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Linke wollen Enteignung umsetzen: Vonovia-Aktien sacken nach Berlin-Wahl ab

Дата публикации: 21-09-2026 10:09:01

Die Linke gewinnt die Wahl in Berlin – und für die Aktien des Immobilienkonzerns Vonovia geht es abwärts. Was sagen andere Vergesellschaftungs-Kandidaten wie der Konzern Heimstaden zum Wahlsieg?

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Die Aktien des Immobilienkonzerns Vonovia haben mit deutlichen Verlusten auf den Ausgang der Abgeordnetenhauswahl in Berlin reagiert. Anleger sind besorgt, da Wahlsiegerin Elif Eralp (Linke) große Wohnungsunternehmen enteignen und einen Mietendeckel für landeseigene Wohnungen einführen will. „Wenn die Linke regiert, wird vergesellschaftet. Das habe ich so gesagt, und dabei bleibe ich auch“, sagte Eralp in der ARD.

Vonovia besitzt rund 130.000 Wohnungen in Berlin. Die Aktien des Konzerns fielen bis zum späten Vormittag am Dax-Ende um 2,2 Prozent auf 17,31 Euro. Sie erreichten damit das Niveau von Juni 2023. Der deutsche Leitindex gewann ein Prozent.

2,2

Prozent sackte die Vonovia-Aktie bis zum späten Vormittag ab

Der Vonovia-Vorstandsvorsitzende Luka Mucic reagierte auf das Wahlergebnis mit einem Angebot der Zusammenarbeit an jede künftige Landesregierung: Man stehe weiter als konstruktiver Gesprächspartner zur Verfügung. Jüngst hatte Vonovia die Linke zu einem Gespräch im Oktober eingeladen.

„Vonovia [...] versteht sich als Teil der Lösung, um den Wohnungsmarkt in Berlin durch Neubau und bezahlbare Mieten zu entspannen“, teilte Mucic mit. In Berlin liege die Bestandsmiete des Unternehmens im Schnitt bei 8,26 Euro pro Quadratmeter, die Neuvertragsmiete bei 10,80 Euro. Über alle Vermieter:innen hinweg liegt der aktuelle Median der Angebotsmieten laut der Berliner Investitionsbank deutlich höher: bei 15,78 Euro pro Quadratmeter.

Die Vonovia baue aktuell rund 1000 Wohnungen, so Mucic weiter. Enteignungen würden keine neuen Wohnungen schaffen. Die Mehrheit der Berliner:innen sei laut aktuellen Umfragen gegen Enteignungen. Befürworter:innen sehen die Vergesellschaftung allerdings auch nicht als Mittel zur Wohnraumschaffung, sondern um Mieten langfristig bezahlbar zu halten.

Heimstaden: „Vertrauen in Schutz von Eigentum bleibt ungebrochen hoch“

Betroffen von einer Vergesellschaftung wäre neben der Vonovia auch der Immobilienkonzern Heimstaden, der in Berlin mehr als 20.000 Wohnungen besitzt. Betont ruhig kommentierte Heimstaden-Geschäftsführer Jakub Mika das Wahlergebnis. Man verfolge die politischen Entwicklungen in Berlin nach der Wahl aufmerksam. Man sei aber „langfristiger Bestandshalter“ in der Hauptstadt und habe als solcher eine Perspektive, die „weit über einzelne Wahlperioden“ hinausreiche.

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Entscheidungen treffe man daher „für Generationen“. Die Debatte über Vergesellschaftung sei zudem nicht neu. „Unser Vertrauen in den deutschen Rechtsstaat und den Schutz von Eigentum bleibt ungebrochen hoch“, sagte Mika dem Tagesspiegel. Die Adler Group, Vermieterin von circa 17.500 Wohnungen in Berlin, bat auf Tagesspiegel-Anfrage um Verständnis, dass man zum Wahlergebnis keinen Kommentar abgeben wolle.

Enteignungen, Sozialquoten und ein Landesamt für Mieterschutz

In Berlin gewann die Linke die Wahl mit 25,7 Prozent der Stimmen. Bei den im Wahlkampf versprochenen Entlastungen für Mieter bezieht sich die Linke auf einen erfolgreichen Volksentscheid aus dem Jahr 2021 zur Enteignung großer Wohnungskonzerne gegen Entschädigung. Die Hoffnung: Durch so erlangte 220.000 zusätzliche kommunale Wohnungen könnte die Stadt mehr Einfluss auf den Wohnungsmarkt bekommen, auf dem die Mieten seit Jahren stark steigen. Bundeskanzler Friedrich Merz bekräftigte an diesem Montag die Absicht der Bundesregierung, Vergesellschaftungen auf Landesebene mittels eines neuen Gesetzes zu verhindern.

Zudem forderte die Linke im Wahlkampf einen Mietendeckel bei den landeseigenen Wohnungsbauunternehmen und eine Sozialwohnungsquote auch für private Unternehmen – Vermieter mit mehr als 50 Einheiten sollen jede dritte frei werdende Wohnung an Menschen mit Wohnberechtigungsschein vermieten. Außerdem will die Partei ein Landesamt für Mieterschutz schaffen, um Verstöße gegen die Mietpreisbremse konsequenter zu ahnden.

Branche zeigt sich besorgt

Vertreter der Immobilienbranche zeigten sich besorgt. „Das Wahlergebnis zeigt, wie zentral die Wohnungsfrage für die Wahlentscheidung war“, teilte Uwe Bottermann mit, Rechtsanwalt und Partner der Kanzlei Bottermann::Khorrami. Das sei angesichts der Situation am Wohnungsmarkt verständlich. „Leider zeigt sich aber auch, dass mit Wohnungsbau keine Stimmen zu gewinnen sind, mit Regulierung der Mieten aber schon.“

Berlin brauche keinen Klassen- und Verteilungskampf, sondern einen Konsens, wie es weitergehen soll mit der Stadt, sagte Bottermann. „Wollen wir ein Reservat mit Niedrigmieten im Standard der Nullerjahre oder eine an den Bedürfnissen moderner Stadtentwicklung ausgerichtete Hauptstadt, die im Wettbewerb mit anderen Metropolen bestehen kann?“

Philip C. Hetzer, Geschäftsführender Gesellschafter des Anlageimmobilienmaklers Dahler Invest, hat bereits einen Tipp für die Berliner Vermieter: „Die Vermieter werden nach Möglichkeit die Füße stillhalten, wenig modernisieren und hoffen, dass die fünf Jahre vorübergehen. Das kann gelingen und so ist Buy and Hold sicherlich eine gute Strategie für die kommenden Jahre in Berlin, zumal das Wohnungsangebot nicht wachsen und die Wohnungsnachfrage auf einem hohen Niveau bleiben wird.“

Ich sehe nicht, dass bei Eigentümern, Bestandshaltern oder potenziellen Investoren eine grundlegende Kehrtwende bevorsteht.

Benjamin Rogmans, Geschäftsführer von Engel & Völkers Commercial in Berlin

Benjamin Rogmans, Geschäftsführer des Berliner Geschäftsimmobilienmaklers Engel & Völkers Commercial, sagte dem Tagesspiegel am Montag: „Ich sehe nicht, dass bei Eigentümern, Bestandshaltern oder potenziellen Investoren eine grundlegende Kehrtwende bevorsteht.“ Die Fundamentaldaten für Berlin seien schließlich unverändert attraktiv. Kritischer sei aber die Frage, wie sich Projektentwickler verhalten, die neuen Wohnraum schaffen sollen. „Im Neubau sehe ich derzeit das größte Risiko“, sagte er.

Bei einem Verkauf von Bestandsimmobilien könne der Käufer nämlich eine schärfere Regulierung in seiner Kaufpreisberechnung berücksichtigen und entsprechend weniger für ein Objekt bieten. Im Neubau funktioniere dieser Anpassungsmechanismus hingegen nur begrenzt.

„Der Projektentwickler kann gestiegene Baukosten, hohe Zinsen, lange Genehmigungsverfahren und regulatorische Risiken nicht einfach wegkalkulieren“, sagte Rogmans. „Zusätzlich muss er einschätzen, ob für das fertige Produkt unter möglicherweise verschärften regulatorischen Bedingungen noch ein Käufer zu einem wirtschaftlich tragfähigen Preis vorhanden ist oder ob sich das Objekt selbst auskömmlich bewirtschaften lässt.“

Wie geht’s weiter mit dem Neubau?

Auch Maren Kern, Vorständin des BBU Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen, macht sich Sorgen um den Neubau. „Berlin hat in den vergangenen Jahren wichtige Weichen für mehr und schnelleren Wohnungsbau gestellt. Diesen Kurs sollte die neue Landesregierung fortsetzen. Denn gerade beim Wohnungsbau brauchen Unternehmen Verlässlichkeit über Legislaturperioden hinweg“, sagte sie.

Die finanziellen und administrativen Ressourcen des Landes sollten auf Neubau, Investitionen in den Bestand und die Wärmewende konzentriert werden – „und nicht auf die Vergesellschaftung von Wohnungsunternehmen“, sagte Kern. Die Vergesellschaftung „ist nach unserer Auffassung rechtlich nicht zulässig, aber unabhängig davon und viel entscheidender würden durch sie auch Mittel in Milliardenhöhe gebunden, ohne dass dadurch auch nur eine zusätzliche Wohnung geschaffen würde.“

Mieterverein: Bevölkerung wünscht sich mehr Regulierung

Positiv zum Wahlergebnis äußerte sich der Berliner Mieterverein. Laut Geschäftsführerin Wibke Werner zeige sich im Wahlsieg der Linken, dass das Thema Mieten und Wohnen die Berliner:innen am stärksten bewege – und dass sie sich eine Neuausrichtung der Politik wünschten: hin zu stärkeren Eingriffen und mehr Regulierung des Wohnungsmarkts. Dafür stehe die Linke – während die CDU im Gegensatz dazu für mehr und schnelleren Wohnungsbau und die Durchsetzung bestehender Regeln angetreten sei, sagt sie.

Auch bei ihr klingen die Herausforderungen der Wärmewende an: „Wir erwarten, dass die neue Landesregierung die neue Legislaturperiode nutzt, um Wohnungs- und Baupolitik sozial gerecht, klimaneutral und mit Augenmaß auszurichten“, sagte Werner. Trotz der tendenziell positiven Haltung zum Wahlergebnis blieb die Mieterverein-Chefin zurückhaltend: Die eigentliche Arbeit beginne erst.

Enteignungsinitiative fordert Tempo

Die Volksentscheidsinitiative „Deutsche Wohnen & Co enteignen“ sieht sich nach dem Wahlergebnis in ihrer Forderung bestärkt: „Berlin hat die Vergesellschaftung gewählt: beim Volksentscheid 2021 und jetzt wieder mit dem klaren Wahlsieg der Linken“, teilte die Initiative mit und forderte Tempo: „Die Gesetze sind da, der Wählerwillen ist klar.“ Vergesellschaftungen müssten jetzt kommen, „und zwar so schnell wie möglich“. (mit dpa)

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