Zwangsgelder, Mahnungen, unvollständige Berichte – seit Jahren dieselben Vorwürfe gegen einen Berufsbetreuer. Über 20.000 Euro Heimkostenrückstände, ein gekündigter Heimvertrag und nur zwei Meldungen an die Behörde seit 2023: Reicht das für einen sofortigen Entzug der Betreuerlaubnis, oder wiegt die Berufsfreiheit…
Zwangsgelder, Mahnungen, unvollständige Berichte – seit Jahren dieselben Vorwürfe gegen einen Berufsbetreuer. Über 20.000 Euro Heimkostenrückstände, ein gekündigter Heimvertrag und nur zwei Meldungen an die Behörde seit 2023: Reicht das für einen sofortigen Entzug der Betreuerlaubnis, oder wiegt die Berufsfreiheit schwerer?
Nach Heimkostenrückständen von über 20.000 Euro bestätigte das Gericht den Widerruf der Betreuerregistrierung zum Schutz Betreuter Symbolfoto: KIZum vorliegenden Urteilstext springen: B 8 S 25.1001
Das VG Bayreuth entschied am 18.11.2025 (B 8 S 25.1001): Der Entzug der Eintragung als beruflicher Betreuer war im Eilverfahren voraussichtlich rechtmäßig, weil er seine Pflichten über Jahre hinweg vielfach verletzte. Ein einzelner Fehler hätte dafür nicht genügt.
Eckdaten zum Urteil
Das Verwaltungsgericht Bayreuth hat den Antrag eines beruflichen Betreuers auf Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung seiner Klage gegen den Entzug seiner Registrierung abgelehnt. Die Kammer stufte den Widerruf wegen jahrelanger Pflichtverletzungen als voraussichtlich rechtmäßig ein und stellte das Schutzbedürfnis der betreuten Personen über das wirtschaftliche Interesse des Betreuers.
Der Mann war seit April 2023 nach §§ 23, 24 BtOG als beruflicher Betreuer registriert. Bereits vor dem 1. Januar 2023 hatte er berufsmäßig Betreuungen geführt und war deshalb ohne erneute Prüfung der Eignungsvoraussetzungen in das neue Register übernommen worden. Gegen den Bescheid der Stammbehörde vom 29. August 2025, mit dem die Registrierung widerrufen und die sofortige Vollziehung angeordnet wurde, erhob der Betreuer Anfechtungsklage unter dem Aktenzeichen B 8 K 25.1002 und stellte zugleich einen Eilantrag nach § 80 Abs. 5 VwGO.
Das Verwaltungsgericht Bayreuth lehnte diesen Eilantrag mit Beschluss vom 18. November 2025 ab, Aktenzeichen B 8 S 25.1001. Der Streitwert wurde auf 10.000 Euro festgesetzt. Damit bleibt der Widerruf der Registrierung vorerst vollziehbar, während über die eigentliche Klage noch nicht entschieden ist.
Die Anordnung des Sofortvollzugs erfüllte nach Auffassung der Kammer die formellen Anforderungen des § 80 Abs. 2 Satz 1 Nr. 4 und Abs. 3 Satz 1 VwGO. Diese Vorschriften verlangen eine schlüssige, konkrete und auf den Einzelfall bezogene Darlegung der Gründe, aus denen sich ein besonderes öffentliches Interesse an der sofortigen Vollziehung ergibt.
Formelle Begründungspflicht verlangt keine inhaltliche RichtigkeitskontrolleOb die behördliche Begründung inhaltlich zutrifft, ist nach Ansicht des Gerichts keine Frage der formellen Wirksamkeit der Anordnung. Diese Prüfung gehört in die materielle Interessenabwägung, die das Gericht selbst vornimmt – unabhängig davon, ob die Behörde ihre eigenen Erwägungen zutreffend gewichtet hat.
Behördliche Abwägung zwischen Berufsfreiheit und Betreutenschutz genügte dem GesetzDie Stammbehörde stützte die Vollziehungsanordnung auf den Schutz vulnerabler Betreuter vor Gefährdungen und begründete dies mit gescheiterten Vorgesprächen sowie dem Fehlen milderer Mittel. Der Betreuer machte geltend, es fehle an einer hinreichend konkreten Einzelfallbegründung, außerdem sei seine durch Art. 12 Abs. 1 GG geschützte Berufsfreiheit nicht ausreichend berücksichtigt worden.
Die Kammer sah das anders. Die Behörde habe die Berufsfreiheit des Betreuers ausdrücklich gegen den Schutz der Betreuten abgewogen und ihr Handeln im konkreten Fall begründet – damit sei § 80 Abs. 3 VwGO formell erfüllt. Mit Schreiben vom 9. Oktober 2025 hatte die Behörde die Begründung der sofortigen Vollziehung zudem noch einmal ergänzt.
Warum das Gericht von der Unzuverlässigkeit des Betreuers ausgingDie Kammer hielt den Widerruf nach § 27 Abs. 1 Nr. 1 BtOG für gerechtfertigt, weil der Betreuer als persönlich ungeeignet und unzuverlässig angesehen wurde. Bei seiner Bewertung berücksichtigte sie auch Vorgänge aus der Zeit vor der Registrierung. Die Übernahme in das neue Register erfolgte ohne erneute Prüfung der Eignungsvoraussetzungen.
Wegen fehlender Zuverlässigkeit ist zu entlassen, wem fremde Angelegenheiten nicht mehr anvertraut werden können. Das Gesetz verlangt begründete Tatsachen, die diese Annahme rechtfertigen. – so das Verwaltungsgericht BayreuthJahrelange Missachtung von Rechnungslegungs- und Berichtspflichten
In den Akten fanden sich seit 2021 fortlaufende Verzögerungen und Mängel bei Vermögensverzeichnissen, Schlussrechnungen und Betreuerberichten nach § 1863 BGB. Betreuungsgerichte mussten wiederholt Zwangsgelder androhen und festsetzen, weil Aufforderungen mehrfach gänzlich unbeantwortet blieben.
Auflaufen hoher Heimkostenrückstände gefährdete die BetreutenIn einem Betreuungsfall liefen über ein halbes Jahr Heimkosten von etwa 20.000 Euro auf – der Betreuer erklärte später, die Rechnung erst am 5. Mai 2023 begleichen zu können. In einem weiteren Fall kündigte ein Heim den Vertrag am 15. Mai 2025 wegen Zahlungsrückständen von über 20.000 Euro, die ausschließlich den Zeitraum betrafen, in dem der Mann als Betreuer bestellt war.
Der Betreuer hielt dem entgegen, es handele sich lediglich um formale Verzögerungen; er besuche seine Betreuten regelmäßig, eine konkrete Gefährdung liege nicht vor. Die Kammer wertete die Vorwürfe jedoch anders: Die Pflichtverstöße seien jahrelang und wiederholt aufgetreten, keine bloßen Einzelfälle.
Blockade der gerichtlichen Aufsicht nach § 1862 BGBDie verzögerte oder unterbliebene Vorlage von Unterlagen erschwerte nach Ansicht des Gerichts die Kontrolle durch die Betreuungsgerichte erheblich. Dadurch bestehe die konkrete Gefahr, dass Pflichtverletzungen gegenüber betreuten Personen verspätet erkannt würden und Schäden einträten. Zu einzelnen Vorwürfen, etwa zu bestimmten Abrechnungen und Heimkosten, hatte der Betreuer eingewandt, Belege seien teils nachgereicht und Mieten mit dem Bezirk geregelt worden. Auf diese isolierten Einwendungen kam es der Kammer zufolge angesichts des unbestrittenen, jahrelang pflichtwidrigen Gesamtverhaltens nicht entscheidend an.
Welche Rolle Meldeverstöße und Unregelmäßigkeiten bei Betreutenkonten spieltenNach § 25 Abs. 1 Satz 1 BtOG müssen berufliche Betreuer die von ihnen geführten Betreuungen unaufgefordert alle sechs Monate der Stammbehörde mitteilen. Zusätzlich gilt nach § 30 BtOG in Verbindung mit § 1836 BGB ein striktes Trennungsgebot zwischen verwaltetem Vermögen und eigenem Geld des Betreuers.
Beharrliche Nichtmeldung der Betreuungen an die StammbehördeSeit dem 1. Januar 2023 hatte der Betreuer trotz zusätzlicher Erinnerungs-E-Mails der Stadt nur zwei Mitteilungen eingereicht – am 16. Januar 2024 und am 10. September 2025. Er wandte ein, ein Verstoß gegen die Mitteilungspflicht liege nicht vor, weil die Gerichte stets über den Bestand der Betreuungen informiert gewesen seien. Die Kammer verwies darauf, dass die Meldepflicht gegenüber der Stammbehörde bestehe, nicht gegenüber den Betreuungsgerichten – wer diese Pflicht fortgesetzt ignoriere, entziehe sich beharrlich der behördlichen Kontrolle.
Verdacht verbotener Kontovermischung nach § 1836 BGBBei einer Rechnungsprüfung wurden wiederholte Überweisungen und Abbuchungen vom Konto einer betreuten Person auf das Konto des Betreuers festgestellt, unter anderem mit Verwendungszwecken wie „Stange Zigaretten“, privaten Auslagen oder Aufwandsentschädigungen. In einem weiteren Betreuungsverfahren fehlten Anfangsbericht, Vermögensverzeichnis, Sperrvermerke und jede Rechnungslegung vollständig.
Der Betreuer bestritt einen Verstoß gegen das Trennungsgebot; Ausgaben seien belegt und ordnungsgemäß abgerechnet worden. Die Kammer sah dennoch handfeste Anhaltspunkte für einen Verstoß gegen § 1836 BGB, weil erforderliche Nachweise und Quittungen bis in den November 2025 hinein fehlten.
Warum weder mildere Mittel noch Verfahrensrügen den Widerruf verhindertenWeder das Grundrecht der Berufsfreiheit noch behauptete Verfahrensfehler konnten den Sofortvollzug stoppen. Der Schutz hilfsbedürftiger Personen genießt nach Auffassung der Kammer Vorrang, zumal dem Betreuer zuvor ausreichend Gehör und mehrfach Gelegenheit zur Besserung eingeräumt worden war.
Denn der Antragsteller begeht schon über Jahre hinweg und somit beharrlich die aufgezeigten Pflichtverletzungen, wobei auch nicht ausgeschlossen werden kann, dass es in Einzelfällen zu einem konkreten Schaden der von ihm betreuten Personen gekommen ist. – so das Verwaltungsgericht BayreuthZwangsgelder sind kein dauerhaftes behördliches Erziehungsmittel
Der Betreuer argumentierte, der Widerruf greife unverhältnismäßig in seine Existenz und seine Berufsfreiheit ein, weil mildere Mittel wie Einzelanordnungen ausgereicht hätten. Er verwies zudem darauf, dass die vom Amtsgericht festgesetzten Zwangsgelder allesamt wieder aufgehoben worden seien, und kündigte eine Bürogemeinschaft mit einer Schreibkraft ab Herbst 2025 an.
Die Kammer folgte dem nicht. Von beruflichen Betreuern werde erwartet, dass sie ihre Pflichten ohne Zwangsmittel erfüllten. Wiederholte Zwangsgelder hätten den Betreuer allenfalls vorübergehend beeindruckt, ohne eine dauerhafte Besserung herbeizuführen – Zwangsmittel dienten der Intervention im Einzelfall, nicht der langfristigen Erziehung. Die angekündigte Bürogemeinschaft blieb bis zuletzt unrealisiert.
Gewährung rechtlichen Gehörs und Scheitern angekündigter EntlastungskonzepteDer Betreuer machte geltend, es habe vor dem Widerruf kein formelles Hinweisgespräch gegeben; im März 2025 sei lediglich besprochen worden, dass er zügiger arbeiten solle, wonach er einen Großteil der Rückstände abgearbeitet habe. Zur Anhörung selbst trug er vor, er habe das Schreiben vom 5. Juni 2025 urlaubsbedingt erst spät erhalten und dennoch binnen weniger als 14 Tagen geantwortet.
Die Kammer verwies auf Aktennotizen, die seit 2023 wiederholte Mahnungen und Gespräche durch Gerichte und Behörden dokumentierten – jeweils gefolgt von Besserungsversprechen, die nicht dauerhaft eingehalten wurden. Zur Anhörung stellte das Gericht fest, dass die Stellungnahme vom 4. Juli 2025 trotz verspäteten Eingangs vor Bescheidserlass berücksichtigt wurde; weitere Kontaktversuche der Behörde am 17. Juli und 26. August 2025 blieben erfolglos. Ein etwaiger Anhörungsfehler wäre zudem nach Art. 45 Abs. 1 Nr. 3 und Abs. 2 BayVwVfG geheilt gewesen.
Auch der Einwand, der Bescheid verstoße gegen die behördliche Jahresfrist nach Art. 49 Abs. 2 Satz 2 in Verbindung mit Art. 48 Abs. 4 BayVwVfG, überzeugte die Kammer nicht. Diese Frist beginnt erst zu laufen, wenn die Behörde den maßgeblichen Sachverhalt vollständig kennt und die Anhörung abgeschlossen ist. Da die Stellungnahme des Betreuers erst am 4. Juli 2025 einging, wäre die Frist frühestens 2026 abgelaufen – der Bescheid vom 29. August 2025 kam rechtzeitig.
Gesetzlich zwingender Widerruf ohne behördlichen ErmessensspielraumDie Behörde hatte vorgetragen, der Widerruf sei nach § 27 Abs. 1 Nr. 1 BtOG zwingend, sobald die mangelnde Zuverlässigkeit feststehe – ein Ermessen bestehe insoweit nicht. Die Kammer schloss sich dem an: Da begründete Tatsachen die Annahme rechtfertigten, dass der Betreuer die erforderliche Zuverlässigkeit nicht mehr besitzt, war die Registrierung zu widerrufen, ohne dass der Stammbehörde ein Ermessensspielraum zustand.
Für den Betreuer bedeutet die Entscheidung, dass der Widerruf seiner Registrierung vorerst vollziehbar bleibt, während über die Anfechtungsklage im Hauptsacheverfahren noch nicht entschieden ist. Die Kosten des Eilverfahrens trägt er nach § 154 Abs. 1 VwGO.
Für Berufsbetreuer, denen der Widerruf ihrer Registrierung droht, verlagert diese Entscheidung des Verwaltungsgerichts Bayreuth den Blick vom einzelnen Versäumnis auf das Gesamtbild über Jahre. Entscheidend wird in vergleichbaren Fällen sein, ob Berichte und Abrechnungen ein beharrliches Muster bilden, das Gerichte nicht mehr kontrollieren können.
Die Begründung ist konsequent, auch wenn sie hart ausfällt: Wer erst auf Zwangsgelder reagiert, dem kann man fremde Angelegenheiten kaum noch anvertrauen. Ob nachträgliche Entlastungskonzepte wie eine Bürogemeinschaft die Zukunftseinschätzung noch wenden können, musste das Gericht im Eilverfahren nicht entscheiden. Aus unserer Sicht dürfte daher zählen, dass sie lückenlose Nachweise über Fristen und Zahlungen vorhalten können, statt sich auf einzelne erledigte Rückstände zu verlassen.
Ausschlaggebend war nicht ein einzelner Vorfall, sondern das Zusammenspiel aus nur zwei Meldungen an die Stammbehörde innerhalb von zweieinhalb Jahren, ungeklärten Kontobewegungen auf das eigene Konto und jahrelang verspäteten Berichten an die Betreuungsgerichte. Hätte der Betreuer regelmäßig gemeldet und die Zahlungen an sich selbst lückenlos belegt, wäre die Prognose fehlender Zuverlässigkeit nach Auffassung des Gerichts kaum tragfähig gewesen.
Wie stark das im eigenen Fall wiegt, hängt von ähnlichen Details ab. Falls die eigenen Meldungen an die Stammbehörde regelmäßig erfolgt sind und sich das belegen lässt, könnte die Grundlage für einen Widerruf deutlich schwächer sein als in diesem Verfahren. Falls Zahlungen von einem betreuten Konto auf das eigene Konto geflossen sind, kann es entscheidend auf lückenlose Belege ankommen – fehlen sie, wiegt das schwer, selbst wenn im Übrigen alles ordnungsgemäß lief. Und falls die Behörde die Jahresfrist für einen Widerruf möglicherweise verpasst hat, kann das ein eigenständiger Angriffspunkt sein, der von der inhaltlichen Zuverlässigkeitsfrage unabhängig ist, auch wenn ein Gericht die Frist im Ergebnis anders berechnen kann.
Der Hebel liegt oft nicht in der Verteidigung einzelner Vorwürfe, sondern im Datum: Weil die Jahresfrist für den Widerruf erst mit vollständiger Kenntnis und abgeschlossener Anhörung beginnt, kann sich der Fristlauf um Monate verschieben. Wie das im eigenen Bescheid zu bewerten ist, lässt sich aus den Schreiben allein selten zuverlässig einschätzen.
Gegen einen Widerrufsbescheid muss die Anfechtungsklage innerhalb eines Monats nach Zugang erhoben werden – wer diese Frist verstreichen lässt, verliert die Möglichkeit, sich gegen den Widerruf zu wehren. Wer einen solchen Bescheid erhalten hat, sollte sich vor Ablauf dieser Frist bei uns melden.
Ob Ihre Lage näher an diesem Verfahren liegt oder an anderer Stelle abweicht, zeigt sich am besten im Gespräch – fragen Sie dazu unverbindlich unsere Ersteinschätzung an.
Bei angeordnetem Sofortvollzug bleibt der Widerruf Ihrer Registrierung trotz Anfechtungsklage vorerst vollziehbar; die bloße Klage berechtigt nicht zur Weiterarbeit als registrierter Berufsbetreuer. Das Verwaltungsgericht Bayreuth lehnte den Eilantrag auf Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung am 18. November 2025 ab.
Nach § 80 Abs. 2 Satz 1 Nr. 4 VwGO entfällt die aufschiebende Wirkung einer Klage, wenn die Behörde die sofortige Vollziehung besonders anordnet. Nur ein erfolgreicher Antrag nach § 80 Abs. 5 VwGO kann diese Wirkung vorläufig wiederherstellen. Im entschiedenen Fall hielt das Gericht den Widerruf nach § 27 Abs. 1 Nr. 1 BtOG voraussichtlich für rechtmäßig. Es gewichtete den Schutz der betreuten Personen höher als das wirtschaftliche Interesse des Betreuers. Über die Anfechtungsklage im Hauptsacheverfahren ist damit noch nicht entschieden, der Widerruf bleibt bis dahin jedoch vollziehbar.
Bei Bestandsbetreuern, die ohne erneute Eignungsprüfung in das Register übernommen wurden, dürfen Pflichtverstöße aus der Zeit vor der Registrierung in die Zuverlässigkeitsprognose einbezogen werden. Der Registrierungsakt bildet in diesem Fall keine zeitliche Zäsur für die Prüfung nach § 27 Abs. 1 Nr. 1 BtOG.
Nach § 27 Abs. 1 Nr. 1 BtOG ist die Registrierung zu widerrufen, wenn begründete Tatsachen für fehlende Zuverlässigkeit vorliegen. Die Kammer bewertete deshalb nicht nur das Verhalten seit April 2023, sondern das berufliche Gesamtverhalten des Betreuers. Dazu gehörten fortlaufende Verzögerungen bei Vermögensverzeichnissen, Schlussrechnungen und Berichten nach § 1863 BGB seit 2021. Auch wiederholte Zwangsgeldverfahren und Heimkostenrückstände von jeweils etwa 20.000 Euro flossen in die Bewertung ein. Entscheidend war die jahrelange Kontinuität der Pflichtverletzungen, nicht allein deren Zeitpunkt.
Offengelassen hat das Gericht, ob dieselbe Bewertung bei einer Registrierung nach vollständiger erneuter Eignungsprüfung gelten würde. Im entschiedenen Fall trug gerade die fehlende Prüfung die Einbeziehung älterer Pflichtverstöße.
Steht die fehlende Zuverlässigkeit aufgrund begründeter Tatsachen fest, muss die Stammbehörde die Registrierung nach § 27 Abs. 1 Nr. 1 BtOG widerrufen. Für mildere Mittel wie Einzelanordnungen besteht dann kein behördlicher Ermessensspielraum.
Die Vorschrift knüpft den Widerruf an eine negative Zuverlässigkeitsprognose, wenn betreute Personen dadurch gefährdet werden können. Im entschiedenen Fall beruhten die Zweifel auf jahrelangen und wiederholten Pflichtverletzungen bei Berichten, Rechnungen und Mitteilungen. Wiederholte Zwangsgeldandrohungen und Festsetzungen führten nach Einschätzung der Kammer lediglich zu vorübergehenden Verbesserungen. Solche Zwangsmittel greifen einzelne Verstöße auf, ersetzen aber keine dauerhaft zuverlässige Pflichterfüllung. Deshalb änderten auch aufgehobene Zwangsgelder nichts an der Bewertung des Gesamtverhaltens.
Die angekündigte Bürogemeinschaft mit einer Schreibkraft stellte ebenfalls kein tragfähiges milderes Mittel dar, weil sie bis zuletzt nicht umgesetzt worden war. Das Gericht entschied nicht, ob bei erstmaligen oder vereinzelten Verstößen eine andere Bewertung möglich wäre; maßgeblich war die jahrelange Beharrlichkeit.
Das Gericht prüft formell nur, ob die Behörde ein besonderes Vollzugsinteresse schlüssig und einzelfallbezogen dargelegt hat, während es die materielle Interessenabwägung selbst vornimmt. Entscheidend sind dabei der Schutz betreuter Personen und das gegenläufige berufliche Interesse.
Nach § 80 Abs. 3 Satz 1 VwGO muss die Behörde die Gründe für den Sofortvollzug konkret auf den Einzelfall beziehen. Eine inhaltliche Richtigkeitskontrolle dieser Begründung findet in diesem Prüfungsschritt jedoch nicht statt. Im entschiedenen Fall verwies die Stammbehörde auf den Schutz vulnerabler Betreuter, gescheiterte Vorgespräche und fehlende mildere Mittel. Außerdem wog sie die Berufsfreiheit aus Art. 12 Abs. 1 GG ausdrücklich ab und ergänzte ihre Begründung am 9. Oktober 2025. Damit war die formelle Begründungspflicht nach Auffassung des Gerichts erfüllt.
Ob die Behörde diese Gesichtspunkte inhaltlich richtig bewertet hatte, prüfte das Gericht anschließend im Rahmen seiner eigenen Interessenabwägung. Eine formell ausreichende Begründung beseitigt deshalb nicht die entscheidende Frage, ob der Widerruf voraussichtlich rechtmäßig ist.
Hinweis/Disclaimer: Teile der Inhalte dieses Beitrags, einschließlich der FAQ, wurden unter Einsatz von Systemen künstlicher Intelligenz erstellt oder überarbeitet und anschließend redaktionell geprüft. Die bereitgestellten Informationen dienen ausschließlich der allgemeinen unverbindlichen Information und stellen keine Rechtsberatung im Einzelfall dar und können eine solche auch nicht ersetzen. Trotz sorgfältiger Bearbeitung kann keine Gewähr für Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität übernommen werden. Die Nutzung der Informationen erfolgt auf eigene Verantwortung; eine Haftung wird im gesetzlich zulässigen Umfang ausgeschlossen.
Wenn Sie einen ähnlichen Fall haben und konkrete Fragen oder Anliegen klären möchten, kontaktieren Sie uns bitte für eine individuelle Prüfung Ihrer Situation und der aktuellen Rechtslage.
* Der vollständige Urteilstext wurde ausgeblendet, um die Lesbarkeit dieses Artikels zu verbessern. Klicken Sie auf den folgenden Link, um den vollständigen Text einzublenden.
→ Lesen Sie hier den vollständigen Urteilstext…Hinweis: Informationen in unserem Internetangebot dienen lediglich Informationszwecken. Sie stellen keine Rechtsberatung dar und können eine individuelle rechtliche Beratung auch nicht ersetzen, welche die Besonderheiten des jeweiligen Einzelfalles berücksichtigt. Ebenso kann sich die aktuelle Rechtslage durch aktuelle Urteile und Gesetze zwischenzeitlich geändert haben. Benötigen Sie eine rechtssichere Auskunft oder eine persönliche Rechtsberatung, kontaktieren Sie uns bitte.
| # | Наименование новости | Тональность | Информативность | Дата публикации |
|---|---|---|---|---|
| 1 | Nicht-Katalogtat: Makler verliert vier Gewerbeerlaubnisse | 0 | 22.72 | 03-08-2026 |
| 2 | Widerruf der Anwaltszulassung wegen fehlender äußerer Erkennbarkeit der Kanzlei bestätigt | 0 | 20.17 | 17-09-2026 |
| 3 | Widerruf der Genehmigung für Krankentransporte: Zwei Fahrten ohne Erlaubnis genügen | 0 | 23.34 | 04-09-2026 |
| 4 | Abtretung von Forderungen im Insolvenzplan bleibt trotz möglicher Inkasso-Mängel wirksam | 0 | 25.96 | 16-09-2026 |
| 5 | Widerruf der ärztlichen Approbation: Arzt darf sofort nicht praktizieren | 0 | 23.88 | 03-08-2026 |
| 6 | Lehrgangsgebühren: Zulassung der Berufung wegen verspäteter Klage abgelehnt | 0 | 26.08 | 13-09-2026 |
| 7 | Rückzahlung von Spieleinsätzen: Spielverträge ohne Erlaubnis nichtig | 0 | 22.49 | 15-09-2026 |
| 8 | Vertragsstrafe nach Unterlassungserklärung: Bank siegt bei Entgeltangaben | 0 | 21.78 | 16-09-2026 |
| 9 | Детей могут обязать платить за уход за родителями | -3 | 6 | 20-06-2026 |
| 10 | Patchwork-Kinderbetreuung: Kein Entschädigungsanspruch nach dem IfSG für soziale Eltern | 0 | 20.84 | 15-09-2026 |