Die Enttäuschung beim DBB-Team ist nach der Niederlage im Spiel um Platz drei groß. Die Weltmeisterschaft in Berlin war dennoch ein riesiger sportlicher und atmosphärischer Erfolg.
Die Heim-Weltmeisterschaft in Berlin ist für die deutschen Basketballerinnen mit Tränen geendet. Nach dem Halbfinale gegen Frankreich verlor die DBB-Auswahl auch das Spiel um Platz drei gegen Spanien deutlich. Der Traum von der ersten WM-Medaille ist geplatzt, doch das Turnier war sportlich wie atmosphärisch ein voller Erfolg. Nach Jahrzehnten in der Bedeutungslosigkeit hat die Sportart in Deutschland ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht.
Die WM hat den positiven Trend der jüngeren Vergangenheit eindrucksvoll bestätigt. Der Basketball der Frauen wächst weltweit in rasantem Tempo und das war auch in Berlin zu spüren. 2022 in Australien wurde mit 145.000 Zuschauenden ein Rekord verzeichnet. Dieser wurde mit rund 230.000 Fans deutlich übertroffen.
Bis vor wenigen Jahren spielten Deutschlands Spitzenbasketballerinnen noch in besseren Turnhallen, in der Bundesliga tun sie das teilweise immer noch. Die WM hat aber gezeigt, dass es nicht am Interesse mangelt, wenn man mutig ist und den richtigen Rahmen schafft. Denn Talent und starke Persönlichkeiten sind reichlich vorhanden.
Im Leistungssport sind es in erster Linie Ergebnisse, an denen Turnierteilnahmen gemessen werden. Doch diese WM wird nicht nur für das historisch gute Abschneiden in Erinnerung bleiben. Sie manifestiert eine Zäsur für den deutschen Basketball der Frauen.
Endlich auf der großen BühneTausende Mädchen haben in den Hallen gesehen, wie Leonie Fiebich, Nyara Sabally oder Frieda Bühner auf der Weltbühne nicht nur mitgehalten, sondern geglänzt haben. Damit werden sie zur ersten Generation weiblicher Vorbilder, die ihnen selbst früher gefehlt haben.
Zwar hatte Deutschland auch früher schon grandiose Basketballerinnen wie Marlies Askamp, diese spielten aber fernab des großen Publikums. Die heutigen Nationalspielerinnen hatten fast ausschließlich männliche Vorbilder. Nun laufen Mädchen und Frauen, aber auch Jungen und Männer, in Fiebich- oder Sabally-Trikots umher.
Grund dafür sind vor allem der Boom der WNBA und die enormen Steigerungen der Nationalmannschaft. Denn Aufmerksamkeit kommt nur mit Leistung – und diese zeigt die DBB-Auswahl seit Jahren. Platz sechs bei der EM 2023, Viertelfinale bei Olympia 2024, Platz fünf bei der EM 2025 und nun der undankbare vierte Rang bei der Heim-WM.
Das deutsche Team ist in der erweiterten Weltklasse angekommen. Insbesondere der Sieg gegen Belgien im Viertelfinale war ein Zeichen, nach innen und außen: Wir können auch die Großen schlagen. Das Halbfinale gegen Frankreich hat jedoch auch gezeigt, dass bis zur absoluten Spitze noch ein bisschen fehlt.
In einem Jahr findet die nächste Europameisterschaft statt und es wird das erste Mal in ihrer Geschichte sein, dass die DBB-Auswahl als Medaillenkandidat ins Turnier geht. 2028 folgen die Olympischen Spiele in Los Angeles. Mit mehr Erfahrung, einem gewachsenen Teamgefüge und hoffentlich auch wieder mit der aktuell verletzten Weltklassespielerin Satou Sabally steht der deutsche Basketball vor einer großen Zukunft.