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Das Schweizer Gelb-Rot zeigt, wie sehr die Fifa die Kontrolle über die eigenen Regeln verloren hat

Дата публикации: 14-07-2026 05:22:00

Eine kaum geübte Regel, ein vermeidbarer Schirifehler, eine Schwalbe: Wer Technik so tief ins Spiel bei der WM lässt, muss die Regeln beherrschbar machen. Die Fifa schafft das nicht.

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Eine kaum geübte Regel, ein vermeidbarer Schirifehler, eine Schwalbe: Wer Technik so tief ins Spiel bei der WM lässt, muss die Regeln beherrschbar machen. Die Fifa schafft das nicht.

  • Im Video oben: Schweizer Schiri-Wut „Noch nie eine Partie gespielt, in der es so einseitig war“

Murat Yakin hat mit der Schweiz im Viertelfinale der WM verloren, er sucht die Schuld aber nicht bei sich, nicht bei Breel Embolo, sondern bei einer Regel. Das ist für ihn der bequemere Weg, er ist trotzdem nicht ganz falsch.

Denn was in der 72. Minute in diesem Spiel passierte, war ein Vorgang, den niemand auf dem Platz herbeiführen wollte und den die Technik trotzdem erzwang. Beim Stand von 1:1 musste Embolo mit Gelb-Rot vom Feld, weil der Videoassistent eine Schwalbe erkannte, die dem Schiedsrichter zunächst entgangen war. Aus einem Ausgleich wurde eine Unterzahl, aus dem Momentum ein Bruch.

Man muss die Kette nachzeichnen, um zu verstehen, warum Yakin sich ereifert. Joao Pinheiro sah in der Szene ein Foul von Leandro Paredes und zeigte dem Argentinier Gelb. Erst der Hinweis aus dem Videoraum drehte alles um: Embolo war nicht berührt worden, er hatte abgehoben, um ein Foul zu schinden.

Fifa absurd: Eine Regel entfaltet ihre volle Härte, weil der Schiri einen Fehler machte

Der Schiedsrichter nahm die Karte gegen Paredes zurück und stellte den bereits verwarnten Embolo vom Platz. Das ist regelkonform, seit zu WM-Beginn klargestellt wurde, dass die neue Bestimmung zur Spielerverwechslung auch für gegnerische Spieler gilt.

KANSAS CITY, MISSOURI - JULY 11: Murat Yakin, Head Coach of Switzerland, speaks with referee Joao Pinheiro after the 1-3 loss during the FIFA World Cup 2026 Quarter Final match between Argentina and Switzerland at Kansas City Stadium on July 11, 2026 in Kansas City, Missouri.   Carl Recine/Getty Images/AFP (Photo by Carl Recine / GETTY IMAGES NORTH AMERICA / Getty Images via AFP)

Murat Yakin nach dem WM-Aus bei den Schiedsrichtern CARL RECINE | 2026 Getty Images

Hier liegt der Kern, und hier hat Yakin einen Punkt, den man nicht mit dem Verweis auf sein sportliches Interesse abtun sollte. Die Regel entfaltete ihre volle Härte nur, weil dem Schiedsrichter zuvor ein Fehler unterlief. Hätte Pinheiro die harmlose Situation, wie Yakin sagt, „einfach laufen lassen“, wäre nie eine Karte gefallen, die zu korrigieren gewesen wäre.

Fifa verliert die Kontrolle über die eigenen Regeln

Der VAR griff also nicht in ein glasklares Fehlurteil ein, sondern in eine Situation, die der Schiedsrichter mit einer unnötigen Verwarnung selbst geschaffen hatte. Die Technik reparierte einen Fehler und produzierte dabei eine Konsequenz, die weit über den ursprünglichen Anlass hinausging.

Es wirkt so, also habe die Fifa mit dem ständigen Korrigieren und Überstimmen durch Video-Einfluss die Kontrolle über eigenen Regeln verloren.

KANSAS CITY, MISSOURI - JULY 11: Breel Embolo #7 of Switzerland argues with referee Joao Pinheiro following his second yellow card and subsequent red card during the FIFA World Cup 2026 Quarter Final match between Argentina and Switzerland at Kansas City Stadium on July 11, 2026 in Kansas City, Missouri.   Lars Baron/Getty Images/AFP (Photo by Lars Baron / GETTY IMAGES NORTH AMERICA / Getty Images via AFP)

Aufregung um die Schwalbe von Breel Embolo beim Schweizer WM-Aus gegen Argentinien LARS BARON | 2026 Getty Images

Trotzdem verzerrt Yakins Empörung die Verantwortlichkeiten. Embolo ist geflogen, weil Embolo abgehoben hat, um ein Foul zu erschleichen. Kein Videoassistent, keine neue Regel und kein portugiesischer Schiedsrichter haben ihn dazu gezwungen.

Wer sich fallen lässt, wo niemand ihn berührt, hat die Schwalbe selbst begangen, und die zweite Gelbe Karte war deren Preis. Dass dieser Preis in einem WM-Viertelfinale schmerzhaft ausfällt, ändert nichts an der schlichten Ursache.

Yakin klagt: Die Regel hat das Spiel zerstört - ganz unrecht hat er nicht

Die interessante Frage ist eine andere, und sie ist größer als dieser eine Abend. Eine Regel, die erst zu WM-Beginn in ihrer Reichweite präzisiert werden musste, ist keine, die den Spielern und Trainern selbstverständlich vertraut war. Wenn eine Bestimmung so spät klargestellt wird und dann ein Viertelfinale kippt, dann liegt das Versäumnis nicht auf dem Rasen, sondern bei denen, die sie ohne ausreichende Aufklärung ins Turnier schickten.

„Wer Technik so tief in den Spielfluss lässt, muss ihre Regeln vor dem Turnier beherrschbar machen, nicht während“ Pit Gottschalk

Yakin sagt, die Regel habe sein Spiel zerstört. Genauer wäre: Eine kaum eingeübte Regel traf auf einen vermeidbaren Schiedsrichterfehler und auf einen Spieler, der sich fallen ließ.

Am Ende nutzten Julian Alvarez und Lautaro Martinez die Überzahl zum 3:1. Das ist der nüchterne Ausgang. Yakins Satz, die Regel habe mit Fußball nichts zu tun, ist zu bequem, weil er die eigene Schwalbe herausrechnet.

Sein Zorn über eine unfertig eingeführte Bestimmung aber ist berechtigt: Wer Technik so tief in den Spielfluss lässt, muss ihre Regeln vor dem Turnier beherrschbar machen, nicht während.

Von Pit Gottschalk

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