Das Familienministerium von Karin Prien (CDU) streicht dem einzigen bundesweit agierenden queeren Jugendverband Lambda die Basisförderung.
Während weiter über die Folgen des CSD in Berlin verhandelt wird, streicht das Familienministerium queere Projektförderungen.
Foto: IMAGO/Bihlmayerfotografie
Vergangene Woche stellte Familienministerin Karien Prien (CDU) den Ländern nach dem Anschlag auf den Berliner CSD mehr Geld für Angebote gegen Radikalisierung in Aussicht. Fünf Milliarden Euro aus dem Förderprogramm »Demokratie Leben!«, die zuvor noch nicht abgerufen wurden und anderenfalls bis Jahresende verfallen könnten. Zugleich stellt das Bundesfamilienministerium (BMBFSFJ) die Förderung des einzigen bundesweit agierenden queeren Jugendverbands Lambda e.V. ein.
Seit der Gründung im Jahre 1990 wird dessen Arbeit durch Mittel aus dem Kinder- und Jugendplan des Bundes mitfinanziert, derzeit mit jährlich 379 954 Euro. Im Juli kündigte das BMBFSFJ die Rahmenvereinbarung zum Jahresende. Für den Verein »völlig überraschend«, wie er in einer Mitteilung schreibt. »Die Sachberichte der vergangenen Jahre wurden ohne Beanstandungen geprüft. Unsere Arbeit wurde immer wieder fachlich anerkannt und gelobt.«
Auf eine Anfrage zum Vorgehen antwortete die parlamentarische Staatssekretärin Mareike Lotte Wulf, dem BMBFSFJ ginge es »ausdrücklich nicht« um eine Abkehr von der Jugendarbeit für und mit homosexuellen, trans- und intergeschlechtlichen sowie non-binären Jugendlichen. »Mittlerweile sind die Belange geschlechtlicher und sexueller Vielfalt bei Jugendlichen in der Breite der Jugendverbände verankert. Hierdurch werden Jugendliche zielgerichtet unterstützt.«
»Auch wenn das Bundesministerium keine Abkehr von der Unterstützung queerer junger Menschen beabsichtigt, hat die Kündigung der Rahmenvereinbarung faktisch genau diese Wirkung.«
Bundesvorstand Lambda
Der Hinweis der Staatssekretärin sei »zynisch, boshaft« und entbehre »jeder Sachkenntnis«, kritisiert Maik Brückner, queerpolitischer Sprecher der Linksfraktion. Die Begründung sei knapp ausgefallen, so auch Lambda-Bundesgeschäftsführerin Kim Alexandra Trau gegenüber dem »Tagesspiegel«. Bei anderen Jugendverbänden gebe es keine vergleichbaren Kürzungen.
»Auch wenn das Bundesministerium keine Abkehr von der Unterstützung queerer junger Menschen beabsichtigt, hat die Kündigung der Rahmenvereinbarung faktisch genau diese Wirkung«, so der Lambda-Bundesvorstand. »Dass andere Jugendverbände queere Lebensrealitäten stärker mitdenken, ist ein wichtiger Fortschritt. Es ersetzt jedoch keine eigenständige queere Jugendverbandsarbeit, in der junge queere Menschen selbst Räume gestalten, ihre Interessen formulieren und politische Teilhabe organisieren.«
Ort für Selbstorganisierung und Beratung1990 gründeten Jugendliche in Ost-Berlin den Verein, weil sie an den Runden Tischen der Jugend mitsprechen wollten. Bis heute geht es im Verband um Selbstorganisierung. Die Arbeit umfasst aber auch bundesweite Beratungsangebote. Vor allem für ländliche Regionen baut Lambda zudem derzeit ein ortsunanhängiges digitales Jugendzentrum auf. »Unsere Beratungsanfragen steigen immer weiter an, ebenso die Zahl an Jugendlichen, die sich mit akuten Krisen an uns wenden. Immer öfter geht es dabei um Themen wie Suizid, selbstverletzendes Verhalten oder Gewalt in der Familie«, erklärt der Bundesvorstand. Das Suizidrisiko bei queeren Jugendlichen liegt vier- bis fünfmal so hoch wie bei ihren Altersgenoss*innen.
»Es steht dem Jugendnetzwerk Lambda offen, weiter für diese Themen und Angebote einzutreten und dafür Fördermittel aus dem Kinder- und Jugendplan zu beantragen«, so indes Staatssekretärin Wulf. Das reicht dem Verein nicht. Eine mögliche Projektförderung könne keine stabile Grundförderung ersetzen, bemängelt der Lambda-Vorstand. Der Verband hat inzwischen dennoch ein erstes inhaltliches Konzept erarbeitet und dem Bundesfamilienministerium vorgelegt. Zu diesem gibt es noch keine Rückmeldung.
Mehrfache Attacken von rechtsLambda war in der Vergangenheit mehrmals von rechts attackiert worden. 2023 bezeichnete Matthias Helferich, AfD-naher fraktionsloser Bundestagsabgeordneter, den Queerbeauftragten Sven Lehmann (Grüne) wegen dessen Fördermitgliedschaft als »Beauftragten der Bundesregierung für die Akzeptanz staatlich begleiteten Kindesmissbrauchs«. Zwei Jahre später hinterfragte derselbe Abgeordnete die Gemeinnützigkeit des Verbands.
Einen offenen Brief für den Erhalt von Lambda an das Bundesfamilienministerium haben inzwischen beinahe 200 Organisationen unterschrieben. »Unsere Arbeit wächst, weil der Bedarf wächst«, schreibt der Verband darin. Durch die Kürzung werde er gezwungen, »genau die Jugendlichen alleine zu lassen, die besonders stark von Einsamkeit, psychischen Belastungen und Diskriminierung betroffen sind. Jugendliche, für die unsere Angebote überlebenswichtig sein können«.
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