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Berlin Art Week: Tipps zum 15. Jubiläum

Дата публикации: 08-09-2026 17:36:00

Dass Kunst nicht nur klassisch an der Wand steht oder hängt, beweisen viele Ausstellungen der diesjährigen Berlin Art Week. Sie startet am Mittwoch. Auch beim 15-jährigen Jubiläum gibt es neben Eröffnungen auch ein reichhaltiges Rahmenprogramm - von Talks bis Breakdancebattle.


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Kunst Tipps für die 15. Berlin Art Week Therapeutische Tutorials, Tanzperformance und Tierbefreiung

Lin May Saeed "ASYL-The Liberation of Animals from their Cages VI", 2008/2009 (Quelle: Wolfgang Günzel)
Lin May Saeed "ASYL-The Liberation of Animals from their Cages VI", 2008/2009 (Quelle: Wolfgang Günzel)

Gerade in Zeiten von Einsparungen im Kulturbereich setzt die diesjährige Berlin Art Week (9. bis 13. September) ein deutliches Zeichen: Kunst soll viel Raum einnehmen. Ob in Museen, Galerien, Theatern, auf der Messe "Positions", in Markthallen oder im Art Week Garten neben dem Kulturforum – wo Kunst auftaucht, ist oft aber nicht immer vorhersehbar.

Neben klassischer Malerei und Skulptur gibt es Performances und Soundarbeiten, dazu zahlreiche Filmvorführungen, Partys und subkulturelle Musikveranstaltungen. Neben internationalen Stars rücken auch die Arbeiten bereits verstorbener, teils weniger bekannter Künstler:innen stärker in den Fokus. Und auch bislang wenig erzählte Geschichten, etwa aus migrantischen Communities, finden in kuratierten Ausstellungen auf künstlerische Weise Gehör.

Wer nicht das größte Budget für Kulturveranstaltungen zur Verfügung hat, kann sich ebenfalls auf die Berlin Art Week freuen: Die meisten der mehr als 300 Events und über 100 Ausstellungseröffnungen sind kostenlos. Damit bietet die Art Week eine besondere Gelegenheit, Bekanntes und Neues zu entdecken und ganz tief in die (Berliner) Kunstszene einzutauchen.

Wie vielfältig sich diese während der Art Week präsentiert, zeigen die folgenden fünf Tipps.

Klangräume

Der 2023 verstorbene Soundkünstler Ryuichi Sakamoto war in der ganzen Welt für seine musikalischen Leistungen bekannt, gewann Oscars und trat in Madonnas Musikvideo auf. Das Wesentliche seiner Arbeit ist jedoch die Zusammenführung von Klang, Raum und Zeit.

In den Rieckhallen wurden sieben Werke in sieben Räumen installiert. In einem spielt ein mit Staub bedeckter Flügel eine undefinierbare Melodie in einem Wasserbett, über ihm eine Schneeprojektion. Das Instrument fand der Künstler nach dem Tsunami 2011, beließ es in seinem schmutzigen Zustand und ließ es seismografische Daten aus der ganzen Welt in Töne übersetzen.

Ein anderer Film zeigt die Schauspielerin Tilda Swinton beim Einschlafen neben Szenen von Landschaften und Menschen, während sich Tonfolgen atmosphärisch in das Thema der zeitlichen Übergänge einfügen. Ob Zeit wirklich so linear ist, wie wir sie im Alltag erleben, kann hier durchaus philosophisch hinterfragt werden.

Ryuichi Sakamoto: "seeing sound, hearing time" im Hamburger Bahnhof

Installation "Is Your Time" von Ryuichi Sakamoto (Quelle/Foto: Jacopo La Forgia) Installation "Is Your Time" von Ryuichi Sakamoto (Quelle/Foto: Jacopo La Forgia)

Tierräume

Die 2023 viel zu früh verstorbene Künstlerin Lin May Saeed war auch eine passionierte Tieraktivistin. In ihren sensibel geschnitzten und bemalten Reliefs und Skulpturen aus Styropor und Bronze erzählt sie von dem Entwurf einer christlich-islamisch beeinflussten mythologischen Welt, in der Tiere als Subjekte leben. Metalltore der Serie "The Liberation of Animals from their Cages" zeigen die Befreiung der Tiere aus ihren Käfigen, so als müssten sie die Bildgitter selbst hinter sich lassen. Dabei wirken die gleichberechtigten Tierdarstellungen im besten Sinne idealisiert und an mancher Stelle durchaus humorvoll. Die Galerie Meyer Riegger stellt in Kooperation mit dem Nachlass der Galerie Jacky Strenz bisher nie öffentlich gezeigte Werke aus, darunter auch hinterleuchtete Silhouette und Zeichnungen.

Lin May Saeed: "Séance" bei Meyer Riegger

Bezirksräume

Ob 1. Mai, Görlitzer Park oder SO36 - Kreuzberg ist mindestens deutschlandweit bekannt für seine widerständige Subkultur. Aber eben auch für erfolgreiche Multikulturalität durch die gelebte friedliche Koexistenz von 180 Nationalitäten. Doch welche Geschichten hinter der Migration seit den 1960er Jahren stecken, wurde bisher wenig beleuchtet. Nachgeholt wird dies im Gropiusbau, der sich bewusst seiner umliegenden, migrantisch geprägten Nachbarschaft widmen möchte.

In Malerei, Skulptur, Film, Drucken und Büchern werden Themen wie etwa das Aufwachsen der sogenannten Gastarbeiter-Kinder behandelt, die von der deutschen Gesellschaft nicht berücksichtigt wurden. Auch das Heimweh und das Überleben zwischen zwei Welten werden in vielen Werken von migrantischen Künstler:innen aus ihrer eigenen und sehr persönlichen Perspektive erzählt. Am 12. September veranstaltet der Gropius-Bau einen ganzen Festivaltag für und von der Nachbarschaft unter anderem mit einem anatolischen Frauenchor, Talks und Breakdance Battle.

"Kreuzberg: Kunst und Migration seit 1960" im Gropius Bau

"U-Bahnhof Gleisdreieck" von Evelyn Kuwertz (Quelle: VG Bild-Kunst) "U-Bahnhof Gleisdreieck" von Evelyn Kuwertz (Quelle: VG Bild-Kunst)

Werkstatträume

Die Galerie Ebensperger hat sich dauerhaft für einen ungewöhnlichen neuen Ausstellungsort entschieden: Nach ihrer Residenz in einem Bunker zieht sie nun in eine Ecke der Arminiusmarkthalle in Moabit. Das internationale Multimediakollektiv "Chicks on Speed" macht eine "RRRRRREmix-Residency-Repeat" und nutzt in einem Tanzstudio nebenan den Platz als Werkstatt. Dort wird genäht, gefilmt, gemalt und Musik produziert. Mit ihrer Punk-Elektro-Musik und Kollaborationen mit Peaches oder Le Tigre wurden sie vor allem in der Musikwelt bekannt.

Wöchentlich finden in der Residency neue Aktionen und Performances statt: Von einem therapeutischen Make-up Tutorial bis zu einer kritischen Kostümkonferenz ist hier alles möglich. Geheimtipp für Musikliebhaber:innen: Der Kunstraum Grotto lässt eine Künstlerin der Chicks, Mele Logan, am Sonntag den 13.08. um 18 Uhr in der Kaiser-Friedrich-Gedächtniskirche auftreten.

Chicks on Speed: "RRRRRREmix-Residency-Repeat" bei Galerie Ebensperger

Werkstattansicht von Chicks On Speed, Galerie Ebensperger (Quelle: rbb/J.S.Fischer) Werkstattansicht von Chicks On Speed, Galerie Ebensperger (Quelle: rbb/J.S.Fischer)

Körperräume

Performance zählt seit den 1960er Jahren als essenzielle künstlerische Ausdrucksform und wird dennoch oft nur als Rahmenprogramm vernachlässigt. In der Neuen Nationalgalerie steht sie beim 5. Festival "Perform!" in den Fokus gerückt werden.

Das Stück "Walking on the Wall" (1971) der 2017 verstorbenen US-amerikanische Performance Künstlerin Trisha Brown zeigt Performer:innen, die auf Wänden laufen. Hier überwinden sie in Schräglage auf der Glasfassade des Hauses mühelos die Schwerkraft. Die jüngst mit einem Emmy für ihre Stunt Choreografie für Bad Bunnys Super Bowl Show ausgezeichnete Performerin Kianí Del Valle ergänzt das Programm mit einer von mehreren zeitgenössischen Arbeiten. In "Instrucciones para Existir" (Anleitung zum Existieren) zeigt sie eine Stunt Choreographie auf dem Dach, die Körper in militärische Alltagsbewegungen versetzt. Das Publikum kann ohne Anmeldung oder Eintrittspreis einfach zu den im Internet angegebenen Zeiten vorbeikommen.

5.Perform! Festival Berlin unter anderem mit Trisha Brown "Walking on the Wall" und Kianí Del Valle INSTRUCCIONES PARA EXISTIR (INSTRUCTIONS FOR EXISTING) auf der Terrasse / dem Dach der Neuen Nationalgalerie

Probe von Trisha Brown "Walking on Walls" an der Fassade der Neuen Nationalgalerie (Quelle: rbb/J.S.Fischer) Probe von Trisha Brown "Walking on Walls" an der Fassade der Neuen Nationalgalerie (Quelle: rbb/J.S.Fischer)

Sendung: radio3 vom rbb, 08.09-2026, 6:34 Uhr
Audio: radio3 vom rbb, 08.09.2026, Imke Griebsch

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