Die zweite Neunkircher Kunstschau hat berührt: Sechs Wochen lang zeigten Künstler aller Generationen ihre Werke zum Motto „Stadt Land Fluss“. Gewonnen haben dabei nicht nur die nun Prämierten.
Neunkirchen · Die zweite Neunkircher Kunstschau hat berührt: Sechs Wochen lang zeigten Künstler aller Generationen ihre Werke zum Motto „Stadt Land Fluss“. Gewonnen haben dabei nicht nur die nun Prämierten.
In der Kategorie Gruppen stimmten die meisten Besucher für das farbenfrohe Werk der Villa Winzig-Kinder, von denen einige bei der Preisvergabe anwesend waren.
Foto: Anja KernigAuf dem Dach des gelben Hauses sitzt eine riesige Henne. Sie schaut zur anderen Seite des Flusses, wo große graue Wohnblöcke stehen. Es gibt Baustellenschilder und einen Verkehrskreisel mit bunten Blumen in der Mitte. Über all dem ziehen Wattewölkchen, die eidottergelbe Sonne scheint weit über den Bildrand hinaus. Viel besser kann man das Motto der zweiten Neunkircher Kunstschau „Stadt Land Fluss“ unmöglich visualisieren. Chapeau, Alma, Jonas, Kara, Daniel und alle anderen jungen Künstler der Villa Winzig. „Sie haben gemeinsam mit ihren Erzieherinnen und Erziehern ein farbenfrohes dreidimensionales Werk geschaffen, das Stadt, Land und Fluss zu einer lebendigen Landschaft verbindet“, lobte Liane Wilhelmus, Leiterin der gastgebenden städtischen Galerie im KULT, bei der Preisvergabe.
Sechs Wochen Kunstschau mit großer Resonanz
Am Sonntag schloss die Kunstschau nach sechs Wochen ihre Tore. Die Resonanz war ähnlich groß wie bei der Eröffnung. Viele Teilnehmer waren noch einmal vor Ort, gespannt, wer das Publikum am meisten hatte begeistern können. In der Kategorie „Kinder und Jugendliche“ war das Frieda Johanna Becker mit ihrer Collage „Schützt die Umwelt“ gewesen. Der elfjährigen Schülerin aus Landsweiler-Reden attestierte Wilhelmus eine „bemerkenswerte gestalterische Reife“. Mit ihrer Arbeit macht Frieda Johanna deutlich, „dass unsere Lebensräume untrennbar miteinander verbunden sind und unser Umgang mit Natur und Umwelt unsere Zukunft entscheidend mitprägt“, hieß es in der Laudatio. Ihr Preis ist die Teilnahme an einem Kunstkurs des Kinder- und Jugendateliers der Städtischen Galerie. Dort lautet das Motto des Herbstkurses entsprechend „Upcycling“.
Frauenpower: Liane Wilhelmus (l.), Lisa Hensler und Edda Petri (von rechts) freuten sich mit den Preisträgerinnen Frieda Johanna Becker und Marion Strempel, beide jeweils mit oder vor ihrem Bild.
Foto: Anja KernigDie Gewinnerin der Kategorie Erwachsene heißt Marion Strempel. In ihrem Werk „Abriss und Sprung in die Zukunft“ scheint sich eine Ballerina schwerelos über den Neunkircher Gasometer zu erheben. Mit dieser „poetischen Geste“ erinnert Strempel an das einst markante Zeugnis der örtlichen Industriegeschichte und schafft ein „kraftvolles Sinnbild für Veränderung, Aufbruch und die Fähigkeit, Bekanntes hinter sich zu lassen, ohne die eigene Geschichte zu vergessen“. Belohnt wird die Künstlerin dafür mit einem Ausflug in die Kunsthalle Mannheim während der diesjährigen Kunstfahrt des Förderkreises der Galerie. Für das beliebteste Gruppenwerk gehen schließlich 250 Euro an die Villa Winzig.
Jedes einzelne Werk soll „berührt, begeistert, zum Nachdenken angeregt“ haben
Gewonnen haben letztlich alle. Das betonte Bürgermeisterin Lisa Hensler und dankte allen Teilnehmern für den Mut, ihre Arbeit öffentlich zu zeigen. Jedes einzelne Werk habe „berührt, begeistert, zum Nachdenken angeregt“ – und manchmal auch Kritik provoziert. „Es ist bemerkenswert, was manche Menschen unter Kunst verstehen“, hinterließ jemand im Gästebuch zwischen lobenden und begeisterten Kommentaren einen Eintrag. Ohne Namen, nur mit Initialen versehen.
In einen größeren Kontext stellte Edda Petri die Schau. „Neunkirchen ist keine reiche Kommune“, erinnerte die Geschäftsführerin der Neunkircher Kulturgesellschaft. „Neunkirchen ist eine Kommune, die sozial extrem gefordert ist und gerade mit einem Sturm von Negativschlagzeilen zu kämpfen hat.“ Aber, wie man heute hier sehen könne, „gibt es auch ein ganz anderes Neunkirchen“, so Petri. „Diese ‚arme’ Stadt hat sich bewusst und mutig entschieden, dass sie sich Kultur leisten will. Weil Kultur die Menschen – aller Generationen, Ethnien und Lebensumstände – verbinden kann und soll.“ Kunst verfügt über eine „widerständige Kraft“, für deren Erhalt es ein klares Bekenntnis braucht. 2028 wird es deshalb die dritte Neunkircher Kunstschau geben.