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Bahnstrecke Berlin-Hamburg: Tausende Verspätungen auch nach Generalsanierung

Дата публикации: 04-09-2026 14:10:00

Zehn Monate lang wurde die Bahnstrecke zwischen Berlin und Hamburg umfassend saniert. Doch auch nach der Wiedereröffnung läuft der Verkehr alles andere als reibungslos.


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Bahnstrecke Berlin-Hamburg Tausende Verspätungen auch nach Generalsanierung

Ein ICE der Deutschen Bahn, Archivbild (Quelle: DPA/Julian Stratenschulte)
Ein ICE der Deutschen Bahn, Archivbild (Quelle: DPA/Julian Stratenschulte)

Seit dem 14. Juni fahren die Züge wieder durchgehend zwischen Berlin und Hamburg. Zuverlässig läuft der Verkehr seitdem allerdings nicht. Das zeigen Zahlen aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Grünen-Bundestagsfraktion.

Danach wurden zwischen der Wiedereröffnung und dem 26. Juli insgesamt 3.150 Fernzugfahrten auf der Strecke erfasst. Rund 74 Prozent dieser Fernzugfahrten waren mindestens sechs Minuten verspätet. 219 Züge hatten sogar mehr als 90 Minuten Verspätung. Zusätzlich fielen in diesem Zeitraum 172 geplante Fernzüge der Deutschen Bahn aus.

Besonders schlecht lief es unmittelbar nach der Wiedereröffnung. Zwischen dem 14. und 30. Juni waren nur 239 von insgesamt 1.272 erfassten Fernzügen beim Verlassen der Strecke weniger als sechs Minuten verspätet. Am 27. Juni fielen zudem 28 von 51 geplanten DB-Fernzügen aus. Im Juli verbesserte sich die Lage zwar, blieb aber deutlich hinter dem angestrebten Niveau zurück.

Bundesregierung: Ziel noch nicht erreicht

Auch die Bundesregierung räumt ein, dass die Pünktlichkeit nach der Sanierung das angestrebte Niveau bislang nicht erreicht habe. Als Ursachen nennt sie unter anderem Hitzetage wie den 27. Juni mit hohen Schienentemperaturen, lokale Unwetter sowie Auswirkungen anderer Bauarbeiten im Berliner Bahnknoten.

Zu den häufigsten konkreten Verspätungsursachen gehörten außerdem bereits verspätete vorausfahrende Züge, Probleme an der Leit- und Sicherungstechnik und Unregelmäßigkeiten bei Bauarbeiten. Hinzu kommt, dass Teile der neuen Technik nach der Wiedereröffnung zunächst noch nicht vollständig in Betrieb waren.

Bahn sieht inzwischen Verbesserung

Die Deutsche Bahn spricht gegenüber dem rbb von einer inzwischen besseren Entwicklung und räumt ein, dass die Betriebsqualität in den ersten Wochen "aus verschiedenen Gründen noch nicht zufriedenstellend" gewesen sei. Neben lokalen Unwettern habe es etwa zahlreiche Einsätze in der Altmark gegeben. Inzwischen beobachte man jedoch eine steigende Pünktlichkeit und weniger Störungen als vor der Sanierung.

Ganz abgeschlossen sind die Arbeiten auf der Strecke dennoch nicht. Derzeit würden noch Restarbeiten umgesetzt, teilte die Bahn mit. Bei einer Hochgeschwindigkeitsstrecke seien die Anforderungen besonders hoch. Manche Fehler und Optimierungsbedarfe zeigten sich erst "nach einigen Wochen der Regelbelastung".

Teilweise Nacharbeiten nötig

Auf einem Großteil der Strecke könnten die Züge bereits seit Juni wieder mit bis zu 230 Kilometern pro Stunde fahren. Auch nahe Nauen seien Anfang dieser Woche weitere Abschnitte für den Hochgeschwindigkeitsbetrieb freigegeben worden. Für weitere Inbetriebnahmen seien in den kommenden Wochen allerdings einzelne nächtliche Sperrungen von Teilabschnitten nötig.

Dass nach der offiziellen Wiedereröffnung noch Abnahmen und Nacharbeiten notwendig sein würden, hatte die Bahn grundsätzlich angekündigt. Bereits Mitte Juni erklärte sie, in einzelnen Streckenabschnitten seien zunächst noch Abnahmefahrten und Geschwindigkeitseinschränkungen erforderlich.

Pro Bahn: Wetter erklärt Probleme nicht ausreichend

Der Fahrgastverband Pro Bahn hält die Erklärungen für die Schwierigkeiten allerdings für unzureichend. Hitze und Unwetter habe es auch auf anderen Bahnstrecken gegeben, sie seien keine Besonderheit der Verbindung zwischen Hamburg und Berlin. Der Verband sieht vielmehr strukturelle Probleme bei der Modernisierung der Bahn. Es fehle unter anderem an Planungs- und Prüfkapazitäten für die neue Leit- und Sicherungstechnik.

Außerdem habe die Deutsche Bahn bei der Wiederinbetriebnahme "hektisch und chaotisch" geplant. Aus Sicht des Fahrgastverbands hätte die Strecke im Zweifel ein oder zwei Wochen länger gesperrt bleiben müssen, um Mängel vor der Wiedereröffnung zu beheben. Pro Bahn fordert deshalb einen gemeinsamen Gipfel von Bundesregierung, Bahn und Bahnindustrie. Dort müsse eine Strategie entwickelt werden, wie ausreichend Personal für Planung, Bau und technische Abnahmen bereitgestellt werden könne.

Tatsächlich verweist auch die Bundesregierung auf Schwierigkeiten bei der Abnahme der Leit- und Sicherungstechnik. Durch umfangreichere technische Nachweise sei der zeitliche Aufwand für Begutachtungen und Freigaben teilweise schwer vorhersehbar. Für künftige Korridorsanierungen sollen deshalb einzelne Arbeiten und Abnahmen stärker vor beziehungsweise nach die eigentliche Hauptbauphase verlagert werden.

Grüne kritisieren Fahrgastinformation

Die Hamburger Grünen-Bundestagsabgeordneten Linda Heitmann und Katharina Beck, die an der Kleinen Anfrage beteiligt waren, sehen vor allem Pendlerinnen und Pendler als Leidtragende. Nach der langen Sperrung seien "selbst niedrige Erwartungen über ihre Funktionsfähigkeit leider noch untertroffen" worden. Sie kritisieren zudem die Fahrgastinformation bei Störungen. Reisende müssten früher erfahren, warum sich ein Zug verspäte, wie lange die Beeinträchtigung dauere und welche Alternativen es gebe.

Die Probleme auf der Strecke Hamburg-Berlin könnten auch Auswirkungen auf weitere Generalsanierungen haben. Das Bundesverkehrsministerium überprüft derzeit die Strategie für die sogenannten Korridorsanierungen. Dabei soll nach Angaben der Bundesregierung insbesondere untersucht werden, warum zugesagte Termine für Wiederinbetriebnahmen nicht eingehalten wurden und warum sich das Störgeschehen anschließend nicht wie erwartet verringerte.

Sendung: rbb24 Inforadio, 04.09.2026, 14:04 Uhr

Audio: rbb24 Inforadio, 04.09.2026, Michael Mellinger

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