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Ausstellung über Prophezeiungen: Vor uns die Zukunft

Дата публикации: 31-08-2026 07:59:20




In Paderborn ist eine Ausstellung mit lauter Prophezeiungen zu sehen – von der Antike bis zur Gegenwart. Dabei widmet sich das Diözesanmuseum der Frage, wer die Zeichen der Zeit deutet.



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Ausstellung über Prophezeiungen Vor uns die Zukunft

31.08.2026 · 09:59 Uhr

Thomas Duttenhoefers Skulptur der mythischen Figur Kassandra aus Eisen in der Paderborner Ausstellung „Prophezeiungen“.

Thomas Duttenhoefers Skulptur der mythischen Figur Kassandra aus Eisen in der Paderborner Ausstellung „Prophezeiungen“.

Foto: epd/Dioezesanmuseum_Paderborn/Kalle

Paderborn · In Paderborn ist eine Ausstellung mit lauter Prophezeiungen zu sehen – von der Antike bis zur Gegenwart. Dabei widmet sich das Diözesanmuseum der Frage, wer die Zeichen der Zeit deutet.

Am Anfang war das Fragen. Und das Fragen war beim Menschen. Große darunter wie: Was mache ich in dieser Welt? Oder auch: Wer bin ich? Aber auch kleine und banale: Was bringt der Tag? Wie wird die Ernte ausfallen? Und immer fanden sich welche, die darauf Antworten zu wissen glaubten. Die Menschen waren dankbare, empfängliche Abnehmer solcher Weissagungen und nannten jene Wissenden Propheten.

Weil sich das bis heute kaum geändert hat, gibt es dazu eine spannende Ausstellung, die sich den „Prophezeiungen“ der Menschheitsgeschichte widmet und im Untertitel passenderweise eine Frage führt: „Wer deutet die Zeichen der Zeit?“

Wen diese Frage nicht kalt lässt, landet zwangsläufig in Paderborn und dort im obersten Stockwerk des Diözesanmuseums. In seiner jüngsten Ausstellung wimmelt es vor Prophetien, die uns selbst vor manch reizvolle Aufgaben stellen. Und das nicht erst mit jenen Propheten, die in der Bibel Auftritte mit nachhaltiger Wirkung haben. Zu den berühmten vorchristlichen Seherinnen gehört Kassandra, die mit ihrer Warnung vor dem hölzernen Pferd und der Zerstörung Trojas richtig lag. Allein, man schenkte ihr keinen Glauben, und so kam es, wie es kommen musste und bei Homer nachzulesen ist. Alle Weissagung half Kassandra nicht: Sie wurde gefangen genommen und ermordet.

Wie ein Kommentar zu diesem Mythos liest sich eine Stelle aus dem Markus-Evangelium, wonach der Prophet im eigenen Lande nichts wert ist. Als Quelle hat man in Paderborn dazu ein wertvolles Evangeliar aus dem 9. Jahrhundert herbeigeschafft, das im Skriptorium des westfälischen Klosters Corvey entstand. Während die Mönche fleißig die Heilige Schrift kopierten, bedienten sich die Germanen in nächster Nachbarschaft etwa zur selben Zeit einer simpleren Methode: Aus ebenfalls westfälischen Frauengräbern des 6. und 7. Jahrhunderts stammen sogenannte Orakelstäbchen aus Knochen und Bronze, mit deren Hilfe die Besitzerinnen in die Zukunft zu schauen hofften – und die man fasziniert und andächtig in einem Schaukasten betrachtet und vielleicht insgeheim auf eine Botschaft hofft.

Im Raum mit dem sogenannten digitalen Palimpsest kann der Besucher eine Zeitreise durch seine eigene Bewegung steuern.

Im Raum mit dem sogenannten digitalen Palimpsest kann der Besucher eine Zeitreise durch seine eigene Bewegung steuern.

Foto: Roland Juchem/KNA/Roland Juchem

Wobei, richtig fröhlich sind Prophezeiungen ja nie; und richtig finster wird es in der apokalyptischen Offenbarung des Johannes von Patmos mit schrecklichen Erdbeben und Meeren voller Blut, mit einer Sonne, die die Menschen verbrennt, und einer Finsternis, die uns ewige Nacht beschert. Auch die Holzschnitt-Illustrationen daneben spenden keinen Trost, auch wenn sie von einem so großen Künstler wie Lucas Cranach (1473-1553) stammen.

Schlimmer geht’s nicht mehr, aber doch noch spektakulärer. Mit einer Installation des Kooperationspartners storyLab kiU der Dortmunder Fachhochschule. Die macht seit einigen Jahren mit digitalen Formaten für Kulturerzählungen auf sich aufmerksam. Diesmal haben die Forscher eine Art sibyllinische Höhle geschaffen. Die betritt man am besten allein. Sie funktioniert wie ein begehbares Palimpsest. Erst durch die eigene Bewegung im Raum erscheinen verschiedene Prophetien auf einer Projektionswand und verschwinden bald wieder; manchmal sind es nur Wörter, ein paar Schlagwörter aus Vergangenheit und Gegenwart, manchmal auch Zeichnungen, Sätze, Verse. Sie tauchen auf und werden kurz danach von anderen Botschaften überlagert.

Nichts hat hier Bestand, alles wird fluide durch unsere analoge Bewegung. Fast ist es so, als taumele man durch all die weisen oder verrückten Deutungen zu der Frage, was die Welt war und ist und was ihr bevorstehen könnte. Zu einem düsteren Sound überlagern sich die vermeintlichen Sinnangebote und scheinen so etwas wie die große Ursuppe all unserer Fragen zu sein. Klüger verlassen wir diesen Raum nicht, wohl aber nachdenklicher.

Vielleicht ist die Installation von storyLab kiU der Kern dieser Ausstellung, in den alles zusammenfließt und zu einer Erfahrung komprimiert wird. Dass nämlich all die großen und kleinen Prophetien und Offenbarungen weniger auf Erkenntnis zielen. Ergänzt durch die künstlerischen Auseinandersetzungen sind sie vielmehr Erzählungen unserer Menschheitsgeschichte, sind Versuche, das Unbegreifliche der Schöpfungen etwas greifbarer zu machen – und sei es mit der Androhung eines Weltenendes.

Zusammen mit Kunstwerken etwa von Michael Triegel, Barbara Dombrowski und Helmut Kirchlechner wird die Ausstellung also zunehmend zu einer Selbstbefragung. Dann geht es vielleicht weniger darum, was uns das Orakel sagt, sondern was wir vom Orakel hören wollen. Wie ein Kommentar dazu lesen sich ein paar Fragen des deutschen Astronauten Alexander Gerst, die eine Wand großflächig zieren. „Was sind wir eigentlich? Was machen wir mit unserer Erde? Was machen wir mit uns?“

Zumindest eine Gewissheit dürften die Besucher aus der lohnenden Ausstellung in Paderborn mitnehmen: Das Fragen endet nie.

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