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Fußballplätze in der Klimafalle

Дата публикации: 11-09-2026 13:49:06

Naturrasenplätze sind verdorrt, auf Kunstrasen ist das Granulat verklumpt. Die Hitzewelle hat die Fußball-Infrastruktur angegriffen. Die Platzpflege stellt Kommunen und Vereine vor neue finanzielle Herausforderungen.

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Vertrockneter Hauptplatz der TSG Wittershausen
Hitzegeschädigter Rasen Fußballplätze in der Klimafalle

Stand: 11.09.2026 • 15:49 Uhr

Naturrasenplätze sind verdorrt, auf Kunstrasen ist das Granulat verklumpt. Die Hitzewelle hat die Fußball-Infrastruktur angegriffen. Die Platzpflege stellt Kommunen und Vereine vor neue finanzielle Herausforderungen.

Von Amelie Buckreus

Die Strafraumlinie lässt sich nur noch schemenhaft erahnen. Vereinzelt zeichnen sich grasgrüne Tupfen auf dem verdorrten Untergrund ab. Die Sommermonate haben bei der TSG Wittershausen ihre Spuren hinterlassen. Eigentlich ist das Hauptspielfeld im Ortsteil der württembergischen Gemeinde Vöhringen für seine Qualität bekannt. Regelmäßig dient es als Austragungsort von Relegationspartien. In den zurückliegenden Monaten hat die Hitze den Platz jedoch so stark malträtiert, dass zeitweise überhaupt nicht an Fußball zu denken war.

Schon in den vergangenen Jahren hatte der Trainingsplatz unter den hohen Temperaturen gelitten, nun traf es auch den Hauptplatz - in einem beispiellosen Ausmaß. Marcel Hezel ist Platzwart in Wittershausen. "Im Sommer können wir nur einen Platz beregnen, weil für zwei die Menge an Wasser nicht ausreicht", sagt er. Mit einem Beregnungsroboter bewässert er den Hauptplatz weitgehend allein, einen schweren Schlauch zieht er dafür täglich mühsam über das Feld. "Dieses Jahr habe ich das erste Mal kapituliert. Ich hatte gar keine Pause, während meines Urlaubs nicht und auch am Samstag oder Sonntag nicht. Jeden Abend war ich dort", sagt Hezel.

Die lange Hitzeperiode hatte dem Platz zusehends zugesetzt, schließlich appellierte die Gemeinde an die Vereine, die Bewässerung zu stoppen, um Wasser zu sparen. Innerhalb von fünf Tagen sei der Platz zur Wüste geworden, sagt Hezel.

Extremwetterereignisse nehmen zu

Die Hitzewelle im Juni hatte laut Deutschem Wetterdienst ein hierzulande nie dagewesenes Ausmaß. Die Vereinten Nationen mahnten jüngst in einem Bericht ihres Umweltprogramms, dass die Begrenzung des weltweiten Temperaturanstiegs auf 1,5 Grad Celsius im Vergleich zum vorindustriellen Niveau nicht mehr zu halten ist und schneller erreicht wird als gedacht. Der fortschreitende Klimawandel führt zu mehr Extremwetterereignissen wie Überschwemmungen und Hitze. Außergewöhnlich heiße Sommer werden bald von der Ausnahme zur Regel. Vertrocknete Fußballfelder werden vom Sonderfall zum Standardproblem. Auch jenseits der deutschen Grenzen.

Paris Saint-Germain musste in dieser Saison vor seinem ersten Ligaspiel im Prinzenpark umplanen. Die Hitze hatte den Rasen im Stadion derart geschädigt, dass PSG kurzerhand mit Rennes das Heimrecht tauschte. In England wurde der Saisonstart der Anglian Combination League, einer Amateurliga der Grafschaften Norfolk und Suffolk, nach hinten verschoben. In den Sommermonaten war eine Vielzahl an Plätzen ausgetrocknet, ein regulärer Spielbetrieb war auf dem steinharten Untergrund undenkbar.

Verklebtes Granulat auf Kunstrasenplätzen

Auch Kölner Vereine müssen derzeit improvisieren. Sechs städtische und eine private Sportanlage sind laut Stadt von Hitzeschäden betroffen. Anders als in Wittershausen, Paris und England sind hier aber nicht ausgedörrte Rasen das Problem. In Köln hielten Kunstrasenplätze der Hitze nicht stand. Die hohen Temperaturen führten dazu, dass das Kunststoffgranulat, mit dem die Spielfelder aufgefüllt sind, verklebte und der Rasen verklumpte.

Der CfB Ford-Niehl ist einer der betroffenen Kölner Vereine und muss vorübergehend die Konsequenzen ausbaden. Zwar finde der Trainingsbetrieb weiterhin statt, auf bedingungslose Zustimmung träfe das jedoch nicht, sagt CfB-Platzwart Guido Düren. "Es nervt nur noch, es ist wirklich brutal. Wir haben auch schon Eltern, die sich beschweren und sagen, sie müssen ihrem Kind neue Schuhe kaufen." Vor dem Saisonauftakt hatten Vereinsmitglieder in einer gemeinsamen Aktion die Verklumpungen mit Rechen vom Platz entfernt. Das hat allerdings nur kurzfristig Abhilfe geschaffen: Knapp zwei Wochen später ist das Spielfeld erneut mit Klumpen übersät.

Bereits 2021 und 2022 war die Stadt Köln mit Verklebungen auf Kunstrasenplätzen konfrontiert. Damals wurde das Granulat auf den betroffenen Plätzen entfernt und mit Quarzsand ersetzt. Das Vorgehen ist auch für den Platz in Niehl und die anderen aktuell beschädigten Spielfelder angedacht.

Das kostet Geld: Abhängig von der Platzgröße fallen dafür zwischen 50.000 und 85.000 Euro an, wie die Stadt auf Anfrage der Sportschau mitteilt. Damit werden die klammen Kölner Kassen zusätzlich belastet, genauso wie andernorts in Deutschland. Denn die überwiegende Mehrzahl an Fußballfeldern liegt in kommunalem Eigentum, für die Reparaturkosten müssen demnach die Städte und Gemeinden selbst aufkommen.

Finanzieller Druck auf Kommunen und Vereine nimmt zu

Die Landesfußballverbände schreiben auf Anfrage, sie stünden den Vereinen beratend zur Seite. Zwar gibt es von Bund und Ländern Sportstättenförderprogramme, die Sanierungen anteilig bezuschussen. Wenn Sportstätten durch zunehmende Extremwettereignisse künftig noch mehr Schäden nehmen, dürften die Zuschüsse noch häufiger nachgefragt werden. Dabei klafft bereits jetzt eine Förderlücke, der finanzielle Druck auf die Kommunen und Vereine wächst.

Auch in Wittershausen muss sich Platzwart Hezel nach der Hitzeperiode mit Finanzierungsfragen auseinandersetzen. Der Verein hat den Platz von der Gemeinde gepachtet, die Kosten entfallen demnach mehrheitlich auf die TSG Wittershausen. Dennoch stehe die Kommune zumindest anteilig unterstützend zur Seite, sagt Hezel. Unterstützung wünscht sich Hezel aber auch vom Deutschen Fußballbund (DFB). "Der DFB müsste mehr in kleine Vereine, die wirklich alles ehrenamtlich machen, investieren." Auf eine Sportschau-Anfrage dazu reagierte der DFB nicht.

Investitionen in Wassermanagement und nachhaltige Kunstrasenfelder

Fest steht: Wollen sich Vereine und Kommunen gegen die Auswirkungen des Klimawandels wappnen, müssen perspektivisch Gelder in verschiedene Maßnahmen fließen. An der RWTH Aachen hat sich ein Team unter der Leitung von Claudia Post der Erforschung von nachhaltigem Kunstrasen gewidmet.

Der sogenannte "BioTurf" ist biobasiert, kommt ohne Füllmaterial aus und ist sehr gut recyclebar. Um ökologische Kunstrasenplätze zusätzlich hitzetolerant zu machen, müsste langfristig allerdings auch die Befeuchtung der Felder mitgedacht werden, sagt Post. In den Niederlanden sind solche Systeme, die der Platzüberhitzung mithilfe von integrierten Wasser-Auffangboxen zuvorkommen, bereits im Umlauf. Dabei steigt das gespeicherte Regenwasser an die Oberfläche und verdunstet. "Ich glaube, dass das ein enorm großes Potenzial hat", sagt Post.

Die Studie "Klimaangepasste Sportanlagen", die vom Bundesinstitut für Sportwissenschaft in Auftrag gegeben wurde, empfiehlt ähnliche Maßnahmen. Um die Hitzeresistenz von natürlichen Fußballfeldern zu gewährleisten, müsste mitunter der Boden aufgelockert werden. Schädigungen des Naturrasens sollte vor allem aber mit einem durchdachten Wassermanagement vorgebeugt werden. Mithilfe von Zisternen, in denen Regenwasser gespeichert wird, könne die Platzbewässerung beispielsweise in den warmen Monaten sichergestellt werden.

TSG Wittershausen will Bewässerungsanlage finanzieren

In Wittershausen hat der Vorstand die Bewässerungsfrage bereits auf die Agenda gehoben. Der Verein liebäugelt mit einer Anlage, die den manuell betriebenen Beregnungsroboter ersetzen soll. Das einzige Problem: Das Geld fehlt. Hezel und der Verein haben bereits Angebote eingeholt, die Investitionskosten sind im hohen fünfstelligen Bereich angesiedelt. "Wir haben keine fünf Gönner, die uns jedes Jahr 10.000 Euro zustecken. Wir müssen Feste veranstalten, die bringen dann Umsatz und Gewinn. Das Geld haben wir dann für Investitionen zur Verfügung", sagt er.

Der Rasen der TSG Wittershausen vor der Hitzewelle

Ganz allein reichen jedoch auch solche Veranstaltungen nicht aus. Die TSG Wittershausen ist bei großen Neuanschaffungen wie einer Bewässerungsanlage auf Zuschüsse und Sponsoren angewiesen. An erster Stelle steht nun ohnehin erst einmal die Wiederherstellung des Rasens. "Wir haben in den vergangenen zweieinhalb Wochen sehr viel Zeit investiert, mehrmals vertikutiert und durften auch wieder punktuell bewässern. Die Feuerwehr hat uns auch unterstützt", sagt Hezel. Zumindest bespielbar ist das Feld mittlerweile wieder. Trotzdem erwarten den Verein für die Instandsetzung weitere Kosten. Und bis das einstige überregionale Aushängeschild wieder als Schauplatz für Entscheidungsspiele taugt, wird es wohl noch dauern.

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