Einst stillgelegt, soll das Munitionsdepot Wolfsruh nach der Idee von Investoren künftig wieder scharfe Munition lagern können. Ein Kernpunkt für die Genehmigung der Pläne ist ein umfangreiches Sicherheitskonzept.
Oberhavel Kritik an Plänen zur Reaktivierung des Munitionsdepots Wolfsruh
In einem Waldstück bei Wolfsruh im Norden von Gransee (Oberhavel) liegt ein Gelände, gut getarnt, das in der Gegend "Muna" genannt wird und um das es viele Jahre still war. Seit Kurzem ist das anders. Denn Investoren, die die Muna schon vor vielen Jahren kauften, stellten ihre Pläne vor, nach denen die Geschichte der stillgelegten Munitionsanstalt wieder die Zukunft sein könnte.
Sogenannte Munas sind militärische Anlagen des Heeres, in denen Munition gelagert, instandgesetzt und teils auch gefertigt wurde. Die meisten entstanden im Zuge der Aufrüstung für den Zweiten Weltkrieg unter Führung der Wehrmacht. Die Abkürzung Muna auch.
Das ehemalige Munitionsdepot Wolfsruh besteht aus 66 Bunkern und 30 Lagerhallen. Seit 1936 nutzte es die Wehrmacht, danach die NVA und später dann die Bundeswehr.
Nachdem die Bundeswehr den Standort im Zuge der Bundeswehrreform im Jahr 2004 aufgegeben hatte, wurde das rund 200 Hektar große Gelände verkauft und wechselte in den Folgejahren mehrfach die Eigentümer. Dazu gehörten ein irischer Investor, der dort vor allem Waldwirtschaft betreiben wollte. Dann gab es Pläne für eine Jugendhilfeeinrichtung, später für Arbeits-, Wohn- und Pflegestätten für behinderte Menschen. 2012 erwarb die Pohl & Prym Grundstücksgesellschaft nach eigenen Angaben das Gelände. Ihr gehört die Muna immer noch.
Pohl & Prym sind im Kern auf Wohnimmobilien in Berlin spezialisiert. Auf "Eigentumswohnungen mit stilvollen Details" für "anspruchsvolle Menschen". Aber auch Land- und Forstwirtschaft und Stromerzeugung gehören zum Portfolio. Ihre großen, eingezäunten Lagerhallen im Brandenburger Wald bieten sie derzeit zur Miete an, um beispielsweise Boote, Fahrzeuge, Maschinen, Handelsgüter oder Akten längerfristig abzustellen.
Da nun die Bundeswehr seit geraumer Zeit einen höheren Bedarf an Standorten hat, um sich vergrößern zu können, denkt Pohl & Prym darüber nach, die Muna Wolfsruh als mögliches Munitionslager zu reaktivieren, wie der "Oranienburger Generalanzeiger" berichtete.
Was sich die Grundstückseigentümer auf dem Gelände genau vorstellen können, haben sie der Gemeinde im Mai präsentiert. Seitdem rumort es.
Ob die Reaktivierungspläne umsetzbar sind, wird derzeit umfassend geprüft. "Wir sind jetzt gerade aktiv dabei, eine Umweltplanung anzufertigen. Wir müssen eine Umweltverträglichkeitsprüfung mit Artenschutzkartierung machen", sagt Robert Prym von Pohl & Prym dem rbb. Insgesamt durchlaufe das Konzept nun einen "massiven Prüfungsprozess durch die Genehmigungsbehörden", sagt Prym, der dennoch optimitisch ist, in Wolfsruh in zwei Jahren wieder Munition lagern zu können. Im Standort sieht er viele Vorteile.
"Das Areal ist abgeschieden", sagt Robert Prym. "Die Bundeswehr hat es voll durchsaniert. Es ist also im Prinzip betriebsfertig", nur eben noch nicht auf dem Stand der Zeit, sagt Prym. "Das Entscheidende ist das Sicherheitskonzept dazu", das auf die neuesten Standards angepasst werden müsse.
Das schätzt auch Mitinvestor Hendrik Nolte so ein, dessen Firma auf Kampfmittelräumung, Militärgeräte und Explosivstoffe spezialisiert ist. "Wir glauben, dass sich der Standort eignet, weil er bauliche Voraussetzungen bietet, die wir sonst nicht finden. Darüber hinaus macht es Sinn, ein bestehendes Depot zu reaktivieren, statt neu zu bauen", sagt Hendrik Nolte dem rbb.
Laut Nolte steht das Projekt noch am Anfang. Nach allen notwendigen Prüfungen "würden wir im nächsten Schritt dann in den Bereich der Genehmigungsverfahren einsteigen und wollen das Ganze beantragen".
Gransees Amtsdirektor Nico Zehmke (parteilos) zufolge haben die angrenzenden Kommunen im Fall der Muna Wolfsruh wenig Einflussmöglichkeiten auf die Entwicklung. "Im Flächennutzungsplan ist es eine Sonderfläche, die eine militärische Nutzung ausweist. Das ist im Verfahren entsprechend zu bewerten", sagt Zehmke dem rbb. "Es war immer eine militärische Nutzung auf dem Gelände vorgesehen und ist dort auch betrieben worden."
Deshalb sei bei dem Projekt wichtig, dass die entsprechenden Risiken klar beleuchtet werden, was Zehmke zufolge die Infrastruktur, den Brandschutz und den Katastrophenschutz mit einschließt. Die friedenspolitischen Ansichten von Kritikern des Vorhabens könne er verstehen.
Kritik an Planungen für erneute Nutzung des Munitionslagers Wolfsruh. (Quelle: rbb)
Zu den Kritikern und Gegnern einer Reaktivierung als Munitionsgelände gehören Katrin und Paul Davis, die in der Gemeinde Stechlin Unterschriften sammeln und ihren Unmut auf Plakaten zum Ausdruck bringen, die man von der Straße aus beim Durchfahren sehen kann. Familie Davis hat einen Ferienhof, der sechs Kilometer von der Muna entfernt ist. Vor allem hat sie Sicherheitsbedenken. "Wer gibt uns die Garantie, dass das nicht der erste Angriffspunkt in Deutschland ist?", fragt Katrin Davis von der Bürgerinitaitive "Muna, nein Danke".
Davis fürchtet auch, dass mit einem gigantischen Waffendepot in der Nachbarschaft vor Ort das Urlaubsfeeling verloren geht. "Ganz viele Berliner ziehen raus und suchen sich hier ein neues Domizil aufgrund der Idylle", sagt Davis, die vor 26 Jahren aus England herkam und die Entwicklung der Region beschreibt. Denn Wolfsruh war zwar früher eine aktive Muna. Aber "das ist 20 Jahre her". Inzwischen sei das Gebiet auch touristisch erschlossen worden. "Wir wollen hier nicht zu einer Zielscheibe werden", sagt Davis.
Stoppen lässt sich das Vorhaben ihrer Überzeugung nach "nur rechtlich", Kontakt zu Rechtsanwälten und Umweltschützern habe sie schon aufgenommen. "In dem Moment, wo der Antrag eingereicht wird, werden unsere Klagen eingereicht werden. Und dann gucken wir weiter", sagt Katrin Davis.
Von Michaela Grimm mit Material von Karsten Zummack
Sendung: rbb24 Brandenburg aktuell, 09.08.2026, 19:30 Uhr
Video: rbb24 Brandenburg aktuell, 09.08.2026, Karsten Zummack
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