Der geplante Schulneubau in Medelsheim wird zum Streitfall. Die Kosten sind auf 9,5 Millionen Euro gestiegen. Was die Parteien in Blieskastel dazu sagen.
Blieskastel · Der geplante Schulneubau in Medelsheim wird zum Streitfall. Die Kosten sind auf 9,5 Millionen Euro gestiegen. Was die Parteien in Blieskastel dazu sagen.
11.09.2026 , 14:05 Uhr
Die Grundschule Medelsheim soll als "Bickenalbtalschule" an anderer Stelle neu erbaut werden.
Foto: Erich Schwarz/Erich SxhwarzAus der Burgschule, der Grundschule in Medelsheim, soll die „Bickenalbtalschule“ an anderer Stelle in Medelsheim im Saarpfalz-Kreis werden. Als Gründe für den Neubau werden vor allem Raumprobleme am bisherigen Standort angeführt. Auch die frühere Grundschule in Altheim als Dependance wird von den Planern nicht als Lösung des Problems gesehen (wir berichteten). Da die Schule in Medelsheim von Kindern aus Gersheim wie auch aus Blieskasteler Stadtteilen besucht wird, muss sich auch die Stadt Blieskastel an den Kosten für den Neubau beteiligen
Die Fraktionen im Blieskasteler Stadtrat haben dazu unterschiedliche Positionen. Die CDU-Fraktion sorgt sich um die gestiegenen Kostenschätzungen. Für den Neubau von Schule und Freiwilliger Ganztagsschule (FGTS) in Medelsheim seien bei der früheren Variantenbetrachtung 4,95 Millionen Euro als Vergleichskosten angesetzt worden. Heute lägen die Kostenschätzungen bei ca. 9,5 Millionen Euro.
Damit habe sich die Kostengröße binnen weniger Jahre nahezu verdoppelt: „Zu klären ist, warum die Kosten so stark gestiegen sind, welche Risiken bestehen und welchen Eigenanteil Blieskastel tragen muss. Auch Folgekosten über den gesamten Lebenszyklus sind zu berücksichtigen“, erklärte CDU-Fraktionsvize Stefan Noll in einer Pressemitteilung.
Bereits früher seien unterschiedliche Modelle untersucht worden, vom Neubau in Medelsheim über die Nutzung und Erweiterung bestehender Gebäude bis zu Lösungen, die Medelsheim und Altheim verbinden. Angesichts der heutigen Kostengröße müsse erneut geprüft werden, welche Variante die wirtschaftlichste und zukunftsfähigste Lösung ist. „Wenn aus 4,95 Millionen Euro heute rund 9,5 Millionen Euro geworden sind, braucht es einen neuen, ergebnisoffenen Variantenvergleich“, besteht Noll auf einer weiteren Beratung.
Dazu gehöre ausdrücklich Altheim. In bisherigen Betrachtungen habe eine Lösung in Altheim mit dem bestehenden Gebäude plus Anbau rund eine Million Euro unter den Kosten für den Neubau in Medelsheim gelegen. Der Unterschied könnte nun noch größer sein. Auch die demografische Entwicklung müsse zudem berücksichtigt werden. Noll unterstreicht für die CDU: „Wir stellen uns nicht gegen eine gute Schule. Wir stellen uns gegen eine Entscheidung, bei der wesentliche Grundlagen noch nicht ausreichend geklärt sind. Bei 9,5 Millionen Euro muss die wirtschaftlichste und zukunftsfähigste Lösung nachgewiesen werden.“
Die Grünen Blieskastel erklären, dass sie dem Neubau einer Grundschule in Medelsheim grundsätzlich offen gegenüberstünden, sehen jedoch noch Klärungsbedarf. Dies insbesondere vor dem Hintergrund, dass das Vorhaben im Blieskasteler Stadtrat bisher überhaupt nicht auf der Tagesordnung gewesen sei und daher nie in den städtischen Gremien besprochen worden sei. Durch einen gemeinsamen Standort könnten Synergieeffekte erzielt werden. Allerdings seien bislang wesentliche Fragen des Projektes ungeklärt. So sei unklar, wie sich die Schülerzahlen in den kommenden Jahren entwickeln und ob sich daraus wirklich ein Neubaubedarf ergibt.
„Aber auch die mögliche Nachnutzung der bestehenden und sanierten Grundschulgebäude in den Ortsmitten von Altheim und Medelsheim ist für uns eine entscheidende Frage. Die derzeit im Raum stehende Bausumme von 9,5 Millionen Euro ist erheblich und dürfte trotz Fördermitteln angesichts der kommunalen Haushaltsnotlagen der beiden Gemeinden kaum zu stemmen sein. Wir erwarten von der Stadtverwaltung fundierte Informationen und einen offenen Austausch", erläuterte Lisa Becker, Co-Fraktionsvorsitzende der Grünen.
Die SPD-Fraktion stehe zum Neubau von Grundschule und Ganztagsbetreuung in Medelsheim. „Das ist die wichtigste Bildungsentscheidung dieser Wahlperiode – für die Kinder und Eltern in Altheim, Brenschelbach, Böckweiler, Pinningen und im ganzen Bickenalbtal", sagte Fraktionsvorsitzender Mark Herzog. „Wir haben eine einmalige Chance: Das Land hat vier Millionen Euro in Aussicht gestellt, Gersheim und Blieskastel teilen sich den Rest. Wer jetzt zögert, riskiert die Förderung und zahlt am Ende mehr", so Herzog.
Die Schule sei seit 2021 stabil bei rund 107 Kindern und wachse ab 2027, diese Kinder seien bereits geboren. Dass die Jahrgänge ab 2031 kleiner würden, sei berücksichtigt. Acht Klassenräume deckten die Spitze, danach nutze man laut Raumkonzept die Flächen für Ganztag und Differenzierung. Steige der Bedarf wieder, könnten sie wieder als Klassenräume genutzt werden. Der interkommunale Neubau sei beispielhaft: zwei Kommunen, eine Schule, eine Lösung. So sehe Zukunft der Bildung im ländlichen Raum aus. „Die Eltern und Kinder im Bickenalbtal haben ein Recht auf eine Entscheidung und wir halten an dem in der Koalition abgestimmten Zeitplan mit Entscheidung im Oktober fest“, unterstrich Herzog.
Die CDU, so Marius Hittinger von den Unabhängigen, habe sich im Haushalt dafür entschieden. Noch vor einer ersten Beratung öffentlich Kritik zu üben, spreche eher für Wahlkampf als für Gestaltungswillen. Die DUB halte dieses Projekt trotz der anderen Vorhaben für wichtig und finanzierbar: „Lieber hat man rote Zahlen als blaue Wähler“, so Hittinger. (mar/cla)