Diese Final-Niederlage von Wimbledon gegen Jannik Sinner schmerzt Alexander Zverev besonders. Weil das Gefühl bleibt, eine einmalige Chance verpasst zu haben.
Alexander Zverev verliert gegen Jannik Sinner auch sein zehntes Spiel in Folge. Die Final-Niederlage von Wimbledon aber schmerzt ganz besonders. Weil das Gefühl bleibt, eine einmalige Chance verpasst zu haben.
Die Niederlage gegen Jannik Sinner im Wimbledon-Finale ist bitter. Äußerst bitter. Nicht nur, weil Alexander Zverev den Titel verpasst hat. Sondern weil er so nah dran war wie lange nicht mehr, vielleicht so nah wie noch nie.
Neun Niederlagen in Serie hatte Zverev zuletzt gegen Sinner kassiert. Diesmal war alles anders. Zum ersten Mal seit langer Zeit hatte man das Gefühl: Der Deutsche hat das Spiel in der Hand. Er bestimmte die wichtigen Ballwechsel, gewann die entscheidenden Punkte und wirkte über weite Strecken sogar etwas stärker als der Weltranglistenerste.
Den Moment, in dem das Finale kippte, kann man diesmal fast auf die Minute genau benennen. Es war der Tiebreak des zweiten Satzes. Die Uhr zeigte 19.12 Uhr.
Bis dahin hatte Zverev das Momentum auf seiner Seite. Er entschied die längeren Rallyes für sich, hatte auch in den engen Situationen das Glück des Tüchtigen. Netzroller, Linienbälle, umkämpfte Ballwechsel – all das fiel zunächst zu seinen Gunsten aus. Er war nur wenige Punkte davon entfernt, mit 2:0 Sätzen in Führung zu gehen.
Daniel Müksch hat als Autor unter anderem für FOCUS, Playboy und Bunte gearbeitet und war Sportredakteur beim Münchner Merkur und der tz. Müksch ist ehemaliger Tenniskaderspieler und als Autor, Redakteur und Host hat er den Podcast „Unser Boris“ veröffentlicht. Zudem hat Müksch Biografie über die Tennis-Superstars Alexander Zverev und Novak Djokovic verfasst und ist als Dozent an der Akademie für Publizistik in Hamburg tätig.
Wahrscheinlich wäre das der entscheidende Schritt zum Wimbledon-Titel gewesen. Doch dann änderte sich alles.
Sinner gewann den Tiebreak – und mit ihm das Selbstvertrauen. Plötzlich landeten seine riskanten Schläge millimetergenau auf der Linie. Was zuvor bei Zverev funktionierte, gelang nun dem Italiener. Und was beim Deutschen Zentimeter zuvor noch ins Feld gefallen war, landete nun hauchdünn im Aus.
Man konnte förmlich beobachten, wie das Momentum die Seiten wechselte. Zverev schleuderte seinen Schläger auf den Rasen. Sinner dagegen wurde mit jedem Punkt größer, sicherer und am Ende zu Recht Wimbledon-Sieger. Gerade deshalb schmerzt diese Niederlage mehr als die neun zuvor. Denn diesmal war Zverev wirklich dran.
Nein, eigentlich sogar mehr als das: Fast zwei Sätze lang war er der bessere Spieler. Genau deshalb bleibt das Gefühl zurück, eine einmalige Chance verpasst zu haben. Die Voraussetzungen werden kaum noch einmal so günstig sein.
Carlos Alcaraz war in Wimbledon gar nicht dabei. Sinner wiederum kam nach einer längeren Pause ohne Vorbereitungsturnier auf Rasen nach London und spielte längst nicht sein bestes Tennis. Es spricht vieles dafür, dass beide Konkurrenten im kommenden Jahr noch stärker sein werden.
Umso schmerzhafter ist die Erkenntnis: So offen wie in diesem Jahr könnte sich das Fenster nach Wimbledon für Zverev nie wieder öffnen. Und trotzdem wäre es falsch, nur auf die Niederlage zu schauen.
Zverev hat ein herausragendes Turnier gespielt. Er marschierte souverän ins Finale, zeigte das vielleicht kompletteste Rasentennis seiner Karriere und bewies, dass er Sinner nicht nur ärgern, sondern schlagen kann. Das ist die wichtigste Erkenntnis dieser zwei Wochen. Die schlechte Nachricht lautet allerdings: Es reicht noch nicht.
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Wieder ist Zverev der Jäger. Wieder muss er einen Weg finden, Sinner und Alcaraz zu schlagen. Wieder beginnt die Suche nach den letzten Prozentpunkten, die Grand-Slam-Finals entscheiden.
Vielleicht war Wimbledon 2026 seine größte Chance. Vielleicht aber auch die Niederlage, aus der etwas Größeres entsteht.
Wenn Alexander Zverev eines Tages tatsächlich den Siegerpokal auf dem Centre Court in die Höhe stemmen will, dann wird er stärker zurückkommen müssen als je zuvor. Stärker als bei seinem French-Open-Triumph. Stärker als an diesem 12. Juli 2026.
Vielleicht haben wir den besten Alexander Zverev seiner Karriere noch gar nicht gesehen.
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