Der Bundesrat trimmt die Armee auf die Abwehr von Cyber- oder Drohnenangriffen. Das ist konsequent. Aber es klafft eine gefährliche Lücke zwischen der akuten Bedrohung und der realen Abwehrkraft – bis in die 2030er Jahre.

Der Bundesrat trimmt die Armee auf die Abwehr von Cyber- oder Drohnenangriffen. Das ist konsequent. Aber es klafft eine gefährliche Lücke zwischen der akuten Bedrohung und der realen Abwehrkraft – bis in die 2030er Jahre.

Gian Ehrenzeller / Keystone
Der Bundesrat baut die Armee um. Die neuen Leitlinien, die Verteidigungsminister Martin Pfister am Freitag präsentiert hat, versprechen harte Einschnitte: Die Strukturen werden schlanker, Doppelspurigkeiten verschwinden, die Führungsspitze verliert hohe Offiziere. Die Truppe richtet sich auf hybride Bedrohungen aus. Sie soll schlagkräftiger und effizienter operieren.
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Schon im Januar setzte die Regierung den neuen Fokus auf Cyberangriffe, Sabotage, Drohnen und Raketen. Achtzig Prozent des Budgets fliessen nun dorthin, zwanzig in die klassische Verteidigung am Boden. Das Material der Bodentruppen ist bereits heute veraltet, muss aber lange halten. Ganz aufgeben will der Bundesrat die klassische Kriegsführung dann doch nicht. Ein umfassender direkter Angriff auf die Schweiz ist sehr unwahrscheinlich, doch bleibt ein Restrisiko – und die Landesverteidigung steht in der Verfassung. Finanzieren will die Regierung diesen Auftrag aber erst wieder gegen 2040 in breiterer Form.
Der Plan ist konsequent. Mit dem heutigen Budget liesse sich im Ernstfall nur ein Drittel der Soldaten ausrüsten. Eine glaubwürdige Armee brauchte massiv mehr Geld. Das knappe Prozent des Bruttoinlandprodukts reicht nicht. Da es keine Mehrheiten für diese Milliarden gibt, bleibt der Truppe nur der Verzicht. Die Fokussierung ist die logische Folge der leeren Kasse.
Doch selbst diese flexiblere Rumpfarmee ist nicht bezahlt. Der Bundesrat plant für die nächsten zehn Jahre rund 31 Milliarden Franken zusätzlich ein. Grosse Würfe gelingen auch damit nicht. Pfister mahnte am Freitag, die Armee müsse weiterhin «stark priorisieren». Die Schweiz geht in Minischritten vorwärts. Irgendwann in den 2030er Jahren soll die Armee Drohnen, Raketen oder Marschflugkörper abwehren können – vielleicht. Derweil lehnt das Parlament den bundesrätlichen Vorschlag ab, die Mehrwertsteuer um 0,8 Prozentpunkte anzuheben. Ideen gibt es im Bundeshaus viele, sichere Mehrheiten keine.
Die Gemächlichkeit der Schweizer Sicherheitspolitik erstaunt mit Blick auf das, was auf dem Kontinent passiert. Unbekannte Drohnen legen europäische Flughäfen lahm. In Berlin kappen mutmassliche Linksextreme einen Teil der Stromversorgung. Im Ärmelkanal feuert ein russisches Kriegsschiff Warnschüsse ab. Die Schweiz blieb von all dem bisher verschont.
Doch was passiert, wenn eine Drohne ein Schweizer Armee-Logistikcenter anfliegt? Oder ein Atomkraftwerk? Wenn auch hier Extremisten das Stromnetz angreifen? Bern bliebe bis in die 2030er Jahre wenig übrig, als die Zerstörung zu beklagen und den schwarzen Peter weiterzuschieben. Abwehren könnte die Schweiz den Angriff kaum. Eines aber steht fest: Niemand im Bundesrat und im Parlament wird je behaupten können, man habe die reale Bedrohung nicht gekannt.
Hinter dem bundesrätlichen Plan steckt der unverwüstliche helvetische Glaube: Uns trifft es nicht. Das denken die Bürger, das denkt auch die Landesregierung. Dabei warnen die eigenen Analysten seit einiger Zeit sehr direkt. Die bundesrätliche Strategie widmet der «sicherheitspolitischen Dringlichkeit» ein eigenes Kapitel. Darin steht etwa, die Schweiz könnte unter Druck geraten, biete selbst zahlreiche lohnende Ziele als Energie-, Finanz- oder Verkehrsdrehscheibe. Der Kleinstaat müsse sich wappnen. Doch den Worten folgen keine Taten. Wenn eine Lage dringlich ist, verlangt sie sofortige Lösungen – und nicht erst in fünf oder zehn Jahren.
Niemand kennt die Zukunft. Doch dass hybride Angriffe in Europa weiter zunehmen, ist durchaus möglich. Als souveräner, neutraler Staat muss die Schweiz ihre Sicherheit selbst garantieren. Dafür reicht der nun geplante Umbau der Armee allein nicht – schon gar nicht, wenn dieser über ein Jahrzehnt lang nur auf einen Teil des Gefahrenspektrums fokussiert. Wer den eigenen Schutz verschleppt, kann als Bittsteller jener Länder enden, die rechtzeitig vorgesorgt haben. Will man das wirklich riskieren?
Andreas Abplanalp
24.06.2026
Der Artikel der Autorin ist nicht nur inkonsequent, sondern letztlich auch inkohärent, weil erstens eine autonome Verteidigungsstrategie, die ihr vorschwebt, erstens utopisch und weltfremd erscheint und zweitens in letzter Konsequenz auch ihren eigenen Aussagen widerspricht ,in der sie sich für die freundeidgenössische Devise betr. des mit Füssen getretenen Minderheitenschutzes zugunsten des politisch Schwächeren gerade am Beispiel des brutal übergangenen Willens der lokalen Bevölkerung am letzten verbliebenen Militär-Reduit Flugplatzes in Meiringen/Unterbach einsetzt und diesen schweren Missstand endlich auch einer breiteren Bevölkerung in den Ballungszentren des Mittellandes vor Augen führt. Schwere einschneidende Opfer, auch für eine nationale "hehre Sache" wie die Landesverteidigung, darf NIEMMALS auf dem Buckel des Schwächeren in diesem Land durchgesetzt werden, da ansonsten die Kohärenz und damit auch die Prosperität des ganzen Landes aufs Spiel gesetzt wird. Norwegen hat im Rahmen einer Luftwaffenbasis mit Stationierung des Problemfliegers F35 in der unmittelbaren Umgebung des Flugplatzes die menschliche Besiedelung konsequenterweise aufgehoben, wie es bei uns höchstens im Rahmen von geplanten Stauseen im Alpenraum in geringerem Ausmass - Marmorea am Juulier-- beispielsweise auch geschehen ist. Auf eine Unterwassersetzung des Ursenentales bei Andermatt hat man auch auf Widerstand der lokalen Bevölkerung verzichtet und den heute damit gelungenen Wandel zu einem Tourismusort, der diesen Namen auch verdient ,konsequenterweise zugunsten einer Verlegung in das Göscheneralp-Tal bewirkt und so das Wirken etwa eines Sawiri, ermöglicht.. Damit muss eine STAIONIERUNG des Donnervogels F35 in Meiringen, weil eine Evakuierung des unteren Haslitales nicht möglich ist, schlicht und einfach unterbleiben, alles andere ist Augenwischerei! Die Belastung de Alpentales durch grosse Stauanlagen an der Grimsel und einer Transit - Gasleitung mit Gefahrenpotential genügt !
Frau Berner fordert, dass die Schweiz ihre Sicherheit ganz autonom garantiert; und das gegen jede ‚„mögliche“ Gefahr. Beides ist weltfremd. Die autonome Verteidigung der Schweiz ist unmöglich. Und die Gefahren sind zu priorisieren: Wahrscheinlichkeit * Schadensausmass = Risiko. Entsprechend sind die begrenzten Mittel zu verteilen. Und zu den Gefahren, denen zu begegnen ist, gehören nicht nur militärische, sondern auch Umweltgefahren.
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