Einer Studie des Versicherer-Verbandes GDV zufolge wächst die Aggression im Straßenverkehr immer weiter. Dabei klaffen Selbst- und Fremdwahrnehmung auf Deutschlands Straßen weit auseinander. Denn schuld sind aus Sicht der meisten immer die anderen.
25.08.2026 · 13:04 Uhr
Düsseldorf · Einer Studie des Versicherer-Verbandes GDV zufolge wächst die Aggression im Straßenverkehr immer weiter. Dabei klaffen Selbst- und Fremdwahrnehmung auf Deutschlands Straßen weit auseinander. Denn schuld sind aus Sicht der meisten immer die anderen.
Man kennt das von der Autobahn: Fahrer, die die Lichthupe nutzen, um den aus ihrer Sicht zu langsamen Vordermann von der Überholspur zu vertreiben. Solche, die wie im Slalom von links nach rechts und wieder zurück pendeln, weil das mit der Lichthupe nicht funktioniert. Und jene, die uns den Stinkefinger zeigen, weil sie unser Verhalten im Straßenverkehr als unzumutbar empfinden. Nicht zu vergessen die Rad- und Autofahrer mit der eingebauten Vorfahrt. Auch schon mal erlebt? Und die viel wichtigere Frage: als Opfer oder als Täter?
Letzteres kommt mit wachsender Häufigkeit vor. „Das Klima auf deutschen Straßen wird immer rauer und aggressiver“, schreibt der Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) und verweist auf die neueste Langzeitstudie der Unfallforschung der Versicherer (UDV) zu Verkehrsklima und Sicherheit im Straßenverkehr. „Nahezu alle 23 ermittelten Werte für aggressives Verhalten haben sich seit der letzten Studie 2023 weiter verschlechtert, einige sogar deutlich“, sagt UDV-Leiterin Kirstin Zeidler. Auch sie weiß: „Das Leben wird immer hektischer, wir sind quasi permanent erreichbar, der Druck nimmt zu. Das geht auch am Straßenverkehr nicht vorbei, die Zündschnur wird kürzer.“
Als aggressiv gelten unter anderem die Drängler, die Belehrer, die mal kurz das Bremspedal antippen, um die Drängler zu erziehen, andere selbst ernannte Verkehrserzieher, die, wenn sie rechts überholt werden, ganz dicht auf das Auto des Vordermannes auffahren, damit der Rechts-Überholer bremsen muss.
Was auffällt, ist der eklatante Unterschied zwischen Eigen- und Fremdwahrnehmung. Getreu dem Motto „... und schuld sind immer die anderen“ beobachten viele häufig Fehlverhalten im Straßenverkehr – nur nicht bei sich selbst. Ein Beispiel: „So antworten 92 Prozent aller Autofahrenden, dass sie Radfahrende besonders rücksichtsvoll überholen. Gleichzeitig beobachten 86 Prozent, dass andere zu eng überholen“, heißt es in der Studie. Da braucht es kein Mathematikstudium, um zu erkennen, dass hier wohl etwas nicht zusammenpasst. Es sei denn, die 86 Prozent hätten jene acht Prozent beobachtet, die sich selbst nicht als rücksichtsvoll eingeschätzt haben.
Auch die Nutzung des Smartphones am Steuer nehme bedenklich zu, teilt der GDV mit. Jeder Vierte schreibe während der Fahrt zumindest ab und an Nachrichten, jeder Fünfte nutze soziale Netzwerke. Besonders verbreitet sei das Handy am Steuer bei den 18- bis 35-Jährigen (63 Prozent), zunehmend aber auch in den höheren Altersklassen (42 Prozent der 36- bis 55-Jährigen, 22 Prozent der 56- bis 69-Jährigen). Sie alle setzen damit ihr eigenes, aber auch das Leben anderer aufs Spiel – und das, obwohl sie selbst Polizeikontrollen durchaus auf dem Radar haben. Aber das passiert in der Realität eben seltener als erwartet.
Und die Strafen empfänden viele als zu mild, heißt es. „Kontrollen und Sanktionen sollten daher verschärft werden“, fordert der GDV. Der aktuelle Stand: Wer Handy, Smartphone oder gar Tablet während der Fahrt bedient und dabei erwischt wird, dem drohen in der Regel ein Bußgeld von 100 Euro und ein Punkt in der Verkehrssünder-Kartei in Flensburg. Wer dabei den Straßenverkehr gefährdet, zahlt 150 Euro, wer einen Schaden auslöst, 200 Euro. In beiden Fällen kommen zwei Punkte in Flensburg oben drauf sowie ein Monat Fahrverbot. Das gibt es bei Handynutzung auf dem Rad nicht, aber auch hier wird ein Bußgeld fällig: 55 Euro.
Übrigens: In der GDV-Studie sprechen sich drei von vier Befragten für 0,0 Promille am Autosteuer und zusätzlich für maximal 1,1 Promille am Fahrradlenker aus. Und Tempolimits (130 auf der Autobahn, 80 auf der Landstraße und 30 in der Stadt) haben auch viele Befürworter. Vermutlich gehören die Autobahn-Drängler nicht dazu.
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