Vier flauschige Küken, aber ungewisse Aussichten. Das Auerhuhn-Projekt in den Vogesen kämpft nicht nur mit Verlusten durch Raubtiere. Jetzt hat das Ministerium eine neue Ansage gemacht – zur Zukunft von Europas größtem Hühnervogel in den Vogesen.
Paris/Gérardmer · Vier flauschige Küken, aber ungewisse Aussichten. Das Auerhuhn-Projekt in den Vogesen kämpft nicht nur mit Verlusten durch Raubtiere. Jetzt hat das Ministerium eine neue Ansage gemacht – zur Zukunft von Europas größtem Hühnervogel in den Vogesen.
22.09.2026 , 08:51 Uhr
Nisterfolg im Wiederansiedlungsprojekt: Eine Auerhenne hat in diesem Sommer erfolgreich in den Vogesen gebrütet. Es sind die ersten Auerküken, die nach 2019 wieder in dem ostfranzösischen Mittelgebirge geschlüpft sind. Symbolfoto: imago
Foto: imago images/imago stockIm Sommer gab es im Herzen der Vogesen vier flauschige Gründe zum Feiern: Vier Auerhühnchen waren geschlüpft. Eine der wiedereingeführten Hennen der seltenen Vogelart hatte sich also mit Erfolg gepaart und vermehrt. Im Regionalen Naturpark „Ballons des Vosges“ wird seit 2024 ein ehrgeiziges Projekt zur Wiederansiedlung der stark bedrohten Auerhühner verfolgt, für das Auerhühner und Auerhähne in Norwegen gefangen und in den Vogesen ausgesetzt werden (wir berichteten). Im April 2024 waren die ersten Tiere in einer speziell eingerichteten Schutzzone, zwischen Gérardmer und Colmar, freigelassen worden. Auf die freudige Nachricht aus dem Gelege folgte aber am Ende dieses Sommers die Ernüchterung.
Die französische Nachrichtenagentur afp erfuhr Ende August aus Pariser Ministeriumskreisen, dass „weitere Umsiedlungsmaßnahmen über die bereits durchgeführten hinaus“ nicht mehr in Betracht gezogen werden. Gründe seien gewonnene Erkenntnisse über „die Sterblichkeitsrate der umgesiedelten Tiere“ und über „die mittel- und langfristige Entwicklung der Lebensbedingungen im Vogesenmassiv“ angesichts des Klimawandels. Ursprünglich sollte das Projekt, das jährlich rund 230.000 Euro kostet, bis 2029 laufen. In den Jahren 2024, 2025 und 2026 wurden etwas mehr als 30 Tiere in der Schutzzone freigelassen. Als das Projekt zur Wiederansiedlung 2024 in den Vogesen begann, kamen dort kaum mehr fünf Tiere vor. Vor dem Bruterfolg in diesem Jahr hatte man die letzten, in den Vogesen geschlüpften Auerhühner im Jahr 2019 verzeichnet.
Auf SZ-Anfrage wollte der Naturpark die jüngsten Entwicklungen um den staatlichen Abbruch des Projekts nicht im Detail kommentieren. Man lege Wert auf den direkten Austausch mit dem Staat, vor allem im Vorfeld der nächsten jährlichen Lenkungssitzung, die im Herbst stattfinden soll. In der Zwischenzeit konzentriere man sich weiter auf die Nachverfolgung der 20 Vögel, die Analyse vor Ort und auf Maßnahmen zugunsten der Lebensräume. Wobei die verbliebenen autochthonen Vögel nicht mitgerechnet sind.
Laut einem Bericht des Naturparks sind Angriffe von Raubtieren das größte Hindernis. „Seit Beginn des Programms machen sie 82 Prozent der Todesfälle bei Auerhühnern aus“, vermerkte der Park demnach in seiner jüngsten Bilanz. Dafür wurde während der Hitzewelle im Juni kein Ableben festgestellt.
Die Häufigkeit der Raubtierangriffe blieb vergleichbar mit der des Vorjahres, wodurch die Überlebensrate der Vögel, die in diesem Jahr freigelassen wurden, bei 82 Prozent liegt. „Diese Rate zeugt von der guten Anpassung der Tiere an den Umsiedlungsprozess“, heißt es in dem Bericht.
Nichtsdestotrotz hatte das Projekt von Anfang an nicht nur Befürworter. Vor dem Start hatte der Nationale Rat für Naturschutz (CNPN), beratende Instanz für wissenschaftliche und technische Expertise zum Schutz von Biodiversität beim Ministerium für ökologischen Übergang, eine ablehnende Stellungnahme abgegeben. Das Gremium monierte unter anderem eine ganzjährige touristische Nutzung der für die Tiere gedachten Schutzzonen. Naturschutzverbände waren in der Frage um die Wiederansiedlung gespalten – bei einer öffentlichen Konsultation im Frühjahr 2024 wurden mehrheitlich ablehnende Stellungnahmen abgegeben. Mehrere Vereine versuchten gar, das Projekt mit einer Klage am Verwaltungsgericht Nancy zu stoppen.
Das Auerhuhn ist der größte europäische Hühnervogel. Nicht nur in Deutschland ist er durch intensive Forstwirtschaft, Klimawandel und Störung im Winter durch Skitourismus vom Aussterben bedroht. Im Saarland ist das Auerhuhn ausgestorben. Das letzte autochthone Vorkommen datiert nach Angaben des Umweltministeriums von der oberen Saar und im Hochwald – um das Jahr 1850. Um 1900, so teilte das Ministeriums auf eine frühere SZ-Anfrage mit, gab es einen Wiederansiedlungsversuch, wobei der kurzfristige Bestand aber 1926 erlosch. (lck)
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