Russisches Gold strömt nach Hongkong und Venezuelas Goldschatz wandert von London in die USA. Beide Fälle zeigen, wie Politik über Goldreserven entscheidet.
Stand: 21.09.2026, 19:00 Uhr
Russisches Gold strömt nach Hongkong und Venezuelas Goldschatz wandert von London in die USA. Beide Fälle zeigen, wie Politik über Goldreserven entscheidet.
Moskau/Hongkong/Washington D.C./Caracas – Zwei Fälle aus unterschiedlichen Kontinenten zeigen dieser Tage, wie Gold zu einem Instrument der Geopolitik wird. Während russisches Gold in wachsenden Mengen nach Hongkong strömt und damit westliche Sanktionen umgeht, bahnt sich am anderen Ende der Welt ein Deal an, der Venezuelas Goldreserven aus London in die USA verlagern soll. Beide Fälle drehen sich um dieselbe Frage. Wer kontrolliert am Ende, wohin ein physisch greifbarer Wertspeicher fließt, wenn Sanktionen, Kriege und politische Interessen aufeinandertreffen.

Fast 100 Tonnen Gold aus Russland sind in den ersten sieben Monaten dieses Jahres nach Hongkong gelangt, wie aus Handelsdaten der Sonderverwaltungszone hervorgeht. Das ist ein Rekordwert und fast dreimal so viel wie im selben Zeitraum 2025. Der Grund liegt in den Sanktionen, die die USA und Großbritannien nach Beginn der russischen Invasion in der Ukraine 2022 gegen russisches Gold verhängten und mit denen sie den bis dahin wichtigsten Handelsplatz London für russische Produzenten schlossen. „
Seit London nach dem Ausbruch des Ukraine-Konflikts seine Türen für russisches Gold geschlossen hat, lenken russische Produzenten ihre Exporte zunehmend auf östliche Märkte um“, sagte Debajit Saha, Analyst bei der London Stock Exchange Group, gegenüber der Financial Times. Hongkong und das chinesische Festland kennen solche Beschränkungen nicht, weshalb sich der Handel dorthin verlagert hat. Seit Anfang 2022 haben Unternehmen in Hongkong russisches Gold im Wert von umgerechnet rund 35 Milliarden US-Dollar erworben.
Vita Spivak, Beraterin bei der geopolitischen Beratungsfirma Gatehouse, ordnet gegenüber der Times die Entwicklung als „Folge der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Russland und China“ ein, bei der Moskau Rohstoffe gegen wirtschaftliche Unterstützung aus Peking tauscht. Der Großteil des Goldes wandert von Hongkong weiter aufs chinesische Festland, denn weil Peking Importquoten vorschreibt, kaufen chinesische Abnehmer Bullion häufig zunächst in der Stadt und lagern es dort zwischen, erläuterte LSEG-Analyst Saha.
Sanktionsrisiko Gold: Compliance, Banken, GeldwäscheverdachtAnalysten warnen zugleich, dass die wachsenden Mengen russischen Goldes es westlichen Banken erschweren, Sanktionsvorgaben einzuhalten. Bereits 2024 hatte das US-Finanzministerium Sanktionen gegen mehrere Hongkonger Unternehmen verhängt, denen eine Beteiligung an einem Netzwerk zur Verschleierung der Herkunft russischen Goldes vorgeworfen wurde.
Verschärft wird die Lage durch strukturelle Verschiebungen im globalen Goldhandel. Asiatische Handelsplätze konkurrieren zunehmend um jenen Marktanteil, der traditionell auf London, New York und Dubai entfiel. Hongkong hat im Juli ein neues Clearing-System eingeführt und wirbt aktiv um Zentralbanken, die künftig ihre Reserven in der Stadt lagern sollen. Jeremy Mark, Senior Fellow beim Atlantic Council, sieht darin „fortlaufende Bemühungen, die Rolle Hongkongs als regionales Finanzzentrum mit chinesischen Merkmalen zu stärken“, wie er der Financial Times sagte. Die traditionsreiche Infrastruktur der Stadt als Goldhandelsplatz lasse sich so zugunsten Chinas nutzen, ergänzte er.
Im Wert von 4 Billionen US-Dollar: Venezuelas Goldschatz wandert in die USAWährend Moskau seinen Goldhandel nach Osten verlagert, geht Caracas in eine andere Richtung. Die venezolanische Regierung und die Opposition stehen kurz vor einer Einigung, die Goldreserven der venezolanischen Zentralbank im Wert von rund vier Milliarden US-Dollar von der Bank of England zur Federal Reserve Bank of New York zu transferieren. Konkret geht es um rund 31 Tonnen Gold, die seit Jahren in Londoner Tresoren liegen, während die Interimsregierung von Delcy Rodríguez rechtlich keinen Zugriff darauf hatte.
Der Streit reicht bis ins Jahr 2019 zurück, als Großbritannien und andere westliche Staaten den damaligen Oppositionspolitiker Juan Guaidó als legitimen Präsidenten anerkannten und die Bank of England der Zentralbank unter Nicolás Maduro daraufhin den Zugriff verweigerte. Der Fall beschäftigte zeitweise sogar den britischen Supreme Court. Laut dem geplanten Abkommen würde die Regierung Rodríguez zwar die rechtliche Kontrolle über das Gold zurückerhalten, dürfte es aber nicht verkaufen, sondern lediglich als Sicherheit für Kredite nutzen, mit denen unter anderem der Wiederaufbau nach den schweren Erdbeben vom Juni finanziert werden soll.
Ein an den Gesprächen beteiligter Vertreter der Opposition beschrieb die Konstruktion gegenüber der Financial Times so: „Das Gold wird in die USA gebracht, aber Delcy wird keinen direkten Zugriff darauf haben. Es wird überwacht und unter Auflagen gestellt.“ Diese Bedingung geht auf das Misstrauen der Opposition gegenüber der seit Jahrzehnten regierenden sozialistischen Führung zurück, der sie Korruption und wirtschaftliches Missmanagement vorwirft.
Eingebettet ist der Gold-Deal in eine umfassendere Annäherung zwischen Caracas und Washington nach der Absetzung und Verschleppung Maduros durch das US-Militär im Januar. Parallel dazu prüft der US-Kongress, wie transparent die US-Regierung mit venezolanischen Öleinnahmen umgeht. Der demokratische Abgeordnete Joaquin Castro sprach gegenüber der Financial Times von einem „beispiellosen Mangel an Rechenschaftspflicht“ und forderte Prüfberichte des Wirtschaftsprüfers KPMG bis zum 8. Oktober ein, die das Außenministerium bislang trotz früherer Zusage nicht vorgelegt hat.
Castro sieht das Thema Venezuela als eine der wichtigsten politischen Prioritäten der Demokraten im kommenden Jahr und drohte im Fall eines Wahlsiegs im November mit Vorladungen. „Du sprichst hier von Milliarden Dollar“, sagte er und sprach von „völliger Intransparenz in Bezug auf“ die venezolanischen Gelder. Das Außenministerium erklärte gegenüber der Times lediglich, die Arbeit von KPMG laufe weiter und man reagiere auf entsprechende Anfragen des Kongresses.
Ukraine, Iran, Venezuela: Wie Völkerrechtsbrüche die geopolitische Sicherheitsarchitektur gefährdenNeben der Frage nach Transparenz und Geld wirft der Fall Venezuela auch grundsätzliche völkerrechtliche Fragen auf. Janina Dill, Inhaberin des Dame Louise Richardson Chair in Global Security an der Blavatnik School of Government der University of Oxford, ordnet die militärische Aktion ein, mit der die USA im Januar in einer Spezialoperation Präsident Maduro absetzten und festnahmen. Die als „Operation Absolute Resolve“ bezeichnete Aktion verstoße gegen eines der grundlegendsten Prinzipien des Völkerrechts, das in Artikel 2(4) der UN-Charta verankerte Verbot der Gewaltanwendung zwischen Staaten, schreibt Dill in einem Kommentar der University of Oxford. Keine der engen rechtlichen Ausnahmen von diesem Verbot lasse sich auf den Fall anwenden, weder ein Mandat des UN-Sicherheitsrats noch das Recht auf Selbstverteidigung gegen einen bewaffneten Angriff.
Bemerkenswert findet Dill vor allem, dass US-Vertreter kaum den Versuch unternommen hätten, die Aktion rechtlich zu rechtfertigen. Anders als bei der Invasion des Irak 2003, der eine lange diplomatische Suche nach einem Mandat des Sicherheitsrats vorausging, herrsche diesmal weitgehendes Schweigen zum Völkerrecht. Dieses Schweigen deute darauf hin, dass die US-Regierung internationales Recht schlicht nicht als Beschränkung ihrer Außenpolitik betrachte, so Dill.
Sie verweist zudem auf die zurückhaltenden Reaktionen vieler Staaten, darunter Großbritannien, die den Einsatz nicht eindeutig als Völkerrechtsverstoß benannt hätten, obwohl 2022 141 Staaten die russische Invasion in der Ukraine in einer UN-Resolution ausdrücklich verurteilt hatten. Jeder Staat, der die Aggression nicht klar beim Namen nenne, trage dazu bei, die internationale Ordnung weiter zu schwächen, argumentiert die Oxford-Professorin. (Quellen: Financial Times, Oxford University)(ls)
| # | Наименование новости | Тональность | Информативность | Дата публикации |
|---|---|---|---|---|
| 1 | Reuters: центробанк Венесуэлы намерен продать 15 т золота в ОАЭ | 0 | 0 | 31-01-2019 |
| 2 | Болтон считает, что власти Венесуэлы преследуют личные цели, вывозя золото из страны | 0 | 0 | 01-02-2019 |
| 3 | Эксперт Рамазанов: РФ скоро может выйти в мировые лидеры по добыче золота | 0 | 0 | 09-03-2025 |
| 4 | Британия не торопится возвращать Венесуэле ее золото | 0 | 11.25 | 13-08-2026 |
| 5 | Обеспеченность России запасами золота при текущем уровне добычи составляет 36 лет | 0 | 0 | 05-10-2021 |
| 6 | Минприроды признало Сухой Лог крупнейшим месторождением золота в России | 0 | 9.15 | 26-07-2026 |
| 7 | В "Полюсе" предупредили о риске исчерпания запасов золота в России через 10-20 лет | 0 | 0 | 04-10-2021 |
| 8 | Роснедра: На Дальнем Востоке открыли свыше 90 месторождений золота | 0 | 10.04 | 29-08-2026 |
| 9 | Сенатор США считает, что Россия хочет сохранить права на добычу энергоресурсов в Венесуэле | 0 | 0 | 12-02-2019 |