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Paraguay-Fan über WM: "Menschen sind richtige Fußball-Ultras"

Дата публикации: 28-06-2026 17:08:23

Am Montag trifft Deutschland bei der WM auf Paraguay. Ricardo Franco ist einer von Millionen Paraguayanern, die gespannt zuschauen werden. Ein Interview über WM-Nächte im Dönerladen und das "Manuel Neuer"-Trikot seines Sohnes.


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Interview Paraguay-Fan vor Duell mit Deutschland "Die Menschen in Paraguay sind richtige Fußball-Ultras"

Fans von Paraguay | Bild: IMAGO/ZUMA Press
Fans von Paraguay | Bild: IMAGO/ZUMA Press

Am späten Montagabend (22:30 Uhr) trifft die deutsche Nationalmannschaft bei der Fußball-Weltmeisterschaft im ersten KO-Spiel auf Paraguay. Einer, der ihr dabei ganz genau zuschauen wird, ist Rodrigo Franco. Der 46-Jährige ist in Paraguay geboren und aufgewachsen, wohnt aber mittlerweile seit über zehn Jahren in Berlin. Im Interview spricht er über das Fußballfieber in seiner Heimat, WM-Nächte im Dönerladen und das "Manuel Neuer"-Trikot seines Sohnes.

rbb|24: Rodrigo Franco, Paraguay ist erstmals seit 2010 wieder bei einer Fußball-WM dabei – und direkt wieder in der KO-Runde. Sind Sie zufrieden mit dem bisherigen Turnierverlauf?

Rodrigo Franco: Es ist natürlich großartig, wieder dabei zu sein, aber wir brauchten auch viel Glück, um weiterzukommen. Das war schon 2010 so: Da haben wir auch nicht wirklich gut gespielt und standen am Ende trotzdem im Viertelfinale. Aber eigentlich erwarten wir uns ein bisschen mehr von Paraguay.

rbb|24: Zumal die WM alles andere als gut losging… Zum Start gab es direkt ein 1:4 gegen die USA. Was haben Sie sich nach dem Spiel gedacht?

Franco: Ich glaube einfach, dass unsere Spieler die Fußballparty in den USA nicht kaputt machen wollten… und die Amerikaner haben tollen Fußball gespielt. Ich glaube, bei uns war das eine Mischung aus Nervosität und Respekt. Das war nicht das Paraguay, was wir in der Qualifikation gesehen haben und das gegen Argentinien und Brasilien so gut war.

rbb|24: Nach dem Spiel gegen die USA gabs einen Sieg gegen die Türkei und ein Unentschieden gegen Australien. War das das Paraguay, was sie sich gewünscht haben?

Franco: Ehrlich gesagt immer noch nicht ganz. Unsere Mannschaft spielt noch nicht so aggressiv, wie bei früheren Turnieren. Ich habe manchmal das Gefühl, die Spieler haben ein bisschen Angst und noch nicht genug Selbstvertrauen. Aber man kann nicht einfach nur auf ein 0:0 spielen und hoffen, irgendwie zufällig ein Tor zu erzielen.

Zur Person Rodrigo Franco | Bild: privat

Rodrigo Franco ist 46 Jahre alt, in Paraguay geboren und aufgewachsen. Dabei wuchs ihm besonders der 'Club Olimpia' ans Herz, das Aushängeschild der Hauptstadt Asuncion. Nach Berlin zog Franco im Jahr 2014 – pünktlich zum deutschen WM-Titel in Brasilien. Heute lebt er mit seiner Frau und zwei Kindern in Friedrichshain.

rbb|24: Die drei Paraguay-Spiele bei dieser WM haben wegen der Zeitverschiebung bislang alle mitten in der Nacht stattgefunden. Wie haben Sie sie verfolgt?

Franco: Das erste Spiel wollte ich gemütlich zuhause auf meinem Laptop gucken, aber irgendwie hat das technisch nicht geklappt. Also habe ich am Ende bei einem Dönerladen unten bei uns in der Straße geguckt – um 3 Uhr morgens, eine richtige Berliner WM-Erfahrung. Das Spiel gegen die Türkei haben wir als Familie im Bett geguckt, aber das ist natürlich mit zwei Schulkindern nicht einfach.

rbb|24: Und wie verfolgen Ihre Landsleute in Paraguay die WM?

Franco: Die Menschen in Paraguay sind richtige Fußball-Ultras, riesengroße Fans. Die Spiele laufen in jedem Wohnzimmer oder die Menschen treffen sich draußen, um zu gucken. Man sieht überall Albirroja, überall weiß und rot, überall Flaggen von Paraguay. Das ist ein kleines Land, das lange viele Probleme hatte. Da ist der Fußball ein guter Grund, zusammenzukommen.

Das Team Paraguay vor dem WM-Spiel gegen Australien | Bild: IMAGO/Icon Sportswire Das Team Paraguay vor dem WM-Spiel gegen Australien | Bild: IMAGO/Icon Sportswire

rbb|24: In Deutschland kennt man den Fußball vor allem dank drei Namen: dem ehemaligen Bremer Nelson Valdez, dem Dortmunder Lucas Barrios und Bayerns Roque Santa Cruz. Was haben diese Spieler den Fans in Paraguay bedeutet?

Franco: Die waren Teil unserer besten Generation. Das waren drei richtig gute Fußballer, die alle auch bei der WM 2010 dabei waren. Heute spielen viele unserer Spieler zuhause in Paraguay oder in Brasilien, ein paar auch in der Premier League. Aber damals gab es dieses Trio in der Bundesliga, diesen deutschen Einfluss. Dieses Jahr haben wir dieses Amulett nicht als Glücksbringer.

rbb|24: Dabei könnten Sie es besonders im Sechzehntelfinale am Montag gut gebrauchen. Glauben Sie an die große Überraschung gegen Deutschland?

Franco: Ich glaube, wir haben eine Chance. Gegen Ecuador hat man gesehen, dass Deutschland schlagbar ist – auch, wenn Ecuador natürlich viele richtig starke Spieler hat. Wir haben aber auch ein paar solcher Spieler. Jetzt muss sich der Trainer überlegen, wie er sie spielen lässt. Es ist fast wie ein Tanz: Wenn du einen falschen Schritt machst, gerätst du ins Stolpern.

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Wir haben unserem Sohn vor kurzem erst ein Trikot von Manuel Neuer geschenkt.

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Rodrigo Franco

rbb|24: Diesmal ist das Spiel sogar schon um 22:30 Uhr und nicht mitten in der Nacht. Wie werden Sie es sich anschauen?

Franco: Ganz gemütlich bei uns zuhause. Wir müssen allerdings die Fenster bei uns in der Wohnung zu machen, weil wir vorne an der Ecke eine Sportbar haben. Da herrscht absolute WM-Stimmung und die haben Kabelfernsehen. Deren Bild ist ein bisschen schneller als unseres und sie jubeln ein bisschen früher als wir.

rbb|24: Und ihre Kinder? Müssen die vor dem Spiel ist Bett oder dürfen die trotz Schule am nächsten Morgen wach bleiben?

Franco: Natürlich, natürlich! Das ist eine wunderbare Ausnahme. Wir haben unserem Sohn auch vor kurzem erst ein Trikot von Manuel Neuer geschenkt. Das hat aber zum Glück lange Ärmel – und weil es so heiß ist, muss er dieses Mal sein Paraguay-Trikot anziehen.

Vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Jakob Lobach.

Sendung: rbb|24, 28.06.26, 19:08 Uhr

Audio: rbb|24, 28.06.26, Jakob Lobach

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