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Was Tech-Milliardär Peter Thiel umtreibt: „Thiel geht an die Grenze des Mitschöpfertums“

Дата публикации: 21-07-2026 15:00:00




Ist der US-Tech-Milliardär Peter Thiel gefährlich? Einer, der es einschätzen kann, ist der deutsche Theologe Wolfgang Palaver, der mit Thiel schon viele Gespräche über den sogenannten Antichristen führte.



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Was Tech-Milliardär Peter Thiel umtreibt „Thiel geht an die Grenze des Mitschöpfertums“

Peter Thiel, Gründer unter anderem von PayPal und Palantir, treibt Fragen nach dem Antichristen und der Apokalypse um.

Peter Thiel, Gründer unter anderem von PayPal und Palantir, treibt Fragen nach dem Antichristen und der Apokalypse um.

Foto: picture alliance/Rebecca Blackwell/AP

Interview | Köln · Ist der US-Tech-Milliardär Peter Thiel gefährlich? Einer, der es einschätzen kann, ist der deutsche Theologe Wolfgang Palaver, der mit Thiel schon viele Gespräche über den sogenannten Antichristen führte.

Sie werden immer mal wieder als theologischer Berater von Peter Thiel bezeichnet …

Palaver … aber das stimmt nicht.

Palaver Na ja, wenn er für sich Thesen etwa zur Apokalypse entwickelt hat, dann testet er gerne schon mal, wie meine Reaktion dazu ist und was ich dazu meine. Manchmal schickt er mir seine Texte und will meine Kommentare dazu.

Akzeptiert er dann Ihre Meinung oder auch Einwände?

Palaver Als er im vergangenen August seine vier Vorträge hielt, hat er mir vorher seine Texte zur Verfügung gestellt. Nach dem Seminar sagte Thiel dann, dass er in manchen Dingen seine Position geändert, in wichtigen Fragen seine Position erhärtet habe – und nun auch meine blinden Flecken besser sehen könne.

Wie oft haben Sie Thiel getroffen?

Palaver Ungefähr zehn Mal – allerdings in einem Zeitraum seit 1996. Unsere erste Begegnung war im Juni 1996 bei einer Girard-Tagung in Stanford, dann erst wieder 2004 und ein paar Mal danach. Im Januar 2016 trafen wir uns beim offiziellen Requiem für den Philosophen René Girard in Stanford; da waren wir beide Trauerredner. Im selben Jahr kam dann auch seine Unterstützung für Donald Trump. Bis 2023 haben wir nichts mehr voneinander gehört, praktisch bis zum Kolloquium aus Anlass des 100. Geburtstags von Girard in Paris. Thiel sprach dort darüber, dass Nihilismus nicht ausreicht, bot aber selbst kein positives Angebot an. Nach sieben Jahren hat er mich auf diesem Kolloquium wieder erkannt und gemeint, dass wir unsere Gespräche miteinander doch wieder fortsetzen sollten.

Das machten Sie dann auch?

Palaver Monate später rief mich einer seiner Mitarbeiter an und fragte, ob ich nicht zu einem Gespräch nach Los Angeles kommen wolle. Bei einem gemeinsamen Abendessen haben wir uns dann drei Stunden über den Katechon unterhalten. Ich kam dabei kaum zum Essen, weil er mir ständig Fragen, etwa zum Antichristen, stellte.

Glaubt Thiel an den Katechon, eine Figur, die den Antichristen in der Welt aufhalten kann?

Palaver Er findet ihn zumindest interessant und orientiert sich dabei auch an dem Staatsrechtler Carl Schmitt. Wobei Thiel sich zum Beispiel bei Donald Trump nicht sicher ist. Seiner Meinung nach könnte der US-Präsident sowohl Katechon als auch Antichrist sein. Wobei ich Thiel empfahl, sich in der Frage des Katechons nicht an Schmitt, sondern an Dietrich Bonhoeffer zu halten.

Palaver Für Bonhoeffer war Hitler natürlich ein Antichrist. Der Katechon aber sind für ihn politische, staatliche Ordnungskräfte. Der Katechon ist danach nicht Gott und nicht ohne Sünde. Aber er ist notwendig. Er ist gewissermaßen ein Plan B und das Zugeständnis Gottes an unsere Gefallenheit. Nach Bonhoeffer profitiert die Kirche von den katechontischen Ordnungen und darf sich darum über diese moralisch nicht überheben, soll aber diese zur Umkehr rufen. Wir brauchen beides. Kirche und Staat haben unterschiedliche Aufgaben, die zusammenwirken, ohne dass sie sich miteinander vermischen.

Hat es Sie überrascht, dass sich Thiel 2016 zu den Unterstützern von Trump gesellte?

Palaver Ja, das hat mich schon überrascht; eigentlich hat es mich geschockt. Thiel war vorher Unterstützer des libertären US-Senators Ron Paul. Interessanterweise hat Thiel in dem Moment die Seiten gewechselt, als über Trump diese abscheulichen und frauenfeindlichen Tonbänder veröffentlicht wurden und jeder dachte, jetzt ist Trump endgültig erledigt.

Ist es typisch für Thiel, dass er genau das tut, was man nicht erwartet?

Palaver Absolut. Wenn Thiel Leute in seinem Unternehmen anstellt, fragt er sie, was ist der Moment, in dem sie nicht mit der Masse mitlaufen. Jetzt stellen sich die meisten Silicon-Valley-Manager an die Seite Trumps. Interessanterweise war Peter Thiel diesmal nicht dabei.

Palaver Vielleicht, weil er wieder genau das Gegenteil von allen tun wollte.

Was für ein Mensch ist Peter Thiel?

Palaver Er ist ein nachdenklicher Mensch, der nicht einfach seine Thesen raushaut. Wenn man ihn etwas fragt, dauert es manchmal, bis man eine Antwort bekommt. Er dürfte als Schüler und Student ein wenig Außenseiter gewesen sein.

Machen wir aus Peter Thiel inzwischen einen Dämon?

Palaver Der prämierte sechsteilige Podcast über ihn tendierte in diese Richtung. Es wird ein Krimi über ihn erzählt mit vielen negativen Etiketten. Mir wurde geraten, die Gespräche mit ihm zu beenden, weil es so wäre, als würde ich mit Hitler sprechen. Das sind alles Projektionen.

Ist Thiel Ihrer Meinung nach dann ungefährlich?

Palaver Natürlich ist er allein durch seine große ökonomische Macht gefährlich, wenn er sie einsetzt. Überschätzen darf man das aber auch nicht. Der Schlüssel zu ihm ist sein Ziel einer technologischen Beschleunigung. Dabei richtet sich Thiel gegen so romantische Vorstellungen von einer Rückkehr ins paradiesische Eden, wie sie die Evangelikalen in den USA träumen. Für ihn sind die Christen zum Mitschöpfertum aufgerufen – aber mit Hilfe des grenzenlosen technischen Fortschritts. Und er glaubt, mit seiner Arbeit dazu einen wichtigen Beitrag zu leisten. In diesem Sinn sind die christlichen Aufklärer besser als die atheistischen Aufklärer. Thiel geht an die Grenze des Mitschöpfertums heran – oder überschreitet sie sogar. Wo diese Grenze überschritten wird, droht große Gefahr. Außerdem müssen Kollateralschäden auf dem Weg technologischer Beschleunigung verhindert werden.

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