Konrad Adenauer, Helmut Kohl, Joseph Ratzinger – und nun Andreas Preuß. Was der Manager von Borussia Düsseldorf beim Mittwochgespräch im Maxhaus über den Verein erzählte – und über Timo Boll verriet.
Düsseldorf · Konrad Adenauer, Helmut Kohl, Joseph Ratzinger – und nun Andreas Preuß. Was der Manager von Borussia Düsseldorf beim Mittwochgespräch im Maxhaus über den Verein erzählte – und über Timo Boll verriet.
Nennen wir das Kind doch besser gleich beim Namen: Das dürfte das eigenartigste Mittwochgespräch gewesen sein, das im Maxhaus je zu erleben war. Und das will was heißen. Schließlich gibt es die theologische Vortragsreihe seit 1961, demnächst wird mit dem 2000. Vortrag ein beachtliches Jubiläum gefeiert.
Was an diesem Abend geschehen war? Mit Andreas Preuß hatte man in den Innenhof des einstigen Franziskanerklosters den Manager und früheren Trainer und Spieler von Borussia Düsseldorf eingeladen. Einst sprachen in dieser Reihe Konrad Adenauer und Helmut Kohl, Rita Süssmuth, Karl Rahner und Joseph Ratzinger. Und diesmal ging es also um Pingpong. Und – jetzt einmal christlich gesprochen – um eine Mission: um die Freude am gemeinsamen Spiel, um ein Miteinander von Sportlern und Hobbyspielern, von Menschen mit und ohne Handicap.
Nun ist „die“ Borussia zunächst für ihre Erfolge bekannt. Mit ihren inzwischen 78 Titeln ist der Verein nicht nur der berühmteste, sondern auch der erfolgreichste Tischtennisverein der Welt. Ohne Übertreibung: Die Borussia ist das Bayern München des Tischtennissports.
Hoffnung auf den Kino-Knaller „Marty Supreme“
Wie bescheiden werden dagegen der Sport und der Verein wahrgenommen, obwohl allein in Düsseldorf mehr als 600 Steinplatten täglich Hunderte Hobbyspieler anlocken und zu manchen Bundesligaspielen in Deutschland 2000 bis 3000 Chinesen kommen – wohlgemerkt aus Peking angereist. Klar, Tischtennis ist populär, fristet im Vergleich zum Fußball oder auch Eishockey selbst in Düsseldorf aber immer noch das Dasein eines Randsports.
Ob sich das irgendwann ändert? Vielleicht ja mit dem Oscar-nominierten Filmdrama „Marty Supreme“ über den amerikanischen Tischtennisspieler Marty Reismans. Der kommt Ende Februar in die deutschen Kinos und könnte einen Hype auslösen wie die Serie „Das Damengambit“, die vor sechs Jahren einen weltweiten Schach-Boom auslöste.
Im Tischtennisfilm spielt übrigens auch der frühere Weltklassespieler von Borussia, Timo Boll, mit. Nicht gerade in einer der Hauptrollen, genauer gesagt: nur elf Sekunden. Zuschauer müssen auf diesen seltenen Moment der Boll‘schen Filmgeschichte also schon sehr genau achten.
Gruppen für Senioren, Rollstuhlfahrer, Autisten
Erfolge hin oder her – warum aber dazu ein Mittwochgespräch? Weil die Borussia mit ihrem Leistungszentrum, dem Internat und inzwischen 40 Mitarbeitern doch mehr ist als nur ein Trophäenjäger. Der Parasport spielt im Verein am Staufenplatz eine große Rolle. „Wir haben eine große Inklusionsgruppe im Breitensport“, so Preuß. Dazu eignet sich das Tischtennis besser als die meisten anderen Sportarten. Dass Rollstuhlfahrer auch im Meisterschaftsbetrieb gegen Spieler ohne Handicap antreten, ist darum keine Seltenheit.
Bei der Borussia gibt es unter anderem eine Seniorengruppe, die zur Mittagszeit spielt, eine Gruppe für Diabetiker, für Autisten wie auch eine Parkinsongruppe. Gerade bei dieser Erkrankung kann Tischtennis gute Effekte erzielen durch die nötige Hand-Augen-Koordination beim Spiel, sagt Preuß.
„Kirche vereint, Kirche heilt, und in gewisser Weise machen wir das auch“, so der 63-Jährige. Unterm Strich: „Wir sind auch ein bisschen Kirche.“ In Zeiten der sogenannten Flüchtlingskrise machte der Verein 2016 aus einer Tischtennisplatte einen Autoanhänger, ließ den vom TÜV abnehmen und fuhr damit von Flüchtlingsunterkunft zu Flüchtlingsunterkunft. Und bei der Jugend der Landeshauptstadt hat die Borussia so viel Werbung betrieben – etwa mit der Schulhofaktion des Pausenkönigs –, dass man vorerst Neuaufnahmen im Verein stoppen musste.
Deutscher Meister an der Seite von Jörg Roßkopf
Andreas Preuß selbst war ein absoluter Spätstarter, der wie die meisten erst einmal Fußball spielte, mit 13 aber ein Pingpongturnier im Schullandheim gewann. Damit war sein weiterer Sport- und Lebensweg vorgezeichnet.
Seinen schönsten Erfolg feierte er dann 1988, als er mit der Borussia vor unglaublichen 4000 Zuschauern in der Duisburger Rhein-Ruhr-Halle deutscher Mannschaftsmeister wurde und im Team zusammen mit den Doppelweltmeistern Roßkopf/Fetzner spielte. Natürlich lebt ein Verein von Erfolgen. „Ein zweiter Platz ist für uns wie eine Niederlage“, so Preuß.
Wie jeder gute Missionar hatte der Manager auch seinen „Hausaltar“ dabei. Genauer gesagt waren es zwei Altäre mit zwei Tischtennisplatten im praktischen Halbformat. Darauf wurde zunächst auf der Bühne mit dem Leiter des Maxhauses und Moderator des Abends, Peter Krawczack, gespielt. Danach waren alle anderen dran. So ging es eine Zeit lang. Und als die ersten Zuhörer das Maxhaus verließen, war das Ping und Pong im Klosterhof noch immer zu hören. Man war inzwischen beim Rundlauf angekommen.
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