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Sommerinterview mit Florian Spaniol: „Wer linke Mehrheiten im Saarland will, kann nur die Linke wählen“

Дата публикации: 18-09-2026 03:00:00




Im Interview mit der Saarbrücker Zeitung erklärt der Linken-Landesvorsitzende Florian Spaniol, warum der 25-Jährige seiner Partei gute Chancen bei der kommenden Wahl ausrechnet und warum es für die Saar-Linke erstmals Rückenwind aus dem Bund geben könnte.



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Sommerinterview mit Florian Spaniol „Wer linke Mehrheiten im Saarland will, kann nur die Linke wählen“

Interview | Saarbrücken · Im Interview mit der Saarbrücker Zeitung erklärt der Linken-Landesvorsitzende Florian Spaniol, warum der 25-Jährige seiner Partei gute Chancen bei der kommenden Wahl ausrechnet und warum es für die Saar-Linke erstmals Rückenwind aus dem Bund geben könnte.

18.09.2026 , 05:00 Uhr

Florian Spaniol, Landesvorsitzender der Linken im Saarland, hofft bei der Landtagswahl auf Rückenwind aus dem Bund.

Florian Spaniol, Landesvorsitzender der Linken im Saarland, hofft bei der Landtagswahl auf Rückenwind aus dem Bund.

Foto: Christine Funk

Die Linke ist in Sachsen-Anhalt unter die Räder und am Ende nur auf 8,6 Prozent gekommen, deutlich weniger als erwartet. Vermutlich auch, weil Wähler taktisch und damit eher SPD und Grüne gewählt haben. Haben Sie Sorge, dass das in Mecklenburg-Vorpommern auch passiert?

Spaniol Ich denke nicht. Dort ist die Ausgangslage eine andere. Wir sind an der Regierung beteiligt, unter anderem mit einer Bildungsministerin, die eine hohe Popularität genießt. Auch dort wird es wohl eine sehr starke AfD geben. Ich glaube aber, dass wir dort ein besseres Ergebnis für Die Linke erleben werden.

Glauben Sie, dass dieses Risiko auch bei den kommenden Wahlen, etwa im Saarland, besteht – dass viele Wähler taktisch wählen?

Spaniol Diese Dynamik, dass wir unter die Räder kommen, sehen wir nicht. Ich glaube auch, dass im Saarland im Wahlkampf die Themen im Fokus stehen werden. Wir kämpfen für linke Mehrheiten im Saarland. Zentrale Themen sind dabei die Bezahlbarkeit des Lebens, Bildung, kostenloses Essen in Kitas und Schulen, kleinere Klassen, mehr Lehrer und die wohnortnahe Gesundheitsversorgung. Es gibt genug Themen.

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Foto: Uncredited/AP/dpa/Uncredited

Am Ende dürfte es vermutlich auf einen Dreikampf an der Spitze zwischen SPD, CDU und AfD hinauslaufen. Das wird für die Kleinen schwer.

Spaniol Für uns ist ganz klar, dass wir uns von diesen Machtlogiken lösen müssen. Politik verstehen wir anders. Und ich glaube, das tun auch die Menschen. Sie werden schauen, welche Partei ihnen Hoffnung gibt. Wir schaffen bereits in der außerparlamentarischen Opposition Verbesserungen – inhaltlich, aber auch ganz konkret. Wir bieten Sozialberatung an, etwa zu den Fragen Wohnen oder Antragstellungen. Darauf können wir aufbauen. Wir werden auf das setzen, was junge Menschen bewegt. Dazu gehört das Thema Wohnkosten. Die Pestel-Studie hat erneut gezeigt, dass die Wohnsituation für junge Menschen prekär ist. Das können wir nicht akzeptieren. Das werden wir deutlich machen und Lösungen aufzeigen – etwa eine Landesbaugesellschaft, die sich genau darum kümmert. Dann werden wir Linke auch gut abschneiden.

Die erste Wahl seit der Neuaufstellung des Landesverbandes mit Ihnen an der Spitze war die Wahl zur Regionalversammlung. Dort sind Sie auf neun Prozent gekommen – etwas schlechter als der aktuelle Bundestrend, der bei etwa zwölf Prozent liegt.

Spaniol Das war ein gutes Ergebnis. Auch im ländlicheren Bereich sind wir in jeder Gemeinde auf mehr als fünf Prozent gekommen. Das zeigt, dass wir inzwischen auch dort breit verankert sind. Diese Verankerung müssen wir nutzen. Wir hatten allein nach der Wahl in Sachsen-Anhalt Eintritte im zweistelligen Bereich. Das sind vor allem junge Menschen, die eine Perspektive im Land suchen. Die wollen wir natürlich einbinden.

Sie sprechen die vielen jungen Mitglieder an. Viele sind sicher auch wegen der aktuellen Bundesspitze – Stichwort Reichinnek-Effekt – eingetreten. Wird das nicht zu einer gewissen Ernüchterung führen, wenn sie sich dann plötzlich mit Dingen wie Landesentwicklungsplänen auseinandersetzen müssen?

Spaniol Nein. Ich glaube, man sollte nicht unterschätzen, was man in einem Land bewegen kann. Die Landespolitik hat viele Hebel – auch bundespolitisch. Diese Kürzungspolitik von Friedrich Merz wird auch von der Landesregierung im Bundesrat mitgetragen. Am Ende geht es doch überall um die Frage, wie die Menschen am Ende des Monats mehr Geld im Geldbeutel haben können. Unser Vorschlag für kostenloses Essen in Kitas und Schulen würde eine Familie mit zwei Kindern netto um rund 180 Euro pro Monat entlasten. Auch beim Wohnen können wir Antworten geben. Im Saarland hat es die Landesregierung nicht mal geschafft, die Mietpreisbremse per Verordnung zu aktivieren. Wir wollen das ändern. Es lässt sich also etwas bewegen. Deshalb bin ich sicher, dass die Motivation hoch sein wird.

Die Saar-Linke hatte über Jahre den wohlverdienten Ruf als Chaos-Truppe. Nun ist viel Ruhe eingekehrt, aber fast schon etwas Langeweile. Sind Sie zu langweilig geworden?

Spaniol (lacht) Nein, definitiv nicht. Der Fokus liegt einfach auf den Inhalten. Die Menschen wählen uns wegen unseres Programms. Dabei müssen wir auf unsere eigenen Mitglieder hören, die ein Gespür für die Sorgen und Nöte der Gesellschaft haben. Diese Sorgen sind viel zu groß, um innerparteiliche Konflikte auszutragen. Der gesamte Landesvorstand hat in den vergangenen 15 Monaten gute Arbeit geleistet.

Sie haben recht früh ein Wirtschaftsprogramm für den Wahlkampf vorgelegt. Warum Wirtschaft als Erstes – und was wollen Sie?

Spaniol In erster Linie geht es doch um Glaubwürdigkeit. Es kann nicht sein, dass die Beschäftigten in der Stahlindustrie im Transfer-Tarifvertrag auf insgesamt 130 Millionen Euro verzichten und gleichzeitig die Landtagsabgeordneten ihre Diäten erhöhen. Wir wollen eine vertrauenswürdige Wirtschafts- und Industriepolitik. Die sozial-ökologische Transformation wird nur gelingen, wenn wir massiv öffentlich investieren. Wenn wir investieren, brauchen wir aber auch ein Mitspracherecht. Wenn es öffentliches Geld gibt, dann nur mit Mitbestimmung, Standortgarantien und der Sicherung von Arbeitsplätzen. Das müssen die klaren Bedingungen sein.

Sind Sie am Ende aber nicht doch stark vom Bundestrend abhängig? Früher lag die Saar-Linke immer über dem Bundestrend.

Spaniol Das liegt ja vor allem daran, dass wir bundespolitisch sehr viel richtig machen. Wir zeigen klare Kante gegen rechts und setzen uns gegen den Abbau des Sozialstaats ein. Wir machen einen guten Job im Bundesvorstand, setzen die richtigen Akzente, die die Menschen umtreiben – und ich glaube, dass sich das auswirken wird. Vom Bundestrend profitieren zu können, ist doch auch schön.

In den vergangenen Jahren hat die Bundesspitze der Linken das Saarland ein bisschen wie der Teufel das Weihwasser gescheut. Wird das diesmal anders? Immerhin läuft zeitgleich in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen der Wahlkampf.

Spaniol Ich gehe davon aus, dass wir Unterstützung bekommen werden. Wir haben den Vorteil, dass sich auch inhaltlich viele Themen überschneiden. In Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen gibt es die gleiche Schweinerei mit den Stromsperren. Für uns ist klar: Damit muss Schluss sein. Bei den Klinikschließungen ist es dasselbe. In Mecklenburg-Vorpommern, wo wir an der Regierung beteiligt sind, ist die Ausgangslage eine andere. Dort wurde durch linke Regierungsbeteiligung jeder einzelne Klinikstandort gesichert. Wir zeigen, dass wir wirken, wenn wir im Parlament sind – und dass wir trotzdem kritisch bleiben.

Sie haben gesagt, Sie wollen für linke Mehrheiten kämpfen. Ist also auch eine Regierungsbeteiligung vorstellbar?

Spaniol Wir kämpfen für linke Mehrheiten, keine Frage. Und die kann es nur mit uns geben. Im Gegensatz zu SPD und Grünen sind wir die Einzigen, die klar sagen: Wir werden die CDU und Stephan Toscani nicht in die Regierung wählen. Das schließen wir als Einzige klar aus. Wer also linke Mehrheiten im Saarland will, kann nur Die Linke wählen. (sas)

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