen sind eigentlich nur bei „schwerwiegendem und konkretem Verdacht” möglich.
Der Internationale Radsport-Verband UCI legt in seinen Anti-Doping-Regeln fest, dass Doping-Kontrollen von 6 bis 23 Uhr stattzufinden haben. Eine Ausnahme: Mit dem jeweiligen Radfahrer vereinbarte 60-minütige Zeitfenster außerhalb dieser Spanne. Eine weitere: „schwerwiegender und konkreter Verdacht, dass der Fahrer Doping betreibt“. (Anti-Doping Regeln des UCI, Kommentar zu Abschnitt 5.2.2)
Einem vorher vereinbarten Zeitfenster widersprach unter anderem Tadej Pogacar selbst: „Ich habe vier Stunden Schlaf bekommen“, sagte der Slowene Pogacar bei Eurosport vor der 15. Etappe. Er sei um fünf Uhr morgens kontrolliert worden. „Ich gehe immer spät schlafen, aber es war trotzdem ein großer Schock“, berichtet der 27-Jährige.
Solche nächtlichen Kontrollen wären bei konkretem Verdacht etwa dann notwendig, wenn das Doping zu den regulären Kontrollzeitpunkten nicht mehr nachweisbar wäre. Mittlerweile gebe es Dopingmittel, die nur drei Stunden lang nachweisbar seien. Das sagte der Decathlon-Profi Oliver Naesen im Radsport-Podcast der belgischen Tageszeitung „Het Laatste Nieuws“.
Laut Naesen suchen die Kontrolleure nach Wachstumshormonen: „Wer ist schon mal dabei erwischt worden, diese Mittel zu benutzen? Das ist das erste Mal, dass ich von einem harten Vorgehen gegen Wachstumshormone höre. Das war früher nicht nachweisbar und wurde in den wilden Zeiten verwendet.“
Auch Pogacars mittlerweile ausgeschiedener Dauerrivale Jonas Vingegaard war betroffen von den nächtlichen Kontrollen. Auch er hatte wohl einem Termin außerhalb des Zeitfensters von 6 bis 23 Uhr nicht zugestimmt. Die International Testing Agency (ITA) habe dem Dänen „nicht erlaubt, viel zu schlafen“. „Ich habe gut geschlafen, aber dann hat jemand um zwei Uhr nachts an meiner Tür geklingelt. Das war eine große Überraschung für mich“, sagte er zu Eurosport.
Die Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) legt in ihren Doping-Richtlinien (Abschnitt 4.5.5) ihrerseits vergleichbare Regeln fest. Auch sie kontrolliert regulär von 6 bis 23 Uhr, sofern mit dem jeweiligen Fahrer nicht anders vereinbart. Und auch da heißt es, man weiche nur davon ab, wenn „triftige Gründe für eine Nachtdurchführung des Tests“ vorliegen.
In einer von der Wada gesponsorten Studie von 2006 waren geringe Dosierungen des Dopingmittels Erythropoetin (EPO) teilweise nur bis 12 Stunden nach der Einnahme nachweisbar, wie „Velora Cycling“ zitiert. Demnach würden tägliche Doping-Kontrollen, die standardmäßig nach den Etappen und dadurch etwa im 24-Stunden-Rhythmus stattfinden, nicht ausschlagen, wenn die Sportler das Mittel nach den Kontrollen einnähmen.
Das schreibt auch der UCI in obigem Regelwerk (Stand 2021): „Berechtigte Anti-Doping-Erwägungen erfordern manchmal eine Probenentnahme spät in der Nacht oder früh am Morgen. So ist beispielsweise bekannt, dass einige Radfahrer in diesen Stunden geringe Dosen EPO einnehmen, damit diese am Morgen nicht nachweisbar sind.“
Vor dem Einzelzeitfahren am 21. Juli haben auch Florian Lipowitz und seine Teamkollegen zu später Stunde Besuch von den Dopingkontrolleuren bekommen. Alle acht Fahrer wurden am Montagabend gegen 22.00 Uhr kontrolliert, wie ein Sprecher des Red-Bull-Teams der dpa bestätigte. Dabei handelte es sich allerdings nicht um eine der umstrittenen Nachtkontrollen, die es zuletzt bei Toursieger Tadej Pogacar und dem nach einem Sturz ausgeschiedenen Mitfavoriten Jonas Vingegaard gab.
„Primär haben wir eine schwarze Vergangenheit im Radsport und deswegen ist es gut, dass hier kontrolliert wird. Dass tief in der Nacht kontrolliert wird, das gibt das Reglement her. Es hindert natürlich schon die Regeneration, aber auch wir sind heute Nacht besucht worden, die Rennfahrer haben zum Teil schon geschlafen und haben die Kontrollen mitgemacht“, sagte Red-Bull-Teamchef Ralph Denk dem ZDF und ergänzte: „Es sorgt dafür, dass unser Sport glaubhaft ist, dass er sauber ist und deswegen gehört es auch dazu.“
Mit Material der dpa.
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