Zum 55. Mal zog der Erntedankzug durch den Kalkarer Ortsteil Wissel. Eine bestens aufgelegte Erntekönigin und liebevoll geschmückte Wagen prägten das Fest. Doch auch die Sorgen nach dem trockenen Sommer fanden ihren Platz.
27.09.2026 · 11:58 Uhr
Erntedankzug in Wissel: Die schönsten Bilder vom großen Fest
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Wissel · Zum 55. Mal zog der Erntedankzug durch den Kalkarer Ortsteil Wissel. Eine bestens aufgelegte Erntekönigin und liebevoll geschmückte Wagen prägten das Fest. Doch auch die Sorgen nach dem trockenen Sommer fanden ihren Platz.
Selten sind im Kalkarer Ortsteil Wissel so viele Menschen auf den Beinen wie beim Erntedankfest. Dichtgedrängt standen sie am Samstag in der Dorfmitte und warteten auf den feierlichen Beginn des Erntezuges. Gleich zwei Jubiläen galt es zu feiern, und daher waren es in diesem Jahr bei sonnigem Herbstwetter besonders viele: Der Erntedankzug in Wissel besteht seit 55 Jahren, und die Damen-Schützen, der Verein, der in diesem Jahr die Erntekönigin stellte, begehen ihr 50. Jahr. Michaela Kusenberg wählten sie aus ihrer Mitte zur Erntekönigin. „Das ist ein besonderer Tag für mich. Ich freue mich riesig, gerade in diesem Jahr Erntekönigin zu sein“, sagte sie.
Alexandra Schacky, seit ziemlich genau einem Jahr Bürgermeisterin von Kalkar und in dieser Rolle zum ersten Mal beim Wisseler Erntedank dabei, sagte: „Was für ein wunderbares Fest. Heute können wir innehalten und betrachten, was wir haben. Trotz aller Krisen um uns herum, fangen wir bei uns an, in der Familie, in der Nachbarschaft, im Dorf. Dies ist heute ein zuversichtliches Fest.“ Das Dünenorchester Wissel spielte zu Ehren der Erntekönigin ein „Hoch soll sie leben“, dann sorgte Marco Fischer, der Vorsitzende der Erntegemeinschaft, für den Start des Zuges.
25 Zugnummern waren zu sehen, zwölf Vereine, Schulen, Kindergärten und Nachbarschaftsgemeinschaften beteiligt. Wie üblich moderierte Jens Cerrejon Morais von der Erntegemeinschaft jede einzelne Zugnummer an, und die Zuschauenden applaudierten. Vorneweg gingen die Kleinsten, die Kindergartenkinder mit ihren Eltern. Sonnenblumen waren ihr Thema, sie leuchteten in der warmen Herbstsonne.
Ein Erntedankzug nach dem Hitzesommer 2026 kann nicht ignorieren, dass die Landwirte wegen der Trockenheit große Sorgen haben. So hatte die Grundschule St. Luthard den Regen zum Thema, der in diesem Sommer der Natur gefehlt hat. „Ohne Regen kann’s nix geben“ war auf ihren Plakaten zu lesen, ihre Regenschirme waren mit vielen blauen Tropfen dekoriert.
Einen großen Anhänger, geschmückt mit unzähligen gelben Blüten, zogen die Mitglieder des Tambourcorps. Hühner und Hühnerei waren ihr Thema. Und auf dem geräumigen Anhänger waren mehrere Hühner unterwegs, die völlig entspannt das bunte Treiben um sie herum ertrugen. Sie pickten Körner und tranken am Wasserspender.
Jeder einzelne Wagen war mit viel Liebe geschmückt worden. So hatte die Löschgruppe Wissel ein riesiges Wasserrad gebaut und wies darauf hin, dass Wasser Leben schenke und Kraft gebe. Auch das „Lindeneck“ griff mit einer übergroßen Weltkugel das Thema auf, dass die Natur schützenswert sei. Die Jungschützen kamen mit einer Prise Humor daher: „Ein Pils unter Pilzen“ lautete das Motto ihres Wagens, auf dem unter großen Fliegenpilzen Bierflaschen drapiert waren.
Ebenfalls mit einem Schmunzeln und rauchenden Zigarren zwischen den Lippen gingen die Schützen hinter ihrem Wagen her. Dieser war mit großen Tabak-Blättern geschmückt und erinnerte an den Tabakanbau in Wissel. „Kräuter sind wie Freunde – sie verfeinern das Leben“ titelte der Wagen des Fußballvereins „BV Sturm Wissel“. Nicht nur am Marktplatz, sondern entlang aller Straßen bis zum Wisseler Seeufer schauten viele Besucher zu.
Dort gab es einen Stopp für den ökumenischen Gottesdienst, den Pastor Alois van Doornick von der katholischen und Pfarrerin Christel Hagen von der evangelischen Kirchengemeinde gestalteten. Thema war der Klimawandel. „Das Wetter ist schön, das Klima schlecht“, sagte Christel Hagen in ihrer Predigt. Schonungslos beschrieb sie, wie der Klimawandel, den sie eine „Klimakatastrophe“ nannte, sich zu einer Bedrohung entwickele. Sie appellierte daran, sich „gemeinsam der Wahrheit zu stellen“ und nicht „zu leugnen, was kommt“. „Wir sollten alles daransetzen, so zu leben, dass auch alle anderen Menschen leben können“, schloss sie.
Alois van Doornick dankte ihr für die „ehrlichen, aufrichtigen Worte“, und die Gottesdienstbesucher applaudierten. Der Erntedankzug setzte seinen Weg zurück zum Marktplatz fort, wo alle acht Musikgruppen ein gemeinsames Konzert gaben und danach in der Festhalle der Ernteball auf dem Programm stand.
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