Die Kanzler-Dämmerung von Friedrich Merz ist in vollem Gange – und viele in der Union helfen bei der Demontage noch kräftig mit. Auch die Saar-CDU sollte besser Distanz zu Merz halten, wenn sie ihre Chance bei der Landtagswahl im April wahren will, meint unser Autor.
Meinung | Saarbrücken · Die Kanzler-Dämmerung von Friedrich Merz ist in vollem Gange – und viele in der Union helfen bei der Demontage noch kräftig mit. Auch die Saar-CDU sollte besser Distanz zu Merz halten, wenn sie ihre Chance bei der Landtagswahl im April wahren will, meint unser Autor.
15.09.2026 , 10:26 Uhr
Kanzler Friedrich Merz dürfte (l., hier ein Archivbild aus dem Bundestagswahlkampf) der Saar-CDU mit Stephan Toscani im kommenden Landtagwahlkampf kaum eine Stütze sein.
Foto: dpa/Oliver DietzeDer AfD-Sieg in Sachsen-Anhalt war ein Fanal, das auch die CDU im Saarland nicht übersehen darf. Mehr als eine bittere Niederlage war das. Es ist die Warnung, dass man mit der Idee, rechts blinken, um die AfD kleinzuhalten, bloß in der Sackgasse landet. Für die Saar-CDU folgt daraus die unbequeme Konsequenz: Sie muss sich von der Bundes-CDU deutlich stärker emanzipieren und zum Kanzler auf Abruf Friedrich Merz tunlichst Distanz halten, an dessen Stuhl ausgerechnet Parteifreunde am kräftigsten sägen. Hier Abstand zu halten, bedeutet keine Illoyalität gegenüber dem Kanzler, sondern schlicht politischer Überlebenswille.
Dabei waren die Chancen für die Saar-CDU nach dem Tobias-Hans-Debakel 2022 wieder deutlich besser. Obwohl sie ja mit dem stets konzilianten Stephan Toscani nicht eben die Wahlkampfmaschine par exellence an der Spitze hat. Doch der SPD verhageln die wirtschaftlichen Nackenschläge von Ford über ZF bis zu den SVolt- und Wolfspeed-Flops die Regierungsbilanz – und nicht alle Ministerinnen im SPD-pur-Kabinett sind Aktivposten. Von den Oberbürgermeister- und Bürgermeisterkalamitäten, die die Sozialdemokraten bisher nicht lösen konnten, ganz zu schweigen. Eigentlich also eine ideale Ausgangslage für die CDU.
Doch auch hierzulande dürfte die AfD am Wahltag, dem 18. April, kräftig erstarken; zulasten dann wohl auch der CDU. Und finden Toscani und Co. nicht bald ihren eigenen Ton, der sich klar von Berlin unterscheidet, könnten auch sie im Merz-Strudel runterrauschen. Die CDU braucht deshalb hier ein durch und durch saarländisches Profil: wirtschaftsnah, sozial, pragmatisch und ansprechbar für die Mitte. Im Saarland zählen Arbeitsplätze, Industrie, Energiepreise, Infrastruktur, innere Sicherheit und die Zukunft der Stahl- und Automobilwirtschaft.