17 Titel in 5 Jahren: Spanien dominiert den Weltfußball. Dabei basiert der Erfolg auf Stärken, die einstmals Deutschland zugeschrieben wurden.
17 Titel in 5 Jahren: Spanien dominiert den Weltfußball bei der Jugend, den Frauen und Männern. Dabei basiert der Erfolg auf Stärken, die einst Deutschland „gehörten”.
Der WM-Triumph war eine Konsequenz des Kollektivs. Die Spanier definierten sich beim Turnier über eine derartige Geschlossenheit, dass sie den Deutschen auch noch deren vorletzter Stärke beraubten: mannschaftliche Wucht im Verbund. Jetzt bleiben uns, salopp gesagt, nur noch die Grätschen. Und selbst dort hat die WM bedenkliche Entwicklungen zutage gefördert; physisch war das DFB-Team seinen Rivalen oft unterlegen.
„Der Star ist die Mannschaft“, hatte Bundestrainer Berti Vogts beim EM-Sieg 1996 formatfüllend gesagt, der Satz wurde zum Leitbild. Auch bei der Himmelfahrt 2014 war Deutschland über den Teamgedanken gekommen, nicht über den Einzelnen.
Alles Elemente, die von Spanien – neben technischer Extraklasse, exzellentem Kurzpassspiel und außerordentlicher taktischer Disziplin – inzwischen adaptiert und verfeinert wurden.
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Im Podcast „Copa TS“ meinte Ex-Nationalspieler Christoph Kramer:
„Die Spanier haben individuell nicht so eine wahnsinnige Qualität. Individuell sind das nicht die besten Spieler. Aber Spanien spielt wie Spanien, weil sie spielen wie elf Spanier.“
Kurz wirken lassen. Dann weiter. Bei den Spaniern herrsche „eine andere Demut als bei anderen Nationen“, sagte Kramer.
„Wenn du zu viele von diesen Mega-Superstars hast, wird es schwierig – weil die sich gegenseitig alle so ein bisschen runterziehen. Da bin ich ganz sicher. Frankreich hat fünf dieser Mega-Superstars. Spanien hat einen. Gruppendynamik ist im Fußball ein heftig unterschätztes Thema.“
Lamine Yamal hätte dieser eine „Mega-Superstar“ sein können, vielleicht sollen. Allerdings erreichte er bei der WM nach längerer Verletzungspause selten Ausreißer-Momente. Was Spanien am Ende mehr nützte als schadete, so seltsam es klingen mag.
38 Pflichtspiele in Folge ist „La Roja“ jetzt unbesiegt, bei der WM kassierte sie in acht Partien ein einziges Gegentor. „Diese Spielweise, dieses Niveau und diese Konzentration aufrechtzuerhalten – das hat uns den Titel gebracht“, sagte Keeper Unai Simón. „Ich finde, wir haben herausragenden Fußball gespielt und diesen Pokal verdient“, befand Linksverteidiger Marc Cucurella.
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Im Prinzip lassen die Iberer ihre Kontrahenten kaum mehr mitspielen: Sie praktizieren Ballbesitz nicht als Selbstzweck, sondern als beste Verteidigung. „Spanien geht gar nicht auf Torerfolg, die gehen nur auf Zermürben“, beobachtete Kramer. Im Halbfinale zerschellte die vielgerühmte französische Offensive an der spanischen Deckung; im Endspiel erweckten die Argentinier zu keiner Minute den Anschein, ein brauchbares Gegengift zu finden.
So walzt Spanien wie eine Planierraupe über den Weltfußball, in der Jugend, bei Frauen wie Männern. Die Bilanz liest sich beängstigend: 17 Titel in den vergangenen 5 Jahren ab der U17. Die Frauen gewannen elf dieser Trophäen, aufs Konto der Männer gehen sechs, von Nations League 2023 über EM 2024 bis WM 2026. Aktuell ist Spanien parallel Weltmeister bei den Frauen und Männern. Eine historische Dominanz.
Und eine, die zur Nachahmung einlädt. Gerade in der Ägide von Joachim Löw wurde Spanien als eine Art großer Fußballbruder auserkoren. Zwischen 2008 und 2012 räumten die spanischen Granden schon einmal alles ab, wir schauten verträumt auf – und uns in blindem Gehorsam vielleicht zu viel ab.
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„Ich weiß nicht, ob es 100 Prozent stimmt“, sagte Mats Hummels am WM-Finaltag bei MagentaTV. „Aber mein Eindruck war so ein bisschen, dass man um 2010 herum dachte, man muss jetzt dieses vermeintliche Tiki-Taka der Spanier und des FC Barcelona kopieren, was damals State of the Art war.“
Expertenkollege Thomas Müller warf die Theorie auf, dass die jüngsten Erfolge deutscher Nachwuchsmannschaften „auf Pump“ gekauft waren:
„Mir kommt es so vor, als sei die individuelle Entwicklung weniger wichtig als der mannschaftliche Erfolg. Und mannschaftlichen Erfolg kriegst du schon mit gutem Spielsystem, sehr viel Wert auf Taktik und diszipliniertem Spielen als Team.“
Neulich unterlag die U19-Auswahl des DFB im EM-Finale, letztlich chancenlos. Gegner war: natürlich die Nemesis Spanien.
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FOCUS Online
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