Wo früher Moorbäder und Saunagänge zur Genesung beitragen sollten, entstehen künftig leuchtende, bewegliche Kunstwerke. Im "Badehaus" der Beelitzer Heilstätten eröffnet im September die Medienkunstausstellung "Nebula" in mehr als 100 Jahre alte Architektur.
"Nebula" Lichtkunst und Sternenwolken ziehen in die Beelitzer Heilstätten
Eine schwere Holzflügeltür führt hinein in das "Badehaus" der Beelitzer Heilstätten (Potsdam-Mittelmark). Hohe, bleiverglaste Fenster zieren den Eingangsbereich, geschwungene Treppengeländer und historische Fliesen erinnern an die ursprüngliche Nutzung des mehr als 100 Jahre alten Gebäudes. Seit 2020 wird das Badehaus aufwendig saniert – rund 25 Millionen Euro fließen in die Sanierung des historischen Gebäudes.
Hinter einem schwarzen Vorhang verschwindet das Tageslicht, selbst die großen Rundbogenfenster sind abgedunkelt. Hier beginnt die "Nebula": Ab dem 5. September bespielen Licht, Laser und Projektionen die historischen Räume und lassen Wände und Decken zum Teil sogar in Bewegung geraten.
Herzstück ist der Kuppelsaal. Durch eine alte Glastür gelangen Besucher in den Raum, in dessen Mitte noch immer ein historisches Kältebecken steht. Früher haben sich die Patienten der Beelitzer Heilstätten hier nach Saunagängen abgekühlt. Heute wird das Wasser mit Licht dargestellt, ein Plätschern kommt aus den Boxen. Gleichzeitig scheint sich über den Köpfen der Besucher die Kuppeldecke zu bewegen und zu öffnen. Die Idee des Künstlerkollektivs war es, mit der Installation "unmögliche Welten" freizulegen, sagt Co-Initiator Richard Oeckel.
Dazu passt auch der Name der Ausstellung: "Nebula" bedeutet Sternenwolke. "Wir haben den Namen gewählt, weil eine Sternenwolke auch ein entrückter Ort ist, wo etwas Neues entstehen kann", erklärt Oeckel.
Eine der beteiligten Künstlerinnen ist Annika Hippler. Sie malt gewissermaßen mit Licht. Hinter einer klassischen Leinwand sind verschiedenfarbige Laser und Folien installiert, die die Strahlen brechen. So entsteht auf der Leinwand ein abstraktes Bild.
Andere Installationen reagieren auf die Besucher. Bewegungen lösen Lichtimpulse aus und verändern die Werke, begleitet von ruhigen atmosphärischen Klängen. In einem ehemaligen Behandlungsraum hängt eine Baumwurzel an einer Wand. Durch Projektionen scheint sie sich immer wieder zu verwandeln: vom natürlichen Objekt zu einer beinahe technischen Form und wieder zurück. Natur und Technik gehen ineinander über.
Es gehe darum, den "atmosphärischen Ort stimmungsvoll zu erweitern und mit dem Bestehenden zu arbeiten", sagt der künstlerische Leiter Marcel Bückner. Die digitale Technik soll laut Bückner das historische Gebäude nicht verdrängen. Die Medientechnik werde bewusst behutsam in die Architektur integriert.
Die Beelitzer Heilstätten gehören zu den größten historischen Krankenhausanlagen im Berliner Umland. Zwischen 1898 und 1930 entstand auf rund 200 Hektar ein Komplex mit etwa 60 heute denkmalgeschützten Gebäuden.
Das Badehaus gehörte einst zu den modernsten Gebäuden der Lungenheilstätte. Heute würde man von einem Wellnessbereich sprechen: Die Patienten bekamen Moor- und Dampfbäder, es gab Ruheräume und sogar einen Fitnessraum. "Das Badehaus war für die damalige Zeit unheimlich modern. Wenn da jetzt moderne Kunst reinkommt, dann passt das ganz toll", sagt Irene Krause. Sie beschäftigt sich seit Jahren mit der Geschichte der Heilstätten und führte früher Besucher durch den ehemaligen Lost Place. Nach der Nutzung als Lungenheilstätte, Lazarett und später sowjetisches Militärhospital standen große Teile nach 1994 leer. Die Heilstätten wurden zum Lost Place, zur Kulisse für Gruseldrehs und Fotoshootings. Teilweise wuchsen Bäume durch die Dächer.
Während einige Gebäude in Beelitz Heilstätten ihren Charme als Lost Place behalten und inzwischen als Besucherattraktion rund um einen Baumkronenpfad und einen Barfußpark genutzt werden, werden viele Gebäude aufwendig saniert und neu genutzt. Auch "Nebula" soll sich in Heilstätten dauerhaft etablieren. Das Projekt wird komplett von Kunst- und Kulturschaffenden realisiert und kommt ohne öffentliche Fördergelder aus. Alle sechs Monate sollen sich die Inhalte der Ausstellung verändern, neue Werke, Welten und Geschichten entstehen.
"Wir wollen in den kommenden Jahren einen bedeutenden Ort für Medienkunst aufbauen – eine Plattform, wie es sie in Brandenburg bislang nicht gibt", sagt der künstlerische Leiter Marcel Bückner. Lichtkunst sei normalerweise flüchtig und oft nur für kurze Zeit zu sehen. In Beelitz soll daraus ein langfristiges Projekt werden.
Sendung: rbb24 Brandenburg Aktuell, 24.08.2026, 19:30 Uhr
Video: rbb24 Brandenburg Aktuell, 24.08.2026, Julia Baumgärtel
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