Der deutsche Einzelhandel erlebt einen überraschend starken Einbruch: Im Juli sinken die Umsätze um 3,4 Prozent – so stark wie seit Corona nicht mehr.
Zu Beginn der zweiten Jahreshälfte muss der deutsche Einzelhandel schwere Umsatzeinbußen verkraften. Daten des Statistischen Bundesamtes zeigen einen gravierenden Absturz.
Der inflationsbereinigte Umsatz im Juli 2026 sank im Vergleich zum Vormonat Juni um 3,4 Prozent. Damit verzeichnet der Einzelhandel den stärksten Rückgang seit der Corona-Pandemie im Juli 2021. Ökonomen gingen laut der Nachrichtenagentur Reuters von einem leichten Plus von 0,4 Prozent aus. Der Absturz trifft sowohl Tankstellen als auch Lebensmittelgeschäfte.
Den höchsten Umsatzrückgang verzeichnet Destatis bei den Tankstellen. Nach dem Ende des Tankrabatts im Juni, brachen die Umsätze um 9,1 Prozent ein. „Konkret bedeutet dies: Es wurde weniger Auto gefahren“, sagte der Chefvolkswirt der VP Bank Thomas Gitzel gegenüber Reuters.
Für Stephan Tromp, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Deutschland (HDE), hat sich die schlechte Konsumstimmung abgezeichnet. Nun zeigt sich das Kaufverhalten auch in harten Zahlen:
„Aktuell liegen wir auf dem Niveau des zweiten Corona-Lockdowns, das ist extrem unbefriedigend und trifft den Einzelhandel hart.“
Bei Lebensmitteln fiel der Umsatzrückgang dagegen deutlich geringer aus: Der reale Umsatz sank im Juli lediglich um 0,8 Prozent. „Am Essen lässt sich wesentlich schwieriger sparen“, sagte Gitzel. Deutlich stärker traf es den Handel mit Nicht-Lebensmitteln. Dort schrumpfte der Umsatz um 4,8 Prozent. Auch der Online- und Versandhandel verzeichnete ein inflationsbereinigtes Minus von 5,6 Prozent.
Die Kauflaune der Deutschen bleibt damit gering. Gleichzeitig zieht die Inflation wieder an, im August auf 2,9 Prozent. Das schmälert den finanziellen Spielraum der Verbraucher zusätzlich.
Zwar legten die Bruttomonatslöhne inklusive Sonderzahlungen im zweiten Quartal um 4,1 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum zu. Nach Abzug der Verbraucherpreisinflation von 2,5 Prozent blieb jedoch nur ein Reallohnzuwachs von rund 1,5 Prozent. Sollte die Inflation im dritten Quartal wie erwartet weiter steigen, dürfte der reale Kaufkraftzuwachs zunächst noch geringer ausfallen.