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Anwalt: "Graffiti wird in Berlin sehr hart verfolgt"

Дата публикации: 16-08-2026 05:15:43

Wer in Berlin Wände besprüht, die dafür nicht freigegeben sind, muss grundsätzlich mit Strafe rechnen. Aber es gibt Unterschiede, sagt Anwalt Florian Schoenrock.


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Anwalt zu Sprayen in Berlin "Graffiti wird in Berlin sehr hart verfolgt"

Ein Mensch sprüht mit einer Spraydose ein Graffiti an eine Wand.  (Quelle: picture alliance/Photothek Media Lab/Kira Hofmann)
Ein Mensch sprüht mit einer Spraydose ein Graffiti an eine Wand. (Quelle: picture alliance/Photothek Media Lab/Kira Hofmann)

Wer in Berlin Wände besprüht, die dafür nicht freigegeben sind, muss grundsätzlich mit Strafe rechnen. Aber es gibt Unterschiede, sagt Anwalt Florian Schoenrock.

rbb: Das Sprühen von Graffitis wird als Sachbeschädigung geahndet. Welches Strafmaß erwartet denn Sprayer:innen, die erwischt werden?

Florian Schoenrock: Wenn man als Jugendlicher Graffiti malt, kann man durchaus noch damit rechnen, dass das Verfahren nach einem Gespräch mit der Polizei oder der Jugendgerichtshilfe eingestellt wird. Diversionsmaßnahme heißen solche Gespräche.

Für Erwachsene ist es so, dass grundsätzlich eine Geldstrafe droht. Auch hier kann aber das Verfahren noch eingestellt werden, manchmal gegen Zahlung einer Geldauflage, die sich meistens zwischen 500 und 800 Euro bewegt bei einem einfachen Graffiti.

Kommt man aber in den Bereich, wo man gemeinschädliche Sachbeschädigung hat oder der öffentliche Personennahverkehr betroffen ist, wird in Berlin sehr rigoros verfolgt. Da sind Einstellungen eher selten. Und da ist die Amtsanwaltschaft, die dafür zuständig ist, auch sehr hinterher.

Zur Person

Florian Schoenrock ist Anwalt für Strafrecht in Berlin. Er verteidigt seit vielen Jahren in Graffiti-Verfahren.

rbb: Wird illegales Graffiti immer strafrechtlich verfolgt? Oder nur wenn jemand die Tat anzeigt?

Schoenrock: Nicht unbedingt nur dann, wenn es eine Anzeige gibt. Eine Hauswand beispielsweise hat ja eine öffentliche Außenwirkung. Da kann man auch ein öffentliches Interesse bejahen oder es gibt ja auch politische Graffiti, die ohne Strafantrag verfolgt werden. Das macht dann die Amtsanwaltschaft. Dort arbeiten vier Sondersachbearbeiter:innen. Die interessiert aber nicht jedes Graffiti, das irgendwo gesprüht wurde, sondern die kümmern sich um Leute, die häufig sprayen. Da nehmen sie ein öffentliches Interesse an und verfolgen das sogar gegen den Willen desjenigen, dessen Hauswand oder was auch immer da besprüht wurde.

Sie können davon ausgehen, dass bei der BVG und bei der S-Bahn natürlich immer das Interesse da ist. Aber ich hatte schon Fälle, da war eine Kita, die gesagt hat: Wir finden die Wand jetzt schöner als vorher. Das hat aber die Amtsanwaltschaft in dem Fall nicht interessiert und die haben das trotzdem verfolgt. Also es kam zu einer Verhandlung. Graffiti wird in Berlin sehr hart verfolgt im Vergleich zu anderen Städten.

rbb: Der North Side Gallery droht die Schließung. Welche Konsequenzen wird das Ihrer Meinung nach haben?

Schoenrock: Jede legale Fläche, die wegfällt, stellt ein Problem dar. Sie können sich das fast so vorstellen, wie wenn ein kleines Theater oder ein Kino schließt. Ich stelle in dem Zusammenhang gern die Frage: Wie viele Jugendplätze kennen Sie in Berlin? Sie kennen jede Menge Spielplätze, aber wie viele Jugendplätze kennen Sie, wo man was machen kann?

Da geht es nicht darum, ob Graffiti einem gefällt oder nicht gefällt. Wenn irgendein Architekt ein Gebäude baut, gefällt es auch nicht jedem, aber das gehört eben zum Stadtbild dazu. Es kommen viele Touristen nach Berlin, um sich Graffiti anzuschauen. Berlin verkraftet es, wenn wir die North Side Gallery offenlassen.

Vielen Dank für das Gespräch.

Sendung: rbb|24, 16.08.2026, 07:15 Uhr
Audio: rbb|24, 16.08.2026, Henrike Möller im Gespräch mit Florian Schoenrock

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