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Kartenzahlung: Warum es Trinkgeld auch im Schuhgeschäft geben könnte

Дата публикации: 14-09-2026 04:35:00

Trinkgeld wird längst nicht mehr nur im Restaurant oder Taxi erwartet. Auch Bäckereien und Geschäfte fragen danach – meist über das Kartenterminal. Verbraucherschützer beobachten einen wachsenden Trend.


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Kartenzahlung Warum es Trinkgeld jetzt auch im Schuhgeschäft geben könnte

Auf einem Kartenlesegerät werden deutlich Trinkgeldbeträge angezeigt (Quelle: picture alliance/dpa/J.Kalaene)
Auf einem Kartenlesegerät werden deutlich Trinkgeldbeträge angezeigt (Quelle: picture alliance/dpa/J.Kalaene)

Von Lisa Splanemann

"Trinkgeld eingeben: sieben, zehn oder 15 Prozent?" - Eine Kundin steht in einer Bäckerei in Berlin-Mitte, hält ihre Bankkarte in der Hand und schaut auf das Display des Kartenleseterminals, das vor ihr auf der Theke steht. Sie klickt auf einen der Trinkgeldbuttons, greift anschließend nach ihrem bestellten Kaffee im Pappbecher und verlässt den Laden.

Trinkgeldabfragen wie diese werden inzwischen immer häufiger bei digitalen Bezahlvorgängen eingesetzt, wie die Verbraucherzentrale Brandenburg beobachtet, - auch in Bereichen, in denen Trinkgeld bislang eher unüblich gewesen ist. Dazu zählen etwa Bäckereien, bei denen man einen Kaffee zum Mitnehmen an der Theke bestellen kann.

Wann eine Trinkgeldabfrage kritisch wird

Zu den Situationen, in denen Kunden bislang Trinkgeld gezahlt haben, gehören klassischerweise unter anderem Taxifahrten, Restaurantbesuche oder Essenslieferungen bis an die Haustür. Trinkgeld für einen besonderen Service zu geben, sagt Annalena Marx von der Verbraucherzentrale Brandenburg, sei vollkommen in Ordnung. "Wenn ich etwa im Restaurant für längere Zeit an meinem Tisch bedient worden bin", so Marx, sei das Trinkgeld gerechtfertigt.

Die Grundlage hierfür sei aber, betont sie, dass die Person einen fairen Lohn durch den Arbeitgeber erhalte. "Anders ist es dagegen bei den neueren Entwicklungen im Zusammenhang mit digitalem Bezahlen – etwa, wenn für Kunden gar keine Möglichkeit besteht, kein Trinkgeld zu geben". Dass hohe Trinkgeldbeträge prominent abgefragt werden, beispielsweise durch eine große Schriftart auf dem Kartenleseterminal, sieht Annalena Marx von der Verbraucherzentrale Brandenburg kritisch.

Janna im Studio (Quelle: rbb/SUPER.MARKT)
Super.Markt "Das neue Trinkgeld"

Janna im Studio (Quelle: rbb/SUPER.MARKT)

Deutsche misstrauen digitaler Trinkgeldabfrage eher

Die digitalen Auswahlmöglichkeiten, wie viel Prozent der Kunde an Trinkgeld dazu geben möchte, variieren in der Höhe – und kommen nicht immer gut an, wie Umfrageergebnisse des Digitalverbands Bitkom zeigen. Kunden fühlten sich in solchen Momenten eventuell unter Druck gesetzt, so Marx, der Mensch neige generell dazu, die Mitte zu wählen.

Knapp ein Drittel der Deutschen findet aber laut Umfrage "vorgeschlagene Trinkgeldbeträge beim elektronischen Bezahlen praktisch". Das Alter der Kunden spielt hier eine wichtige Rolle: Ältere Menschen zeigen sich kritischer – "unter den Über-65-Jährigen liegt die Zustimmung mit 22 Prozent deutlich unter dem Durchschnitt", so der Digitalverband.

Immer mehr Kunden zahlen mit Karte

Digitale Trinkgeldabfragen können dafür sorgen, dass Kunden mehr zahlen: Insgesamt rund zwei Drittel der Deutschen sagen nach Angaben des Digitalverbands Bitkom, dass vorgeschlagene Trinkgeldbeträge dazu führen, dass mehr Trinkgeld gegeben wird als ursprünglich geplant. Die Servicekräfte nehmen dadurch mehr ein und können das zusätzliche Geld gleichmäßig untereinander aufteilen. Inwieweit das in der Praxis funktioniert, lässt sich nicht pauschal sagen. "Voreingestellte Optionen machen aus einer offenen Entscheidung eine Auswahl mit Leitplanken. So wird die Entscheidung vereinfacht", ordnet Alina Stephanie Bone-Winkel, Bereichsleiterin Digital Banking & Financial Services bei Bitkom, ein, "gleichzeitig beeinflussen die Vorgaben damit oft die Höhe des Trinkgeldes".

Dass Trinkgeldabfragen immer öfter auf den Displays der Kartenlesegeräte auftauchen, könnte mitunter daran liegen, dass immer mehr digital und mit Karte gezahlt wird. Vergangenes Jahr hätten die Menschen in Deutschland, so die Bundesbank, ihre täglichen Einkäufe zum ersten Mal häufiger bargeldlos bezahlt als mit Bargeld. Die Studienergebnisse der Deutschen Bundesbank zeigen, dass 55 Prozent aller erfassten Einkäufe bargeldlos bezahlt wurden. Digitale Bezahlarten werden somit immer beliebter. Gleichzeitig taucht die Trinkgeldabfrage inzwischen in immer mehr Situationen auf, beobachtet Verbraucherschützerin Annalena Marx – auch in ganz anderen Branchen.

Trinkgeldabfragen auch online und im Einzelhandel

"Inzwischen sprechen wir nicht mehr nur davon, dass man in der Gastronomie gefragt wird, Trinkgeld zu geben", so Marx. Kunden werden inzwischen mitunter auch online gefragt, Trinkgeld zu geben, wenn sie die Produkte in ihrem digitalen Warenkorb bezahlen möchten. Dies sei ein ganz neues Phänomen, ordnet Marx ein. Wenn Verbraucher etwas im Internet bestellen, unterstreicht sie, "darf es nicht passieren, dass sie die Verantwortung tragen, dass die Menschen angemessen bezahlt werden". Sie beobachtet, dass auch in Schuhgeschäften mittlerweile nach Trinkgeld gefragt werde. "Das ist eine Ausweitung, die wir kritisch sehen."

Der Handelsverband Deutschland sagt, ihm sei aktuell keine vermehrte oder flächendeckende Einführung einer Trinkgeldabfrage bei digitaler Bezahlung in den Geschäften bekannt. "Eine Bewertung, inwieweit eine Trinkgeldabfrage auf Kartenlesegeräten sinnvoll ist oder nicht, lässt sich pauschal für alle Einzelhandelsbranchen nicht beantworten."

Nur dort, wo ein individueller und sehr aufwendiger Service mit dem Kauf verbunden sei, wie beispielsweise bei Anpassungen, Produktindividualisierungen oder besonderen Aufmerksamkeiten, sei eine Trinkgeldabfrage überhaupt denkbar. "Generell ist das Thema Trinkgeld im Einzelhandel", so der Handelsverband, "maximal ein Randthema".

Mehr zum Thema "Trinkgeld: Immer mehr Druck beim Zahlen" im rbb-Fernsehen am Montag (14.09.2026) bei Super.Markt (20:15 Uhr - 21:00 Uhr).

Sendung: rbb|24, 14.09.2026, 06:35 Uhr
Audio: rbb|24, 14.09.2026, Lisa Splanemann

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