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Wahlen im Osten | Campact sammelt drei Millionen Euro gegen die AfD

Дата публикации: 03-08-2026 13:01:00

Spendenaktion vor Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern enorm erfolgreich. NGO will selbst in Wahlkampf eingreifen.

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Schon in den ostdeutschen Landtagswahlkämpfen 2024 intervenierte Campact unter anderem in Thüringen, um die AfD zu schwächen.

Schon in den ostdeutschen Landtagswahlkämpfen 2024 intervenierte Campact unter anderem in Thüringen, um die AfD zu schwächen.

Foto: dpa/Heiko Rebsch

Eine Spendenkampagne, mit der die Kampagnenorganisation Campact einen Erfolg der AfD bei den anstehenden Landtagswahlen im Osten verhindern will, hat die Marke von drei Millionen Euro geknackt. Am frühen Montagnachmittag stand eine Spendensumme von 3 025 423 Euro zu Buche. Damit wird das Wahlkampfbudget der AfD für Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern deutlich übertroffen.

Spenden in Höhe dieses Wahlbudgets einzuwerben, war das ursprüngliche Ziel der im Oktober 2025 gestarteten Aktion. Die in mehreren Bundesländern als gesichert rechtsextrem eingestufte Partei greift in beiden Ländern nach der Macht und will in Sachsen-Anhalt sogar den Ministerpräsidenten stellen. Der »NoAfD-Fonds« von Campact soll dazu beitragen, das zu verhindern. Man wolle »jeden Euro der AfD mit einem Demokratie-Euro kontern«, sagte Felix Kolb, geschäftsführender Vorstand von Campact. Am 10. Juli vermeldete die Organisation, das Ziel erreicht zu haben, wozu rund 60 000 Spender beigetragen hätten. Danach habe man kein neues Spendenziel ausgegeben, setze die Sammlung aber fort, sagte ein Sprecher jetzt dem »nd«: »Denn jeder weitere Euro stärkt die Initiativen der Zivilgesellschaft vor Ort und die entsprechenden eigenen Maßnahmen von Campact.«

Mit dem eingeworbenen Geld will Campact zum einen Initiativen aus der Zivilgesellschaft und Demokratieprojekte unterstützen, die sich in den beiden Bundesländern der AfD entgegenstellen. Dafür sind 50 Prozent der Mittel vorgesehen, aktuell also bereits anderthalb Millionen Euro. Derzeit würden 50 große und viele weitere kleine Projekte aus dem Fonds unterstützt, hieß es auf Anfrage. In Sachsen-Anhalt betrifft das beispielsweise den Verein LAMSA, der die politischen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Interessen der Bevölkerung mit Migrationsgeschichte vertritt. Andere Projekte leisteten Demokratiebildung oder organisierten Plakataktionen, Demonstrationen und Kulturveranstaltungen auf dem Land. Die vollständige Liste der Empfänger will Campact nicht vor der Wahl veröffentlichen – »aus Sicherheitsgründen«, wie es heißt. Sie solle erst im Transparenzbericht der Organisation für 2026 publiziert werden.

»Zehntausende Menschen machen mit ihren Spenden deutlich: Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt sind nicht braun, sondern bunt und demokratisch.«

Luise Neumann-Cosel Leiterin Politik und Kampagnen bei Campact

Zudem plant Campact, mit eigenen Aktionen in den Wahlkampf einzugreifen. Es gehe um Aktionen, um »die Demokratie zu stärken« sowie »den Machtgewinn der AfD zu verhindern«, heißt es auf der Kampagnenseite. Details dazu, wie die Aktionen genau aussehen sollen, will Campact nach nd-Informationen voraussichtlich Mitte August vorstellen. Dann bleiben bis zur Abstimmung in Sachsen-Anhalt allerdings noch maximal drei Wochen.

Die Kampagnenorganisation hat auch in früheren Wahlkämpfen in Ostdeutschland mit dem Ziel interveniert, den Einfluss der AfD zu verringern. In Thüringen verschickte man 2024 gemeinsam mit der Gedenkstätte Buchenwald Briefe an alle Bürger über 60, in denen Parallelen zwischen der AfD und dem Nationalsozialismus aufgezeigt wurden. In Sachsen rief eine Campact-Kampagne zum strategischen Wählen auf, um Grünen und Linken über den Gewinn von Direktmandaten den Einzug in den Landtag zu ermöglichen und so eine Sperrminorität der AfD im Parlament zu verhindern. Die Aktion hatte Erfolg, war aber selbst in den Parteien, denen sie zugutekam, nicht unumstritten. In Mecklenburg-Vorpommern fuhr Campact im vergangenen Jahr eine Anzeigenkampagne, um in der Stichwahl den Erfolg von AfD-Bewerbern bei vier Landratswahlen zu verhindern.

In Sachsen-Anhalt könnte das Ziel darin bestehen, SPD und Grünen über die Fünf-Prozent-Hürde zu helfen. Gelänge beiden Parteien der Sprung in den Landtag, würden die Chancen der AfD auf eine Alleinregierung sinken. Nach Veröffentlichung der jüngsten Wahlumfrage kommentierte Campact in den sozialen Netzwerken: »Das ist GROß!« Zwar rangiert die AfD demnach noch immer bei 41 Prozent. Allerdings wären den aktuellen Zahlen zufolge neben CDU (24 Prozent) und Linke (13 Prozent) auch SPD (sieben Prozent) und Grüne (fünf Prozent) im künftigen Landtag vertreten. Damit sei »eine demokratische Mehrheit möglich«, hieß es bei Campact: »Alles ist offen.«

Generell tritt die Organisation dem verbreiteten Bild von einem an die extreme Rechte bereits verlorenen Osten entgegen. Dass dies nicht zutreffe, belege auch die enorme finanzielle Unterstützung für den NoAfD-Fonds. »Zehntausende Menschen machen mit ihren Spenden deutlich: Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt sind nicht braun, sondern bunt und demokratisch«, sagte Luise Neumann-Cosel, Leiterin Politik und Kampagnen bei Campact, und fügte an: »Die AfD mag Millionen in ihren Wahlkampf stecken, doch ihr steht eine starke demokratische Zivilgesellschaft gegenüber.«

Diese organisiert sich in Sachsen-Anhalt beispielsweise im Bündnis »Sachsen-Anhalt. Weltoffen!«, das seit April aktiv ist und bereits von fast 300 Vereinen, Initiativen und Organisationen sowie von fast 170 Einzelpersonen unterstützt wird. Das Bündnis macht in einem Kalender zum Beispiel laufend auf Aktionen der Zivilgesellschaft während des Wahlkampfes aufmerksam. In dieser Woche gehören dazu eine Radtour für Menschenrechte oder ein Online-Format des Vereins Miteinander, in dem darüber geredet wird, »was demokratische Akteur*innen gerade brauchen«. Für den Tag vor der Wahl mobilisiert das Bündnis zu einem großen Demokratiefest auf dem Magdeburger Domplatz, auf dem man »gemeinsam ein Ausrufezeichen für Demokratie, Vielfalt und Zusammenhalt« setzen wolle. Auch das Bündnis »Sachsen-Anhalt. Weltoffen!« wird unter anderem von Campact gefördert.

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