Der VHS-Zweckverband für Rheinberg, Alpen, Sonsbeck und Xanten feierte sein 50-jähriges Bestehen. Zum Jubiläum referierte Politikwissenschaftler Karl-Rudolf Korte in der Alten Kellnerei.
18.09.2026 · 15:24 Uhr
Am Ende der Jubiläumsveranstaltung dankte VHS-Leiter Jens Korfkamp (2.v.l.) Professor Karl-Rudolf Korte (l.) sowie seinem Team (v.r.) Jonas Viswat, Saskia Köhn, André Bücker, Nicole Bobek und Martina Bradtke-le Dandeck.
Foto: Uwe PlienRheinberg · Der VHS-Zweckverband für Rheinberg, Alpen, Sonsbeck und Xanten feierte sein 50-jähriges Bestehen. Zum Jubiläum referierte Politikwissenschaftler Karl-Rudolf Korte in der Alten Kellnerei.
Die Volkshochschule hatte gerufen und sehr viele Gäste kamen: Neben den Bürgermeistern Philipp Richter aus Rheinberg (der auch VHS-Verbandsvorsteher ist), Ludger Staymann aus Alpen, Rafael Zur aus Xanten sowie Ludger van Bebber als Vertreter von Sonsbecks Bürgermeisterin Nadine Bogedain waren auch Vertreterinnen und Vertreter aus den VHS-Gremien gekommen – und mit Beate Noll und Erwin Diederich auch ehemalige VHS-Leiter und somit Vorgänger von Jens Korfkamp, der das Weiterbildungsschiff seit 25 Jahren leitet. Korfkamp begrüßte aber auch sein VHS-Team und viele weitere Gäste im Saal der Alten Kellnerei, die nahezu aus allen Nähten platzte. Anlass war ein Jubiläum: Vor 50 Jahren ist der VHS-Zweckverband für Rheinberg, Alpen, Sonsbeck und Xanten gegründet worden.
„Wir feiern Geburtstag“, sagte Korfkamp und erinnerte daran, dass 1975 das Weiterbildungsgesetz in Kraft getreten ist, das die Volkshochschulen als kommunale Pflichtaufgabe rechtlich verankert und finanziell absichert. Im Jahr darauf, also vor 50 Jahren, wurden viele Zweckverbände gegründet. Damals schlossen sich auch die vier Nordkommunen des linksrheinischen Kreises Wesel zusammen. Seither organisiert die VHS die vielfältige Weiterbildungsarbeit von Rheinberg aus. Die Geschäftsstelle ist im ehemaligen Konvikt an der Lützenhofstraße 9. Dorthin war sie 2007 nach der umfangreichen Sanierung des Gebäudes aus dem Alten Rathaus umgezogen.
In seiner Begrüßung, kurz und knackig, hob Philipp Richter die Bedeutung der Volkshochschule hervor. Auf intellektueller, kultureller, musikalischer, sprachlicher und auch sportlicher Ebene finde dort Bildungsarbeit für Jedermann statt. „Es geht auch um menschliche Begegnung“, sagte er. Sich zuzuhören, sich zu streiten und sich wieder zu vertragen, das sei ein wichtiger Baustein der Demokratie, der in unserer Gesellschaft leider ein wenig aus dem Blickfeld geraten sei.
Weil auch politische Bildung ein großes Thema für die Volkshochschule sei, hat das Team von der Lützenhofstraße zum Jubiläum mit Professor Karl-Rudolf Korte ein echtes Schwergewicht unter den Politikwissenschaftlern als Referenten eingeladen. Korte kennt man bundesweit als Parteienforscher. Basierend auf seinem Buch „Wählermärkte: Wahlverhalten und Regierungspolitik in der Berliner Republik“ interviewte Jens Korfkamp, selbst promovierter Politikwissenschaftler, Karl-Rudolf Korte auf der Bühne. Das Publikum erlebte einen spannenden, kurzweiligen und humorvollen Polit-Talk. Die Freude darüber, dass „er zwischen Magdeburg und Schwerin einen Abstecher nach Rheinberg“ möglich gemacht habe, war groß.
Es ging um ein verändertes Wahlverhalten, um den Rechtsruck in der Gesellschaft, um die Rolle der AfD als „Unmutsaufsauger“, um die Frage der Brandmauer, um eine verloren gegangene Kümmererfunktion der Mitte-Parteien und auch darum, woran es der derzeitigen Regierung und ihrem Bundeskanzler fehlt.
Und es ging auch um die Frage, ob und, falls ja, warum in Deutschland so viel gejammert wird. Korte nannte das „Immerschlimmerismus“. Diese „Jammerkultur“ nütze nur Autokratien und Diktatoren: „Denn sie fürchten das Positive.“ Dabei kam einigen Zuhörer allerdings zu kurz, dass vor allem schlechter verdienende Menschen durchaus Gründe haben zu klagen: explodierende Spritpreise, teurer werdende Lebensmittel, steigende Mieten, zu wenig Wohnraum und kaum noch bezahlbarer Wohneigentum – das alles drückt ja nun mal auf die Stimmung.
Ein AfD-Verbot sieht Professor Korte kritisch, die Regierungsbildung in Sachsen-Anhalt hält er für „sehr spannend“: „Weil der siegreiche Spitzenkandidat der AfD jetzt keine Schuldzuweisungen mehr machen kann und erstmals Kompromisse eingehen muss, wenn er regieren will.“
Grundsätzlich wünscht sich Korte mehr Politiker mit „Zumutungsmut“ den Bürgern gegenüber. Generell empfahl er mehrmals, eine positive Stimmung gegen den Rechtsruck zu setzen: „Wir müssen die bessere Party machen“, sagte er.
Meistgelesen
Aktuell wichtig