Die USA kaufen immer mehr Kupfer aus dem Kongo. Preisabschläge und bessere Qualität machen das Metall für die Industrie attraktiv.
Die USA importieren so viel Kupfer aus dem Kongo wie nie zuvor. Für die Industrie ist das Metall vor allem wegen seines deutlichen Preisvorteils interessant.
Das Wichtigste in Kürze
Der Kongo kam damit auf 23,9 Prozent der gesamten US-Kupferimporte in diesem Monat. Insgesamt führten die Vereinigten Staaten erstmals mehr als 220.000 Tonnen Kupfer ein. Ein Grund für den außergewöhnlichen Anstieg: Händler brachten Metall ins Land, bevor mögliche US-Zölle in Kraft treten könnten.
Die Entwicklung ist auch im längerfristigen Vergleich bemerkenswert. Im gesamten Jahr 2024 hatten die USA weniger als 32.000 Tonnen Kupfer aus dem Kongo importiert. Nun wurde diese Menge innerhalb eines einzigen Monats deutlich übertroffen.
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Für US-Abnehmer ist das kongolesische Kupfer vor allem aus einem wirtschaftlichen Grund interessant: Es ist häufig deutlich günstiger als bestimmte Alternativen. Das Metall wird in der Regel auf Basis des Preises an der London Metal Exchange (LME) gehandelt. Eine Branchenquelle erklärte gegenüber Reuters, dass kongolesisches Kupfer üblicherweise mit einem Abschlag von 550 bis 800 Dollar pro Tonne verkauft werde. Damit lassen sich unter anderem die Transportkosten berücksichtigen.
Im Sommer war der Preisunterschied besonders groß. Für Kupfer, das an der US-Börse COMEX zugelassen ist, mussten Käufer zeitweise einen Aufschlag von 400 bis 600 Dollar je Tonne gegenüber dem LME-Preis zahlen. Für industrielle Abnehmer konnte es deshalb günstiger sein, nicht an der COMEX registriertes Metall direkt für die Verarbeitung zu kaufen.
Zu den Kunden gehören laut Branchenquellen unter anderem Hersteller von Kupferstangen und Kupferrohren. Sie benötigen das Metall für die Produktion und nicht zur Erfüllung eines Börsenkontrakts.
Dass keine kongolesische Kupfermarke auf der COMEX-Liste steht, bedeutet nicht, dass US-Unternehmen das Metall nicht verwenden dürfen. Die Zulassung ist vor allem für die Lieferung zur Erfüllung von Terminkontrakten relevant. Auf der COMEX-Liste befinden sich derzeit lediglich zwei afrikanische Kupfermarken – beide aus Sambia. Ein großer Teil der zugelassenen Marken stammt aus Chile und Peru.
Für die physische Versorgung der Industrie gelten jedoch andere Kriterien. Entscheidend sind unter anderem Qualität, Verfügbarkeit, Lieferkosten und Preis. Genau hier scheint der Kongo zuletzt aufgeholt zu haben.
Nach Angaben aus der Branche hat sich die Qualität des kongolesischen Kupfers in den vergangenen Jahren deutlich verbessert. Das erleichtert es US-Abnehmern, das Metall in ihre Lieferketten aufzunehmen.
Trotz des wachsenden US-Interesses ist der Kongo noch längst nicht vom chinesischen Markt abgerückt. China bleibt der mit Abstand wichtigste Abnehmer des kongolesischen Kupfers. In den ersten sieben Monaten des Jahres 2026 gingen Chinas Importe aus dem Kongo zwar um 4,3 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum zurück. Der Anteil des Kongo an Chinas gesamten Kupferimporten stieg jedoch um fünf Prozentpunkte auf 44,7 Prozent.
Im Juli bezog China 95.778 Tonnen Kupfer aus dem Kongo. Das entsprach 39,4 Prozent seiner gesamten Kupferimporte in diesem Monat. Der Anteil war damit so niedrig wie seit Oktober 2025 nicht mehr. Dennoch lieferte kein anderes Land China annähernd so viel Kupfer wie der Kongo.
Die Zahlen zeigen deshalb vor allem eine zunehmende Diversifizierung: Der Kongo erschließt sich mit den USA einen bedeutenden zusätzlichen Absatzmarkt, während China seine führende Position behält.
Der wirtschaftliche Wandel passt zu den Bemühungen Washingtons, sich den Zugang zu strategisch wichtigen Rohstoffen zu sichern.
Anfang 2026 hatte der kongolesische Staatskonzern Gécamines damit begonnen, den Export von 100.000 Tonnen Kupfer in die USA vorzubereiten. Grundlage war eine Handelspartnerschaft mit dem Rohstoffhändler Mercuria. Das Metall sollte aus dem Produktionsanteil von Gécamines an der Mine Tenke Fungurume stammen, die vom chinesischen Konzern CMOC Group betrieben wird.
Auch der Ausbau des Lobito-Korridors spielt eine Rolle. Die von westlichen Staaten unterstützte Infrastrukturverbindung soll den Transport von Kupfer und Kobalt aus dem kongolesischen Bergbaugebiet über Angola zum Hafen Lobito erleichtern.
Damit treffen wirtschaftliche Interessen auf geopolitische Ziele: Die USA wollen ihre Rohstofflieferketten breiter aufstellen, während der Kongo neue Absatzmöglichkeiten erhält. Der aktuelle Importanstieg zeigt jedoch auch, dass nicht allein politische Strategien den Handel bestimmen. Für die Industrie zählt zunächst, ob das Material verfügbar, geeignet und preislich attraktiv ist.
Ob sich die Entwicklung dauerhaft fortsetzt, ist offen. Ein Teil der Juli-Lieferungen dürfte darauf zurückgehen, dass Händler mögliche US-Zölle vorweggenommen haben. Solche Vorzieheffekte können die Importzahlen kurzfristig stark erhöhen.
Zudem hängt der Preisvorteil des kongolesischen Kupfers von den internationalen Marktpreisen ab. Sollte sich der Abstand zwischen COMEX- und LME-Kupfer wieder verringern, könnte die Alternative aus dem Kongo für US-Abnehmer weniger attraktiv werden.
Fest steht aber: Mit mehr als 53.000 Tonnen in einem Monat hat kongolesisches Kupfer auf dem US-Markt einen deutlich größeren Stellenwert erreicht.