Der Neunkircher Künstler Klaus Harth geht eigene Wege. Statt Ausstellungen bevorzugt er Kooperationen mit Theatermachern. Im Herbst stehen Stadtspaziergänge, ein Festival und eine Ausstellung an.
Serie | Neunkirchen · Der Neunkircher Künstler Klaus Harth geht eigene Wege. Statt Ausstellungen bevorzugt er Kooperationen mit Theatermachern. Im Herbst stehen Stadtspaziergänge, ein Festival und eine Ausstellung an.
Künstlerportrait: Klaus Hardt in seinem Atelier in Merchweiler. Seit 1995 zeichnet Harth Vögel in Serien – inzwischen sind es 1.610 Motive.
Foto: Iris Maria Maurer„Woran arbeiten Sie gerade?“ Diese Frage stellen wir Künstlerinnen und Künstlern ganz unterschiedlicher Genres. Wir fragen Autorinnen und Autoren, Bildende Künstlerinnen, Musiker, Filmleute und Theatermacherinnen. Denn was sie gerade entwickeln, wird das Publikum vielleicht bald sehen oder hören. Heute: Klaus Harth.
Lieber Kooperation als Galerie
Klaus Harth ist freiberuflich arbeitender bildender Künstler. Doch in den vergangenen Jahren ist seine Karriere anders verlaufen, als man es üblicherweise kennt. „Für mich ist die Zusammenarbeit mit anderen Kunstschaffenden an gemeinsamen Projekten viel spannender, als ein Bild an die Wand zu hängen“, sagt er lachend. Dabei war sein Einstieg klassisch: Harth, 1964 in Neunkirchen geboren, studierte Kunst an der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz und legte 1996 sein Diplom ab.
1998 kehrte er ins Saarland zurück, arbeitet seither freiberuflich und lebt in Wemmetsweiler. Wie viele Künstlerinnen und Künstler kümmerte er sich zunächst um Ausstellungen und Beteiligungen. Seine Werke waren in Saarbrücken, Merzig, Wiesbaden, Wien und mit großem Erfolg in Mannheim zu sehen, außerdem bei fast allen Landeskunstausstellungen im Saarland. Trotzdem war der Ausstellungs- und kommerzielle Kunstbetrieb für ihn nicht das Richtige.
Rotkehlchen in Serie: 1.610 Vogelmotive
„Ich habe ja nicht gezeichnet oder gemalt, um Wände zu dekorieren. Ich zeichne und male, um Dinge zu verstehen, um mich mit bestimmten Fragen auseinanderzusetzen. Eigentlich male und zeichne ich für mich selbst“, erklärt Harth. Als Beispiel nennt er seine bekannten Vogelmotive, die er häufig öffentlich gezeigt hat. „Ich habe 1995 begonnen, Rotkehlchen zu malen. Zuerst arbeite ich gerne in Serien, und dann hat mich die Frage interessiert: Was macht das mit mir, wenn ich nicht nur einen Vogel, sondern Hunderte Vögel male?“
Über 20 Jahre zeichnete er das Rotkehlchen, das nach und nach zu einem Prototyp für alle Vögel wurde. „Und trotzdem war jeder Vogel individuell.“ 2025 nahm er das Motiv wieder auf. Inzwischen sind es 1.610 Vogelmotive, die er angefertigt hat. „Für mich ist heute die Frage ‚Was mache ich da?‘, die mich umtreibt – und gleichzeitig meine Motivation.“ Irgendwann begann er auch, die Vögel mit Sätzen zu kombinieren, „so bleiben sie immer individuell“.
Netzwerk und Bühne: Kunst als eigenständiger Beitrag
Eine wichtige Kooperation begann 2009: Im Rahmen des damaligen Tags der Deutschen Einheit arbeitete Harth erstmals mit dem bekannten und preisgekrönten Ensemble Liquid Penguin zusammen. „Seitdem arbeite ich viel mit dem Netzwerk Freie Szene Saar e.V. zusammen.“ So auch 2012: „Da hatten wir eine lange Vogelnacht im KuBa, Kulturzentrum am Eurobahnhof, und ich habe die ganze Nacht Vögel gemalt.“ Das Netzwerk sei für ihn ein Verein, so wie er sein sollte: Man setze sich füreinander ein, auch für eine faire Bezahlung aller Beteiligten. Es öffnen sich Türen und Kooperationen entstehen.
Heute arbeitet Klaus Harth insbesondere mit dem Dreiland Theater und Corinna Preisberg oder mit dem freien Saarbrücker Opernmacher Ralf Peter zusammen. Seine gemalten oder gezeichneten Arbeiten, oft zu kleinen Skizzen reduziert und konzentriert, werden während der Theaterstücke als Bühnenbild auf die Aktionsfläche projiziert. Wichtig ist ihm dabei: Es handelt sich nicht um Illustrationen, sondern um eigenständige Beiträge des Künstlers.
Herbsttermine: Stadtspaziergänge, Festival, Ausstellung
Zwei Kooperationen stehen im September und Oktober an. „Mit Corinna Preisberg und dem Dreiland Theater werde ich literarisch-szenische Stadtspaziergänge machen. Corinna und ich erstellen zusammen das bildnerische Konzept. Das können beispielsweise Postkarten sein, die verteilt werden. Und ich mache das Plakat.“ Im Oktober nimmt er außerdem am „Freistil Festival“ in der Völklinger Hütte teil: Zum Stück „Orpheus’ Unterwelt“ von Ralf Peter wird er Kunstwerke projizieren.
Darüber hinaus illustriert er aktuell einen Gedichtband der Wiesbadener Dichterin und Autorin Daniela Daub, mit der er bereits auf Bühnen gearbeitet hat. Im September soll der Band erscheinen, eine kleine Ausstellung wird folgen. Ab dem 19. September ist seine Arbeit außerdem in der fast klassischen Ausstellung „Menschen ohne Parkplatz“ in der Saarbrücker Galerie Sali e Tabacchi zu sehen. Anlässlich des diesjährigen „Parking Days“, eines weltweiten Aktionstags zu Alternativen zur Auto-Mobilität, zeigt Harth schnell hingeworfene, kleinformatige Aquarelle und Zeichnungen von „unterwegs“, von Menschen in ihren Autos.
„Büchlein“ und Jahrbücher: gedruckte Spuren der Arbeit
Mit Albert Herbig, dem Galeristen von Sali e Tabacchi, arbeitet Harth häufiger zusammen. „Zu dieser Ausstellung wird es auch ein Buch zu dieser Serie geben.“ Denn eine weitere Lieblingsbeschäftigung ist für ihn das Erschaffen von Broschüren „on demand“ zu seinen Kunstaktionen, die er liebevoll „Büchlein“ nennt.
Die Vorliebe für Gedrucktes zeigt sich auch in seinen „Jahrbüchern“: Seit 2020 bringt er jedes Jahr eine broschierte Zusammenfassung seiner künstlerischen Arbeit heraus – mit Zeichnungen, Porträts, Skizzen, Malereien, Gedanken und Fotografien. Diese Jahrbücher erinnern an seinen digitalen „Zeichenblock“, für den er seit 2009 fast jeden Tag einen künstlerischen Eintrag online stellt – und das mit guter Resonanz. Auch daran zeigt sich: Bei Klaus Harth ist die künstlerische Karriere anders verlaufen, als man es oft erwartet. (ten/sil)